Aktuell 21. Oktober 2014

Globale Migrationsgeschichte

Aktuell im Kino: Der Film "Praia do Futuro"
Der Film "Praia do Futuro" läuft seit dem 25. September in den deutschen Kinos

Der Film "Praia do Futuro" läuft seit dem 25. September in den deutschen Kinos

Das Wasser ist das Element Donatos (Wagner Moura) und das Meer sein Zuhause. Als zwei Männer in eine gefährliche Strömung geraten, kann er den deutschen Touristen Konrad (Clemens Schick) retten. Der brasilianische Rettungsschwimmer und der deutsche Motorradschrauber kommen sich bald näher – explizite Szenen sind durchaus vorhanden. Donato folgt Konrad nach Berlin und damit in eine Stadt, die nicht am Meer liegt, in der er sich neu erfinden will: Die Szene, in der er als Taucher das riesige Fischbassin im Aquadom schrubbt, ist schon seit der Premiere auf der diesjährigen Berlinale legendär.

"Praia do Futuro" ist eine Geschichte über Migration und Zukunftschancen – als intensive Verbindung zweier Nationalitäten. Der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz, der seit 2009 in Berlin lebt, ist in seiner Heimat seit dem Film "Madam Satã" (2002) über die Drag Queen João Francisco dos Santos eine Kinolegende.

Interview mit Regisseur Karim Aïnouz:

Herr Aïnouz, wie kam "Praia do Futuro" beim brasilianischen Publikum an?
Eigentlich prima. Bisher haben ihn 150.000 Menschen gesehen! Die meisten Reaktionen waren positiv. Ich sag mal: Das ist ein guter Einstieg.

Es gab aber auch recht feindselige Einwände…
Ja, leider. Es gab sogar mehrere richtige Zwischenfälle. So wurde ein Ticketverkäufer von einigen Kinobesuchern in der Stadt João Pessoa schwer angegangen und physisch bedroht. Die Gruppe verließ den Film in der Mitte der Aufführung ziemlich erbost - die Begründung: Niemand habe ihnen gesagt, dass dies eine schwule Liebesgeschichte sei. Sie würden sich davon belästigt fühlen. Da haben sie sich den Verkäufer vorgeknöpft. Seitdem tragen die Tickets einen Stempelaufdruck, der bedeutet, dass der Verkäufer auf den schwulen Kontext des Films hingewiesen hat. Ähnliche Vorfälle sind aus anderen Städten bekannt geworden. Allerdings berichtete die Presse ausführlich darüber. Von verschiedener Seite wurde der Film verteidigt und die Reaktionen als homophob identifiziert. Das sind sie ja auch: Ich habe noch nie davon gehört, dass bei "Romeo und Julia" darauf hingewiesen wird, dass dies ein Film mit explizit heterosexuellem Inhalt ist.

War dies der erste brasilianische Film über Schwule?
Nein. Es gab schon mehrere Filme und auch in einer sehr beliebten Telenovela, die derzeit läuft, gab es kürzlich ein schwules Pärchen.

Wie sind dann die krassen Reaktionen zu erklären?
Brasilien ist sehr widersprüchlich: Wir haben eine der größten CSD-Paraden der Welt. Das Land hat aber auch eine der höchsten Verbrechensraten. Wer weiß, was das zu bedeuten hat - aber so ist die Situation derzeit.

"Praia do Futuro". BRA/D 2013. Regie: Karim Aïnouz, Darsteller: Wagner Moura, Clemens Schick. Kinostart: 25. September 2014

Von Jürgen Kiontke

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