Jetzt im Kino: "The Court"
Luis Moreno-Ocampo war Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes
© Frank Schinski
30. April 2013 -"The Court" nimmt den Zuschauer mit hinter die Kulissen des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH) und zeigt den Arbeitsalltag seines früheren Chefanklägers Luis Moreno-Ocampo. Markus Vetters ("Cinema Jenin") und Michele Gentiles deutsch-schweizerische Koproduktion feierte bereits Weltpremiere im März bei dem Amnesty International Filmfestival "Movies That Matter" in Den Haag.
Es war der letzte und härteste Fall seiner Karriere: IStGH-Chefankläger Luis Moreno-Ocampo hat den kongolesischen Warlord Thomas Lubanga Dyilo auf die Anklagebank gebracht. Jahrelange Vorbereitungen haben er und sein Team investiert, um eines der schlimmsten Kriegsverbrechen vor dem IStGH in Den Haag anzuklagen: Die Zwangsrekrutierung und der Einsatz von Kindersoldaten. Markus Vetter und Michele Gentile haben den argentinischen Starjuristen dabei begleitet und kreieren in sachlich distanzierten Bildern ein Portrait des Menschen hinter der Institution.
Als stille Beobachterin begleitet die Kamera neben dem hektischen Arbeitsalltag und angespannten Verhandlungen auch Moreno-Ocampos Kampf um die öffentliche Anerkennung der gerichtlichen Menschenrechtsarbeit. Etliche PR-Maßnahmen, eingefangen in nüchterner Ästhetik, zeigen auch Angelina Jolie oder Ben Ferencz, den ehemaligen Chefankläger der Nürnberger Prozesse. Gleichzeitig setzt sich Moreno-Ocampo mit möglichen Kriegsverbrechen während des Bürgerkriegs in Libyen auseinander und kämpft mit den komplizierten rechtlichen Problemen des Gazakriegs. Die filmische Begleitung macht viele, sonst verborgene Details der Aufklärungsarbeit von Delikten gegen das Völkerrecht, Völkermord sowie von Verbrechen gegen die Menschlichkeit erstmals sichtbar.
Amnesty International hat sich seit 1994 mit zahlreichen weiteren Nichtregierungsorganisationen für die Errichtung eines Internationalen Strafgerichtshofs eingesetzt, damit Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen international geahndet werden können. Zuletzt forderte Amnesty International 2012 anlässlich seines zehnjährigen Bestehens alle Regierungen dazu auf, die Arbeit des IStGH ernsthaft zu unterstützen. Trotz wichtiger Erfolge weigern sich Mitgliedstaaten noch immer mit dem IStGH voll zu kooperieren und beispielsweise Angeklagte an das Gericht auszuliefern.