Aktuell Eritrea 07. Oktober 2013

Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer - wie viele Menschen müssen noch sterben?

Amnesty-Aktion vor Lampedusa

Amnesty-Aktion vor Lampedusa

7. Oktober 2013 - Am 3. Oktober 2013 ist ein Schiff mit etwa 500 Flüchtlingen vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa untergegangen – es ist eines von vielen vor den Grenzen Europas. Knapp 150 Bootsflüchtlinge überlebten, über 200 Tote wurden bislang geborgen, der Rest wird noch vermisst.

Der Tod dieser Menschen, die überwiegend aus Eritrea und Somalia kamen, hätte verhindert werden können. Es handelt sich nicht um ein Unglück. Es ist die gewollte Abschottungs- und Abschreckungspolitik der Europäischen Union. Denn auf rechtmäßigem Weg können Flüchtlinge Europa nicht erreichen. Je stärker die Landesgrenzen überwacht und abgeriegelt werden, umso häufiger nehmen die Menschen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer auf sich. Sie geraten wegen der schlechten Boote oft in Seenot.

Allein im Jahr 2011 ertranken über 1.500 Menschen im Mittelmeer. Für die Rettung von Bootsflüchtlingen fühlt sich niemand zuständig. Fischer haben Angst, bestraft zu werden. Und Italien und Malta zanken bis zum Schluss über die Zuständigkeit bei der Seenotrettung, weil damit auch die Zuständigkeit für das Asylverfahren und die Aufnahme der Flüchtlinge einhergeht. Durch dieses Vakuum der Verantwortung ist der Friedensnobelpreisträger Europa längst zu einem Totengräber geworden.

Amnesty International fordert, dass die Europäische Union endlich umdenkt: Menschen, die in Europa Schutz suchen, brauchen Hilfe. Die europäische Abschottungspolitik verletzt Menschenrechte und muss deshalb ein Ende haben. Statt die Grenzen immer stärker zu überwachen, müssen die europäischen Mitgliedstaaten Flüchtlinge und Migranten ohne Zögern aus Seenot retten. Außerdem dürfen Flüchtlinge nicht kriminalisiert werden, wenn sie Europa betreten. Sie brauchen ein faires Asylverfahren und keine Haft.

Außerdem muss das Resettlement-Programm in Deutschland und in allen europäischen Mitgliedstaaten deutlich ausgeweitet werden. Menschen, die nicht mehr in ihre Länder zurückkehren können, erhalten dadurch eine dauerhafte Lebensperspektive. Auf diese Weise müssen Flüchtlinge sich nicht noch zusätzlichen tödlichen Gefahren auf dem Weg nach Europa aussetzen.

Die drei wichtigsten Forderungen an die EU nach der Tragödie in Lampedusa finden Sie in englischer Sprache hier.

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