Syrien: Erneut Dutzende von Folter bedroht
Solidaritätskundgebung mit den Menschen in Syrien in New York
© Demotix
20. Juli 2011 – In Qatana, einem Vorort bei Damaskus, marschierten am letzten Wochenende bewaffnete Truppen mit Panzern ein. Die syrischen Sicherheitskräfte feuerten auf Wohngebiete, drangen in Häuser ein und nahmen Dutzende Männer willkürlich fest. Die Gefangengenommenen haben keinen Kontakt zur Außenwelt und ihr Aufenthaltsort ist unbekannt. Amnesty International befürchtet, dass sie gefoltert werden.
Unter den Inhaftierten befindet sich auch der 61-jährige Journalist und politische Aktivist Ali al-'Abdullah. Ihm gilt besondere Sorge, da er sich erst vor kurzem einer Herz-Operation unterzogen hat und man nicht davon ausgehen kann, dass er die notwendige medizinische Versorgung erhält.
"Die syrischen Behörden müssen den Aufenthaltsort von Ali al-'Abdullah und den anderen Gefangenen aus Qatana bekannt geben und sicherstellen, dass sie nicht gefoltert und misshandelt werden." forderte Philip Luther, stellvertretender Direktor der Abteilung Naher und Mittlerer Osten und Nordafrika bei Amnesty International.
Zahlreiche Menschen wurden bei dem brutalen Einmarsch der Sicherheitskräfte verletzt. Augenzeugen berichteten, dass ein sieben Monate altes Baby erschossen und seine Mutter bei der Flucht verletzt worden ist. Amnesty International sind die Namen von 32 Menschen bekannt, die allein seit dem vergangenen Wochenende landesweit von syrischen Sicherheitskräften getötet wurden. Seit Beginn der Proteste Mitte März wurden nach unseren Erkenntnissen über 1.380 Menschen getötet.
"In den letzten Monaten agierten die syrischen Behörden von Dara’a über Homs bis Qatana und weiterorts mit Gewalt. In dem Versuch, die Proteste für Reformen zu unterdrücken, wurden Massenfestnahmen und der Beschuss von Wohngebieten zur Gewohnheit.", sagte Philip Luther.