Aktuell 02. Dezember 2010

Fotoband "Dignity": Kraft des Pathos

2007 forderte die UNO mehr Rechte für indigene Bevölkerungsgruppen. Australien war damals eines der Länder, das sich dagegen aussprach. Inzwischen hat sich das Heimatland der Aborigines dafür entschuldigt, so unbelehrbar am kolonialistischen Weltbild festgehalten zu haben. Und doch: Wer interessiert sich wirklich für Traditionen von Bevölkerungsgruppen, die, von keiner Lobby vertreten, einfach nur Raum haben wollen, um ihr traditionsgebundenes Leben gegen den Zeitgeist zu verteidigen?

Die in Los Angeles ansässige und preisgekrönte Fotografin Dana Gluckstein hat im Laufe ihrer Karriere Ikonen wie Nelson Mandela, Michail Gorbatschow, Muhammad Ali und Barbara Streisand aufgenommen. Doch zur Lebensaufgabe hat sie es sich gemacht, Indigene zu fotografieren. Dafür reist sie seit 30 Jahren durch die ganze Welt. Glucksteins Fotos sind schwarz-weiß oder eher sepiafarben, ihre Hasselblad-Kamera stammt aus dem Jahr 1981. Ihre Filme lässt die Fotografin noch entwickeln. Auch sie hält also, wenn man so will, an überkommenen Kulturtechniken fest.
Der Fotoband "Dignity", der zum 50-jährigen Bestehen von Amnesty International erscheint, zeigt Menschen zumeist in ihrer traditionellen Kleidung. Mehrheitlich blicken diese ernst oder feierlich in die Kamera. Dieses kunstvolle Bilder-Buch schneidet Menschen aus der Zeit heraus und gibt sie behutsam dem neugiereigen Blick der Fortschrittsmenschen preis. Es ist ein Buch, das auf die Kraft des Pathos und der Inszenierung setzt.

Dana Gluckstein: Dignity - die Würde des Menschen

Dana Gluckstein: Dignity - die Würde des Menschen

Dana Gluckstein: Dignity - die Würde des Menschen. Mit einem Nachwort von Monika Lüke. Verlag Terra Magica, München 2010, 144 Seiten, 34,95 Euro.

Das Buch kann direkt beim Verlag bezogen werden:
Buchverlage LangenMüller
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