Unfaires Gerichtsverfahren
Karte Vereinigte Arabische Emirate
© Courtesy of the University of Texas Libraries
Der politische Aktivist Obaid Yousef al-Zaabi, der festgenommen wurde, nachdem er dem Fernsehsender CNN am 11. Dezember 2013 ein Interview gegeben hatte, hat ein unfaires Gerichtsverfahren erhalten. Das Urteil wird am 26. Mai ergehen. Sollte er schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe verurteilt werden, wird ihn Amnesty International als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten. Er hat kein Recht auf die Einlegung von Rechtsmitteln.
Appell an
PRÄSIDENT
Sheikh Khalifa bin Zayed Al Nahyan
Ministry of Presidential Affairs
Corniche Road
Abu Dhabi, P.O. Box 280
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(Anrede: Your Highness / Eure Hoheit)
Fax: (00 971) 2 622 2228
E-Mail: ihtimam@mopa.ae
KRONPRINZ VON ABU DHABI
Sheikh Mohamed bin Zayed Al Nahyan
Crown Prince Court Bainunah Street
Abu Dhabi, P.O. Box 124
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(Anrede: Your Highness / Eure Hoheit)
Fax: (00 971) 2 668 6622
Twitter: @MBZNews
Sende eine Kopie an
STELLVERTRETENDER STAATSCHEF UND MINISTERPRÄSIDENT
Sheikh Mohammed Bin Rashid al-Maktoum
Office of the Prime Minister
Dubai, P.O. Box 2838
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
Fax: (00 971) 4 353 1974
E-Mail: info@primeminister.ae
Twitter: @HHShkMohd
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE
S. E. Herrn Jumaa Mubarak Jumaa Salem Aljunaibi
Hiroshimastraße 18-20
10785 Berlin
Fax: 030-5165 1900
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. Juni 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte lassen Sie alle Anklagen gegen Obaid Yousef al-Zaabi fallen und lassen Sie ihn unverzüglich und bedingungslos frei, falls er nur deshalb inhaftiert ist, weil er friedlich von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass er Zugang zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand erhält und dass er weiterhin jegliche benötigte medizinische Versorgung erhält.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the UAE authorities to drop all charges against Obaid Yousef al-Zaabi and release him immediately and unconditionally, if he has been held solely for peacefully exercising his right to freedom of expression.
- Urging them to ensure that he has access to his family and lawyer, and that he continues to receive any medical attention he requires.
Sachlage
Die Anklage gegen Obaid Yousef al-Zaabi lautet auf "Gründung und Verwaltung einer elektronischen Seite auf der Social-Media-Webseite Twitter, auf der er eigenes Gedankengut und Geschichten verbreitet, die Hass schüren und die öffentliche Ordnung stören, indem der Staatssicherheitsapparat mit Foltervorwürfen verleumdet wird." Zudem wird ihm vorgeworfen, falsche Aussagen "bezüglich der Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate [VAE] unter Verwendung von Ausdrücken, die ihr Prestige schädigen, gemacht und sie der Unterdrückung bezichtigt zu haben". All dies soll über sein Twitter-Konto geschehen sein. Obaid Yousef al-Zaabi wurde nur einmal, nämlich am 20. März, Besuch von seiner Familie gestattet und er hatte während der Untersuchungshaft keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Seinem Anwalt wurde nicht mitgeteilt, wann das Verfahren beginnen würde, sodass er bei der ersten Anhörung im Obersten Bundesgerichtshof in Abu Dhabi nicht anwesend war. Obaid Yousef al-Zaabi sah seinen Anwalt erstmals bei der zweiten Anhörung am 14. April. Seit seiner Festnahme wird er im Gewahrsam der Staatssicherheitsbehörden in einem Krankenhaus in Abu Dhabi festgehalten, da er unter Arthritis und Rheuma leidet und Schwierigkeiten beim Gehen hat.
Obaid Yousef al-Zaabi war am 12. Dezember 2013 von Staatssicherheitsbeamt_innen festgenommen worden, Stunden nachdem ein Interview, das er dem Sender CNN gegeben hatte, im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Das Interview handelte von einem US-amerikanischen Staatsbürger, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten inhaftiert wurde, weil er ein parodistisches Video über Dubai gedreht hatte. Seine Familie wurde nach seiner Festnahme einige Wochen lang nicht über seinen Verbleib informiert. In dem CNN-Interview sagte Obaid Yousef al-Zaabi, dass er soziale Medien und besonders Twitter nutzt, um seine Ansichten zu vertreten und die Menschenrechte zu verteidigen. So habe er sich auch schon mit Fällen von Personen befasst, die von der Staatssicherheit inhaftiert worden waren. Er gab an, eine politische Reform anzustreben. Er war bereits am 2. Juli 2013 festgenommen worden, nachdem er sich in einer Reihe Twitter-Nachrichten kritisch über das "VAE 94"-Verfahren geäußert hatte – einen Massenprozess gegen 94 Regierungskritiker_innen und Reformbefürworter_innen, darunter sein Bruder Ahmed Yousef al-Zaabi. Der Prozess entsprach nicht den internationalen Standards für faire Verfahren. Am 4. August 2013 wurde er wegen seines schlechten Gesundheitszustands gegen Kaution aus der Haft entlassen, doch im Dezember 2013 nahm man ihn erneut fest.
Hintergrundinformation
Obaid Yousef al-Zaabi wird vorgeworfen, eine Seite auf Twitter eingerichtet und verwaltet zu haben, auf der er eigenes Gedankengut und Geschichten verbreitet, die Hass schüren und die öffentliche Ordnung stören, indem der Staatssicherheitsapparat mit Foltervorwürfen verleumdet wird; Ideen und Nachrichten verbreitet zu haben, mit denen eine staatliche Einrichtung verspottet und ihr Ruf geschädigt werden sollte; falsche Aussagen getätigt zu haben, laut denen der Oberste Bundesgerichtshof einem Kriegsgericht ähnele und das Gesetz, nach dem er operiere, mangelhaft und unvollständig sei, die Verfahren komisch seien und der Richterstand unehrlich, inkompetent und intrigant sei. Ihm wurde zudem vorgeworfen, falsche Aussagen über den Staatssicherheitsapparat der VAE getätigt zu haben, indem er ihn als "Apparat zur Terrorisierung der Bürger_innen" und die Mitarbeiter_innen als "dumm" bezeichnet hatte. Er wird außerdem angeklagt, weil er auf seinem Twitter-Konto Verleumdungen bezüglich der Herrscher der VAE veröffentlicht haben soll, indem er Ausdrücke verwendete, die ihr Prestige schädigten, und weil er sie der Unterdrückung bezichtigt haben soll.
Falls er verurteilt wird, hätte Obaid Yousef al-Zaabi kein Recht darauf, Rechtsmittel einzulegen. Unter Artikel 67 des Bundesgesetzes Nr. 10 der VAE bezüglich des Obersten Bundesgerichtshofs sind die Entscheidungen des Gerichts endgültig und bindend, sodass niemand, gegen den vor diesem Gericht verhandelt wird, nach den Rechtsvorschriften der VAE das Recht hat, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Nach internationalem Recht im Bereich der Menschenrechte hat jede wegen einer Straftat verurteilte Person das Recht, den Schuldspruch und die Strafe von einem höheren Gericht prüfen zu lassen. Das Recht auf Prüfung gewährleistet, dass es mindestens zwei Ebenen der gerichtlichen Untersuchung eines Falles gibt, wobei die zweite von einem höheren Gericht durchgeführt wird als die erste.
Eine Reihe weiterer Personen, darunter Angehörige von Angeklagten, sind festgenommen und beschuldigt worden, Einzelheiten des "VAE 94"-Gerichtsverfahrens auf Internetseiten sozialer Medien, insbesondere Twitter, veröffentlicht oder die Menschenrechtslage in den VAE kritisiert zu haben. Osama al-Najjar, der 25-jährige Sohn des gewaltlosen politischen Gefangenen Hussain Ali al-Najjar al-Hammadi, wurde am 17. März 2014 festgenommen und in Einzelhaft in einer geheimen Hafteinrichtung festgehalten, wo er gefoltert wurde. Osama al-Najjar nutzte Twitter aktiv, um sich für seinen Vater und andere gewaltlose politische Gefangene in den VAE einzusetzen. Am Tag vor seiner Festnahme hatte er einige Twitternachrichten über die Misshandlung seines Vaters und anderer politischer Häftlinge im al-Razeen-Hochsicherheitsgefängnis gesendet. Er befindet sich derzeit im al-Wathba-Gefängnis in Abu Dhabi und ihm wird die medizinische Versorgung verwehrt, die er wegen einer Operation benötigt, die am Tag vor seiner Festnahme durchgeführt worden war. Informationen von Amnesty International zufolge wurden verschiedene Anklagen gegen Osama al-Najjar erhoben, darunter wegen "Beleidigung des Staates", "Aufstachelung zu Hass gegen den Staat" und Verbreitung von Lügen über die Folterung seines Vaters. All dies soll über sein Twitter-Konto geschehen sein.
Abdulla al-Hadidi, der Sohn des Angeklagten Abdulrahman al-Hadidi, wurde am 21. März festgenommen und unter dem Gesetz gegen Internetkriminalität beschuldigt, "ohne Integrität und wider Treu und Glauben" Einzelheiten der öffentlichen Verhandlung über Twitter verbreitet zu haben. In seinen Twitter-Nachrichten hatte er die Frage aufgeworfen, weshalb die Vorwürfe der Angeklagten, sie seien während der Haft ohne Kontakt zur Außenwelt vor der Gerichtsverhandlung gefoltert worden, nicht untersucht wurden, und warum der Richter den Angeklagten keinen Zugang zu ihren Rechtsbeiständen gewährte. Im April 2013 wurde Abdulla al-Hadidi zu zehn Monaten Haft verurteilt. Dieses Urteil wurde am 20. Mai 2013 vom Berufungsgericht in Abu Dhabi bestätigt. Der Aktivist Waleed al-Shehhi wurde am 11. Mai festgenommen und unter Artikel 28 desselben Gesetzes der "Störung der öffentlichen Ordnung" angeklagt, nachdem er auf Twitter seine Sorge über das Verfahren geäußert hatte. Am 18. November 2013 wurde er zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von einer halben Million VAE-Dirham (knapp 100.000 Euro) verurteilt.
Das Gesetz gegen Internetkriminalität scheint sich wie ein umfassendes Verbot von im Internet geäußerter Kritik an der Regierung der VAE auszuwirken und es den Bürger_innen zu untersagen, Informationen an Menschenrechtsorganisationen und Journalist_innen weiterzugeben. Es wird von den Behörden dazu verwendet, scharf gegen kritische Stimmen im Internet, insbesondere über die in den VAE viel genutzte Webseite Twitter, vorzugehen.