Trotz Freispruch keine Haftentlassung

Karte Vereinigte Arabische Emirate

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Der politische Aktivist Obaid Yousef al-Zaabi befindet sich seit dem 23. Juni willkürlich in Haft, obwohl er an diesem Tag vom Obersten Gerichtshof der VAE freigesprochen wurde. Es ist ihm nicht mitgeteilt worden, warum er noch nicht freigelassen wurde. Amnesty International betrachtet Obaid Yousef al-Zaabi als gewaltlosen politischen Gefangenen.

Appell an

PRÄSIDENT
Sheikh Khalifa bin Zayed Al Nahyan
Ministry of Presidential Affairs
Corniche Road
Abu Dhabi, P.O. Box 280
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(Anrede: Your Highness / Exzellenz)
Fax: (00 971) 2 622 2228
E-Mail: ihtimam@mopa.ae

JUSTIZMINISTER
Sultan bin Saeed Al Badi
Al Khubirah
Sector 93, Street 5
Abu Dhabi, P.O. Box 260
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 971) 2 681 0680
E-Mail: über die Webseite: http://ejustice.gov.ae/portal/page/portal/eJustice%20MOJ%20Portal/HomePages/Contact%20Us/Feedback (auf Englisch)

Sende eine Kopie an

STELLVERTRETENDER STAATSCHEF UND MINISTERPRÄSIDENT
Sheikh Mohammed Bin Rashid al-Maktoum
Office of the Prime Minister
Dubai, P.O. Box 2838
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
Fax: (00 971) 4 353 1974
E-Mail: info@primeminister.ae
Twitter: @HHShkMohd

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE
S. E. Herrn Jumaa Mubarak Jumaa Salem Aljunaibi
Hiroshimastraße 18-20
10785 Berlin
Fax: 030-5165 1900

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. September 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Obaid Yousef al-Zaabi unverzüglich und bedingungslos frei, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der nur deshalb inhaftiert ist, weil er friedlich von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat.

  • Ich weise Sie darauf hin, dass seine Inhaftierung, die trotz des Freispruchs durch den Obersten Gerichtshof erfolgte, gemäß des Völkerrechts und der Gesetze der VAE rechtswidrig ist.

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass er Zugang zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand erhält und dass er weiterhin jegliche benötigte medizinische Versorgung erhält.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the UAE authorities to release Obaid Yousef al-Zaabi immediately and unconditionally as he is a prisoner of conscience held solely for peacefully exercising his right to freedom of expression.

  • Stressing, that keeping him in detention after acquittal by the Federal Supreme Court is unlawful under both international and UAE law.

  • Pending his release, urging them to ensure that he has immediate access to his family and lawyer, and that he continues to receive any medical attention he may require.

Sachlage

Obaid Yousef al-Zaabi war am 12. Dezember 2013 von Angehörigen der Staatssicherheit festgenommen worden, nachdem er dem Fernsehsender CNN am 11. Dezember ein Interview gegeben hatte. In dem Interview hatte er erklärt, er benutze die Kommunikationsplattform Twitter, um seine politischen Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen, die Menschenrechte zu verteidigen und öffentliche Aufmerksamkeit für Menschen zu erregen, die von den Sicherheitskräften willkürlich in Haft genommen wurden. Er wurde wegen "Beleidigung des Obersten Gerichtshofs", "Beleidigung des Staatssicherheitsapparats" und "Aufstachelung der Bevölkerung gegen die Herrscher und die Sicherheit in den Vereinigten Arabischen Emiraten" angeklagt. Obaid Yousef al-Zaabi wurde zwar am 23. Juni von der Staatsschutzkammer des Obersten Gerichtshofs in Abu Dhabi von allen Anklagen freigesprochen, jedoch nicht aus der Haft entlassen. Er und seine Familie sind nicht darüber informiert worden, warum und auf welcher rechtlichen Grundlage er sich noch immer in Haft befindet. Seit seiner Festnahme konnte ihn seine Familie nur einmal besuchen. Zugang zu Rechtsbeiständen wurde ihm seit dem Freispruch nicht gewährt. Obaid Yousef al-Zaabi befindet sich auf der Häftlingsstation des Sheikh-Khalifa-Krankenhauses in Abu Dhabi, da er unter fortgeschrittener Arthrose und Rheuma leidet und Schwierigkeiten beim Gehen hat.

Nach seiner Festnahme wurde Obaid Yousef al-Zaabi mehrere Wochen lang unter Bedingungen festgehalten, die dem Verschwindenlassen gleichkommen. Seine Familie wurde nicht über seinen Verbleib informiert, obwohl sie bei den jeweiligen Polizeibehörden nachfragten. Während der Untersuchungshaft hatte Obaid Yousef al-Zaabi keinen Zugang zu Rechtsbeiständen. Informationen von Amnesty International zufolge teilte ihm ein hochrangiger Beamter der Staatsanwaltschaft während dieses Zeitraums mit, dass er auch im Falle eines Freispruchs nicht freigelassen würde. Nach dem Völkerrecht ist die fortgesetzte Inhaftierung von Obaid Yousef al-Zaabi willkürlich, da es keine rechtliche Grundlage für die Freiheitsberaubung gibt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Obaid Yousef al-Zaabi wurde am 11. Dezember 2013 von dem Sender CNN über einen US-amerikanischen Staatsbürger interviewt, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) inhaftiert wurde, weil er ein parodistisches Video über Dubai gedreht hatte. Obaid Yousef al-Zaabi war am 2. Juli 2013 festgenommen worden, nachdem er sich in einer Reihe Twitter-Nachrichten kritisch über das "VAE 94"-Verfahren geäußert hatte – einen Massenprozess gegen 94 Regierungskritiker_innen und Reformbefürworter_innen, denen auch sein Bruder Ahmed Yousef al-Zaabi angehörte. Am 4. August wurde er wegen seines schlechten Gesundheitszustands gegen Kaution aus der Haft entlassen, doch im Dezember nahm man ihn erneut wegen des CNN-Interviews fest. Ihm wurde vorgeworfen, Gedankengut und Geschichten verbreitet zu haben, die Hass schüren und die öffentliche Ordnung stören, indem der Staatssicherheitsapparat mit Foltervorwürfen verleumdet wird; falsche Aussagen über die Herrscher der VAE getätigt zu haben, indem er Ausdrücke verwendete, die ihr Prestige schädigten, und weil er sie der Unterdrückung bezichtigt haben soll; Ideen und Nachrichten verbreitet zu haben, mit denen eine staatliche Einrichtung verspottet und ihr Ruf geschädigt werden sollte; falsche Aussagen getätigt zu haben, laut denen der Oberste Gerichtshof einem Kriegsgericht ähnele und das Gesetz, nach dem er operiere, mangelhaft und unvollständig sei, die Verfahren ein Witz seien und der Richterstand unehrlich, inkompetent und intrigant sei. Ihm wurde zudem vorgeworfen, falsche Aussagen über den Staatssicherheitsapparat der VAE getätigt zu haben, indem er ihn als "Apparat zur Terrorisierung der Bürger_innen" und die Mitarbeiter_innen als "dumm" bezeichnet hatte.

Dass Obaid Yousef al-Zaabi trotz seines Freispruchs nach wie vor inhaftiert ist, ist gemäß des Völkerrechts und der Gesetze der VAE rechtswidrig. Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen hat mehrere Male darauf hingewiesen, dass Inhaftierungen dann willkürlich sind, wenn es keine rechtliche Grundlage für die Freiheitsberaubung gibt. Personen, die festgehalten werden, obwohl das Gesetz oder eine Justizbehörde ihre Freilassung anordnet, gelten daher als willkürlich inhaftiert. Das Strafverfahrensrecht der VAE sieht vor, dass die Staatsanwaltschaft den Häftlingen innerhalb der ersten 48 Stunden nach Festnahme mitteilen muss, welche Anklagen gegen sie erhoben werden. Zudem müssen die Häftlinge in den nachfolgenden 24 Stunden entweder freigelassen oder offiziell festgenommen werden. Allerdings kann die Haftanordnung durch einen Richter verlängert werden.

Das 2012 erlassene Gesetz gegen Internetkriminalität, unter dem auch Obaid Yousef al-Zaabi angeklagt wurde, wird von den Behörden verstärkt verwendet, um die Nutzer sozialer Medien strafrechtlich zu verfolgen, die die schlechte Menschenrechtsbilanz der VAE und das scharfe Vorgehen gegen Aktivist_innen kritisieren. Des Weiteren verwenden Behörden das Gesetz dazu, Bürger_innen zu untersagen, Informationen an Menschenrechtsorganisationen und Journalist_innen weiterzugeben, und um scharf gegen kritische Stimmen im Internet vorzugehen, insbesondere über die in den VAE viel genutzte Webseite Twitter. Eine Reihe weiterer Personen, darunter Angehörige von Personen, die in dem unfairen "VAE 94"-Gerichtsverfahren verurteilt wurden, sind wegen der Veröffentlichung von Menschenrechtsverletzungen auf Twitter festgenommen und verurteilt worden. Osama al-Najjar, der 25-jährige Sohn des gewaltlosen politischen Gefangenen Hussain Ali al-Najjar al-Hammadi, wurde am 17. März 2014 festgenommen und in Einzelhaft in einer geheimen Hafteinrichtung festgehalten, wo er gefoltert wurde. Osama al-Najjar nutzte Twitter aktiv, um sich für seinen Vater und andere gewaltlose politische Gefangene in den VAE einzusetzen. Am Tag vor seiner Festnahme hatte er einige Twitternachrichten über die Misshandlung seines Vaters und anderer politischer Häftlinge im al-Razeen-Hochsicherheitsgefängnis in Abu Dhabi gesendet. Er befindet sich derzeit im al-Wathba-Gefängnis in Abu Dhabi und ihm wird die medizinische Versorgung verwehrt, die er wegen einer Operation benötigt, die am Tag vor seiner Festnahme durchgeführt worden war. Informationen von Amnesty International zufolge wurden verschiedene Anklagen gegen Osama al Najjar erhoben, darunter wegen "Beleidigung des Staates", "Aufstachelung zu Hass gegen den Staat" und Verbreitung von Lügen über die Folterung seines Vaters auf Twitter. Der Aktivist Waleed al-Shehhi wurde am 11. Mai 2013 festgenommen und unter Artikel 28 des Gesetzes gegen Internetkriminalität der "Störung der öffentlichen Ordnung" angeklagt, nachdem er auf Twitter seine Sorge über das "VAE 94"-Verfahren geäußert hatte. Am 18. November wurde er zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von einer halben Million VAE-Dirham (knapp 100.000 Euro) verurteilt.

Am 5. Februar 2014 zeigte sich Gabriela Knaul, UN-Sonderberichterstatterin über die Unabhängigkeit von Richtern und Anwälten, besorgt darüber, dass das Rechtssystem der VAE unter der De-facto-Kontrolle der Regierung steht.