Männer und Minderjähriger verschwunden

Syrien: Hunderte Protestierende weiter in Haft

Syrien: Hunderte Protestierende weiter in Haft

Über den Verbleib von drei Männern und einem minderjährigen Jungen, die am 27.November 2011 in Syrien festgenommen worden waren, herrscht Ungewissheit. Sie scheinen dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen zu sein. Zwei der Männer waren vor ihrer Festnahme in schlechter gesundheitlicher Verfassung.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410

INNENMINISTER
His Excellency
Major General Mohamad Ibrahim al-Shaar
Minister of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 311 0554

Sende eine Kopie an

AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim, Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251 /-6252/ -6253

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de, press@syrianembassy.de, secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 31. Januar 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin angesichts von Berichten besorgt, denen zufolge Fahd Musa al-Musa, 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus, 'Abd al-Rahman 'Abdo Jamus und Ahmad 'Abdo Jamus nach ihrer Festnahme am 27. November 2011 dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind. Bitte geben Sie umgehend den Aufenthaltsort und etwaige gegen die genannten Männer erhobenen Anklagen bekannt.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass die Männer Schutz vor Folter und Misshandlung erhalten sowie unverzüglich Kontakt zu ihren Familien und einem Rechtsanwalt eigener Wahl aufnehmen können. Zudem müssen sie medizinisch versorgt werden.

  • Lassen Sie die Männer sofort und bedingungslos frei, wenn sie allein deswegen inhaftiert sind, weil sie ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit wahrgenommen haben. In diesem Fall handelt es sich bei ihnen um gewaltlose politische Gefangene.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Express concern that Fahd Musa al-Musa, 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus, 'Abd al-Rahman 'Abdo Jamus and Ahmad 'Abdo Jamus appear to have been subjected to enforced disappearance since their arrest on 27 November and calling on the authorities immediately to disclose their whereabouts and any charges brought against them.

  • Urge the authorities to ensure that they are protected from torture and other ill-treatment, allowed immediate contact with their family and a lawyer of their choice, and provided with any medical care they require.

  • Call for them to be released immediately and unconditionally if they have been held solely for peacefully exercising their rights to freedom of expression and assembly and are therefore prisoners of conscience.

Sachlage

Der 41-jährige Rechtsanwalt Fahd Musa al-Musa und der 38-jährige Automechaniker 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus sind am 27. November im Haus von 'Abd al-Razaq in Hama, einer Stadt im mittleren Westen Syriens, festgenommen worden. Mit ihnen wurden auch der 17 Jahre alte Ahmad 'Abdo Jamus, und der 40-jährige 'Abd al-Rahman 'Abdo Jamus, Sohn beziehungsweise Bruder von 'Abd al-Razaq, festgenommen.

Die Behörden haben den Haftort der Männer bislang nicht bekannt gegeben, und ihre Familien haben Angst, sich bei den Behörden nach ihnen zu erkundigen. Ein kürzlich aus dem Gewahrsam des Politischen Sicherheitsdienstes in Hama freigelassener Gefangener hat den Familien berichtet, er habe dort die vier genannten Personen mehrere Tage nach ihrer Festnahme gesehen, jedoch nicht mit ihnen sprechen können.

Amnesty International sorgt sich insbesondere um die Gesundheit von Fahd Musa al-Musa und 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus, da beide Männer regelmäßig Medikamente einnehmen müssen und ärztliche Behandlung benötigen. Fahd Musa al-Musa leidet an einem Magengeschwür und einem Bandscheibenvorfall, 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus ist Diabetiker und leidet unter Bluthochdruck.

Amnesty International sind jüngst Berichte zugegangen, denen zufolge Fahd Musa al-Musa und 'Abd al-Razaq 'Abdo möglicherweise an Protestkundgebungen in Hama teilgenommen haben. Der allem Anschein nach nicht an der Protestbewegung beteiligte Lehrer 'Abd al-Rahman 'Abdo Jamus wie auch Ahmad 'Abdo Jamus sind festgenommen worden, weil sie sich zum Zeitpunkt der Razzia in dem durchsuchten Haus aufhielten.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin angesichts von Berichten besorgt, denen zufolge Fahd Musa al-Musa, 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus, 'Abd al-Rahman 'Abdo Jamus und Ahmad 'Abdo Jamus nach ihrer Festnahme am 27. November 2011 dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind. Bitte geben Sie umgehend den Aufenthaltsort und etwaige gegen die genannten Männer erhobenen Anklagen bekannt.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass die Männer Schutz vor Folter und Misshandlung erhalten sowie unverzüglich Kontakt zu ihren Familien und einem Rechtsanwalt eigener Wahl aufnehmen können. Zudem müssen sie medizinisch versorgt werden.

  • Lassen Sie die Männer sofort und bedingungslos frei, wenn sie allein deswegen inhaftiert sind, weil sie ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit wahrgenommen haben. In diesem Fall handelt es sich bei ihnen um gewaltlose politische Gefangene.

[APPELLE AN]

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410

INNENMINISTER
His Excellency
Major General Mohamad Ibrahim al-Shaar
Minister of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 311 0554

KOPIEN AN
AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim, Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251 /-6252/ -6253

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de, press@syrianembassy.de, secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 31. Januar 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Februar 2011 setzten in Syrien Demonstrationen für Reformen im Land ein, die sich Mitte März zu Massenprotesten ausweiteten. In ihrem Bemühen, die Proteste zu unterbinden, sind die Behörden in äußerst brutaler Weise gegen die TeilnehmerInnen vorgegangen. Amnesty International liegen die Namen von mehr als 3300 Menschen vor, die seit Mitte März im Zuge oder im Zusammenhang mit Demonstrationen getötet wurden oder auf andere Weise ums Leben gekommen sind. Zahlreiche Personen sollen von den Sicherheitskräften erschossen worden sein, die mit scharfer Munition gegen friedliche DemonstrantInnen sowie TeilnehmerInnen an Beisetzungen von Menschen einschritten, welche bei früheren Protestkundgebungen getötet worden waren. Auch Angehörige der Sicherheitskräfte verloren ihr Leben. Einige wurden von Armeedeserteuren getötet, andere starben, nachdem sie sich dem bewaffneten Kampf gegen die Regierung angeschlossen hatten.

Seit Beginn der Massenproteste sind in Syrien mehrere tausend Menschen festgenommen und viele von ihnen ohne Kontakt zur Außenwelt in geheimer Haft gehalten worden. In solchen geheimen Hafteinrichtungen sind nach vorliegenden Meldungen Folter und andere Misshandlungen an der Tagesordnung.. Seit dem 1. April 2011 sind Berichten zufolge mehr als 200 Menschen, 15 von ihnen BewohnerInnen der Stadt Hama, unter Verdacht erregenden Umständen in der Haft gestorben. Einige der Opfer, darunter auch 14 Kinder im Alter von gerade einmal 14 Jahren, sind vor oder nach ihrem Tod auf besonders grausame Art verstümmelt worden, bevor man die Leichen ihren Familien aushändigte. Ziel der Verstümmelungen war es offenbar, den Familien Angst und Schrecken einzujagen (Weitere Informationen finden Sie in der Dokumentation Syria: Deadly detention: Deaths in custody amid popular protest in Syria, 31. August 2011 (http://amnesty.org/en/library/info/MDE24/035/2011/en).

Fahd Musa al-Musa, 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus, 'Abd al-Rahman 'Abdo Jamus und Ahmad 'Abdo Jamus stammen aus der Stadt Hama, die seit Beginn der Demonstrationen Schauplatz des brutalen Vorgehens der syrischen Behörden zur Niederschlagung der Proteste geworden ist. Während der Razzia auf das Haus von 'Abd al-Razaq 'Abdo Jamus waren nach Auskunft von Nachbarn in der gesamten Gegend Telefon- und Mobilfunkverbindungen unterbrochen. Der Bruder von Fahd Musa al-Musa, der mittlerweile nicht mehr in Syrien lebt, hat Amnesty International mitgeteilt, von AugenzeugInnen erfahren zu haben, dass das Haus seines Bruders vor dessen Festnahme fünf Mal Zielscheibe von Razzien gewesen sei. Die Razzien seien jeweils von Männern durchgeführt worden, die Uniformen trugen, wie sie beim Militär und den Sicherheitskräften üblich sind.