Saharauische Marokkanerin abgeschoben

Am 13. November beschlagnahmten die marokkanischen Behörden den Pass von Aminatou Haidar. Am folgenden Tag schoben sie die Menschenrechtlerin aus Marokko ab. Sie befindet sich derzeit auf dem Flughafen von Lanzarote auf den Kanarischen Inseln. Am 15. November trat sie aus Protest in den Hungerstreik.

Appell an

KÖNIG
Mohammed VI
Bureau de Sa Majesté le Roi
Palais Royal
Rabat, Maroc
MAROKKO
(korrekte Anrede: Your Majesty)
Fax: (00 212) 537 73 07 72

AUSSENMINISTER
Taieb El Fassi Fihri
Ministre des Affaires Etrangères et de la Coopération
Avenue Franklin Roosevelt
Rabat, Maroc
MAROKKO
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 212) 537 76 46 79
E-Mail: mail@maec.gov.ma

Sende eine Kopie an

VORSITZENDER DES BEIRATS FÜR MENSCHENRECHTE
Ahmed Herzenni

Human Rights Advisory Board
Place Ach-Chouhada,
Boite Postale 1341
10000 Rabat
MAROKKO
(korrekte Anrede: Dear Mr. Herzenni)
Fax: (00 212) 537 72 68 56
E-Mail: ccdh@ccdh.org.ma

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS MAROKKO
S. E. Herrn Mohammed Rachad Bouhlal
Niederwallstraße 39
10117 Berlin
Fax: 030-2061 2420
E-Mail: kontakt@botschaft-marokko.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die marokkanischen Behörden auf, Aminatou Haidar unverzüglich und bedingungslos den Reisepass und ihren marokkanischen Ausweis zurückzugeben und ihr die Rückreise in die Westsahara zu gestatten.

  • Dringen Sie bei den Behörden darauf, sicherzustellen, dass Aminatou Haidars Zugang zu ihrem Bankkonto nicht von den marokkanischen Sicherheitskräften blockiert wird.

Sachlage

Aminatou Haidar, Mutter von zwei Kindern, wurde am 13. November am Flughafen Laayoune in der Westsahara festgenommen, als sie von einer einmonatigen Reise in verschiedene Länder, darunter die USA, zurückkehrte. In den USA hatte sie den Preis für Zivilcourage 2009 entgegengenommen, der jedes Jahr für "den unerschütterlichen Widerstand gegen Böses trotz erheblichem persönlichen Risiko" vergeben wird. Die Behörden fragten sie, warum sie auf dem Rückflug auf dem Einreiseformular als Heimatland "Westsahara" und nicht "marokkanische Sahara" angegeben habe. Weiter befragte man sie zu ihrer Reise sowie ihren politischen Ansichten und Verbindungen. Dann nahm man ihr den Pass und den Ausweis ab und behielt sie über Nacht im Flughafengebäude in Gewahrsam. Sie gab an, dass die Regierungsbeamten ihr am 14. November anboten, sie freizulassen, wenn sie öffentlich anerkennen würde, dass die Westsahara zum marokkanischen Staatsgebiet gehöre. Sie weigerte sich, dies zu tun und wurde daraufhin wenige Stunden später in ein Flugzeug mit dem Ziel Lanzarote auf den Kanarischen Inseln gesetzt.

Seit dem 15. November befindet sich Aminatou Haidar aus Protest gegen dieses Vorgehen im Hungerstreik. Laut Angaben ihrer Familie ist sie bereits recht schwach. Ihre Gesundheit ist besonders gefährdet, da sie an Anämie und einem Magengeschwür leidet. Im Zuge Ihres Hungerstreiks weigert sie sich, die Medikamente gegen das Magengeschwür einzunehmen. Aminatou Haidar hat es abgelehnt, in Spanien als Flüchtling anerkannt zu werden und besteht auf ihr Recht, in die Westsahara zurückzukehren. Ohne gültige Ausweise kann Aminatou Haidar jedoch nicht reisen und muss auf Lanzarote bleiben. Ihre Lage wird auch dadurch erschwert, dass weder sie noch ihre Familie Zugriff auf ihr Bankkonto haben. Eine Person, die anonym bleiben wollte, hat der Familie mitgeteilt, dass ein hochrangiger Sicherheitsbeamter die Bank angewiesen habe, ihr Konto einzufrieren.

Amnesty International geht davon aus, dass Aminatou Haidars Ausweisung sowie die Beschlagnahmung ihres marokkanischen Ausweises und ihres Reisepasses politische Gründe haben und sie wegen ihrer Haltung zur Selbstbestimmung der Westsahara bestraft wird.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Aminatou Haidar, Vorsitzende des Kollektivs Saharauischer MenschenrechtsverteidigerInnen (Collectif des défenseurs sahraouis des droits de l’Homme – CODESA) hat bereits in den vergangenen Jahren bei einer Reihe von Kampagnen für die Freilassung politischer und gewaltloser politischer Gefangener eine führende Rolle gespielt und zudem im Land und international auf die Menschenrechtsverletzungen in der Westsahara aufmerksam gemacht. Am 20. Oktober nahm sie den Preis für Zivilcourage entgegen, der von der Stiftung Train Foundation in New York City vergeben wird und mit 50.000 US-Dollar dotiert ist. In einem Telefoninterview mit Amnesty International sagte Aminatou Haidar am 3. Dezember: "Ich bin entschlossen, den friedlichen Kampf für die Menschenrechte fortzusetzen. Die jetzige Generation und deren Kinder [in der Westsahara] erleben mit eigenen Augen die Unterdrückung durch die Polizei. Stellen Sie sich nur einmal vor, viele Kinder malen nicht mehr Spielzeug, sondern Polizisten mit Schusswaffen und Schlagstöcken. Ich habe Angst, dass sie selbst gewalttätig werden und andere zur Gewalt aufrufen."

Die Mutter zweier Kinder befand sich von 1987 bis 1991 ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in geheimer Haft. 2005 wurde sie in einem unfairen Gerichtsverfahren zu einer siebenmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Anklagen gründeten sich auf ihre mutmaßliche Beteiligung an Protesten in der Westsahara. Vor ihrer Festnahme musste sie wegen Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Offenbar hatten Sicherheitskräfte sie angegriffen, als sie auf dem Weg zu einer Demonstration in Laayoune war.

Die Westsahara war bis 1975 spanisches Territorium und wurde dann von Marokko annektiert. Die marokkanischen Behörden zeigen wenig Toleranz gegenüber Personen, die sich für das Recht der Westsahara auf Selbstbestimmung aussprechen. Sie gehen zunehmend repressiv gegen die Aktivitäten von saharauischen MenschenrechtsverteidigerInnen vor und verstoßen damit gegen die Verpflichtungen Marokkos als Vertragsstaat internationaler Menschenrechtsabkommen, namentlich des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte, und gegen die UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern.

Die Westsahara wird sowohl von Marokko als auch der Frente Polisario für sich beansprucht. Marokko behauptet, die Staatshoheit über das Gebiet zu besitzen, die Frente Polisario ihrerseits fordert die Gründung eines unabhängigen Staates auf diesem Territorium. Sie hat in Flüchtlingslagern im Südwesten Algeriens eine selbsternannte Exilregierung gebildet.