Morddrohungen

Eine paramilitärische Gruppe in Westkolumbien hat sechs Einzelpersonen sowie Mitglieder von fünf Organisationen mit dem Tod bedroht. Die Betroffenen befinden sich in großer Gefahr.

Appell an

PRÄSIDENT
Señor Presidente Álvaro Uribe Vélez
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Uribe/
Excmo. Sr. Presidente Uribe)
Fax: (0057) 1 337 5890

VIZEPRÄSIDENT
Dr. Francisco Santos Calderón
Vicepresidencia
Carrera 8A No 7-27
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Vice-president/ Sr. Vicepresidente)
Fax: (0057) 1 444 2158 (wenn jemand abhebt, sagen Sie bitte "me da tono de fax, por favor")

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
NOMADESC
Carrera 4 No. 4-43 ofi. 201
Cali
KOLUMBIEN

GEWERKSCHAFTSDACHVERBAND
Central Unitaria de Trabajadores (CUT)
Carrera 11 B No.22-36
Barrio Obrero
Cali
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. Dezember 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE.

  • Fordern Sie die Behörden auf, eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Morddrohung anzuordnen, die am 22. Oktober beim CUT in Valle del Cauca einging, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Appellieren Sie an die Behörden, in Abstimmung mit den Betroffenen für deren Schutz zu sorgen.

  • Dringen Sie darauf, dass umgehend Maßnahmen zur Auflösung paramilitärischer Gruppen getroffen werden, wie dies den ausgewiesenen Selbstverpflichtungen der Regierung und den Empfehlungen der UN und anderer zwischenstaatlicher Organisationen entspricht.

Sachlage

Die Drohung ging am 22. Oktober per Fax bei der Vertretung des Gewerkschaftsdachverbandes CUT (Central Unitaria de Trabajadores) im Departement Valle del Cauca ein. Es wurden mehrere Namen und Organisationen aufgeführt, die nun als "militärische Ziele" gelten würden. Unterzeichnet hat das Schreiben eine paramilitärische Gruppe namens "Aguilas Negras Nueva Generación" (Schwarze Adler Neue Generation).

In dem Fax wurden die Genannten beschuldigt, Guerilla-Kräfte zu unterstützen. "Ihr verteidigt die Guerilla [...] Wir haben beschlossen, dass der Kampf auch auf die ausgedehnt werden muss, die sich in Organisationen wie dem CUT Valle, NOMADESC, Menschenrechts- organisationen und NGOs verstecken." GewerkschafterInnen, MenschenrechtlerInnen sowie IndigenensprecherInnen und -aktivistInnen, die von Sicherheitskräften oder paramilitärischen Gruppierungen als "subversiv" eingestuft werden, sind in Kolumbien häufig schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Zum Teil droht ihnen sogar der Tod.

Die genannten Personen und Organisationen werden in dem Fax auch beschuldigt, die wirtschaftliche Entwicklung der Region Cauca aufzuhalten. "Diese Bürokraten lassen nicht zu, dass Cauca sich entwickelt, weil sie multinationalen Unternehmen den Zugang verweigern, obwohl diese Vorteile für die Gemeinschaften bringen."

Einige der genannten Organisationen und Einzelpersonen sind bereits vor dem 22. Oktober bedroht worden. Einer von ihnen, José Goyes, erhielt am selben Tag eine telefonische Morddrohung. José Goyes ist in den letzten Jahren mehrfach mit dem Tode bedroht worden und hat einen Mordanschlag überlebt. Außerdem wurden einige Männer dabei gesehen, wie sie vom 20. bis 23. Oktober sowie am 28. Oktober die Räume der Organisation "Asociación de Investigación y la Acción Social" (NOMADESC) in Cali, der Hauptstadt der Provinz Valle del Cauca, beobachteten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Fax vom 22. Oktober enthielt die Namen von sechs Männern: José Goyes vom "Indigenen Regionalrat von Cauca" (Consejo Regional Indígena del Cauca); Licifredy Arara vom Gemeinderat von La Toma in Suárez, Meraldiño Cabiche vom Stadtrat von Suárez, Plutarco Mina von der afrokolumbianischen Organisation "Proceso de Comunidades Negras" (PCN) sowie Eduar Villegas und Diego Escobar von der Vertretung des Gewerkschaftsdachverbandes "Central Unitaria de Trabajadores" (CUT) in Valle del Cauca.

Außerdem wurden die Menschenrechtsorganisation NOMADESC, die Vertretung des CUT in Valle del Cauca, die PCN, der Gemeinderat von La Toma und die indigene Gemeinschaft von Cerro Tijeras (Cabildo Indígena Cerro Tijeras) aufgeführt.

Während des seit 40 Jahren andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien haben Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften häufig als Guerillakollaborateure oder -unterstützerInnen bezeichnet, die dadurch oft Opfer von Drohungen, "Verschwindenlassen" und Morden werden. Guerrillagruppen haben ebenfalls MenschenrechtlerInnen und GewerkschafterInnen bedroht und getötet, die sie als UnterstützerInnen ihrer Feinde betrachten.

Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien sind angeblich seit dem von der Regierung finanzierten Demobilisierungsprozess, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst. Drohungen gegenüber Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften nicht nur in Valle del Cauca zeigen jedoch, dass diese Gruppen nach wie vor aktiv sind.

Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen und UnterstützerInnen der zunehmenden gesellschaftlichen Mobilisierung der indigenen Bevölkerung in der Region sind immer stärkeren Drohungen ausgesetzt.