Weiterhin in Haft

Karte Jemen

Karte Jemen

Keyvan Qadari, ein jemenitischer Angehöriger der Glaubensgemeinschaft der Baha’i, wird seit dem 10. August 2016 willkürlich in Haft gehalten und hatte zwischenzeitlich keinen Kontakt zur Außenwelt. Trotz einer Anordnung zu seiner Freilassung befindet er sich weiterhin ohne Anklage in Haft. Er ist ein gewaltloser politischer Gefangener.

Appell an

SPRECHER DER HUTHI, ANSARULLAH-VERTRETER BEI DEN FRIEDENSGESPRÄCHEN Mohamed Abdelsalam (Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Mohamed Abdelsalam) E-Mail: mdabdalsalam@gmail.com

LEITER DER MENSCHENRECHTSABTEILUNG DER ANSARULLAH Abdulmalik al-Ajari (Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Abdulmalik al-Ajari) Facebook: http://on.fb.me/1n1y4Mn

LEITER DES PRÄSIDENTENBÜROS Mahmod Abdulqader al-Jounid (Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Mahmod Abdulqader al-Jounid) Fax: (00 967) 1 274 147 E-Mail: mahmodaljounid@gmail.com

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER REPUBLIK JEMEN S.E. Herrn Yahia Mohammed Abdullah Al-Shaibi Rheinbabenallee 12, 14199 Berlin Fax: 030- 89 73 05 62 E-Mail: info@botschaft-jemen.de

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. März 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS, FACEBOOK-NACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Keyvan Qadari umgehend und bedingungslos frei, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, die sich nur aufgrund seines Glaubens in Haft befindet.

  • Bitte kommen Sie Ihren internationalen Verpflichtungen nach, allen Menschen im Jemen, einschließlich den Angehörigen der Baha’i-Gemeinschaft, die Rechte auf Gedanken-, Religions- und Gewissensfreiheit zu garantieren.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the de facto Huthi authorities to release Keyvan Qadari immediately and unconditionally as he is a prisoner of conscience detained solely on account of his religious beliefs.

  • Urging them to respect their international obligation to guarantee the right of all individuals, including those of the Baha’i faith, to freedom of thought, conscience and religion.

Sachlage

Keyvan Qadari, ein Angehöriger der Glaubensgemeinschaft der Baha'i im Jemen, wird seit dem 10. August 2016 ohne Anklage in Haft festgehalten, obwohl der Generalstaatsanwalt am 17. Januar seine Freilassung angeordnet hat. Anfangs wurde er sechs Wochen lang ohne Kontakt zur Außenwelt beim jemenitischen Geheimdienst (National Security Bureau – NSB) in Sanaa festgehalten. Erst am 23. September durfte er dann seine Familie anrufen. Danach wurde er jedoch wieder fast zehn Wochen lang ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Am 1. Dezember 2016 konnte ihn seine Familie beim Politischen Sicherheitsdienst in Sanaa (Political Security Office) besuchen, wo er seit Oktober 2016 inhaftiert ist. Keyvan Qadari ist ein gewaltloser politischer Gefangener und befindet sich nur aufgrund seines Glaubens und der friedlichen Aktivitäten als Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Baha’i – eine religiöse Minderheit im Jemen – in Haft.

Während seiner Zeit beim NSB drohten die Behörden, ihn und seine Familie in den Iran abzuschieben.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Amnesty International hat seit 2015 eine Reihe von Fällen dokumentiert, bei denen Angehörige der Baha’i im Jemen von der bewaffneten Gruppe der Huthi inhaftiert worden sind, darunter auch die unten aufgeführten Personen. Im September 2014 nahm die Huthi-Gruppierung, die größtenteils aus Angehörigen der zaiditisch-schiitischen Minderheit im Norden des Jemen besteht, einige Militär- und Sicherheitsposten in Sanaa ein. In der dritten Januarwoche 2015 griffen die Huthi Militärposten, den Präsidentenpalast und Regierungsgebäude an. Dies führte zum Rücktritt von Präsident Abd Rabbu Mansour Hadi und seiner Regierung. Die Huthi wurden infolgedessen die faktischen Machthaber der Hauptstadt und anderer Teile des Landes.

Keyvan Qadari wurde zusammen mit 64 weiteren Personen am 10. August 2016 festgenommen, als bewaffnete Angehörige des NSB einen Workshop für Jugendliche der Gemeinschaft der Baha’i stürmten und 65 Menschen (67 mit den später am selben Tag festgenommenen Brüdern Nadim und Nader al-Sakkaf) ohne Vorliegen eines Haftbefehls festnahmen, darunter auch sechs Kinder. Der NSB arbeitet eng mit der De-Facto-Regierung der Huthi-Gruppierung zusammen. Unter den 67 Festgenommenen befanden sich auch Ruhiyeh Thabet und Nafha Sanai, die Ehefrauen von Nadim und Nader al-Sakkaf. Ruhiyeh Thabet kam am 6. September 2016 wieder frei, nachdem sie gezwungen worden war, eine Erklärung zu unterzeichnen, dass sie "nicht mehr an gemeinnützigen Aktivitäten der Baha’i" teilnehmen wird. Nafha Sanai wurde am 21. August freigelassen, nachdem sie ebenfalls eine Erklärung unterschrieben hatte, dass sie "nicht an Aktivitäten der Baha’i teilnehmen und ihre Religion nur zuhause ausüben" wird. Nadim und Nader al-Sakkaf befanden sich fast vier Monate willkürlich in Haft, bevor sie ohne Anklage am 27. November 2016 freigelassen wurden. Bis auf Keyvan Qadari sind alle am 10. August 2016 festgenommenen Personen wieder freigelassen worden.

Nadim und Nader al-Sakkaf waren bereits im März 2015 von Mitgliedern der Huthi-Gruppierung festgenommen und zu ihrem Glauben und anderen Angehörigen der Baha’i-Gemeinschaft verhört worden. Nach zwei Tagen wurden sie ohne Anklage wieder freigelassen. Am 11. Januar 2017 wurden Nader al-Sakkaf und sein Schwiegervater Heshmat Alah Sarvestani willkürlich von Angehörigen der international anerkannten Regierung unter Präsident Abd Rabbu Mansour Hadi in Aden im Süden des Jemen festgenommen (Weitere Informationen hierzu finden Sie in UA-017/2017, unter http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-017-2017/zwei-maenner-verschwunden). Dies war das erste Mal, dass Amnesty International die Festnahme von Angehörigen der Baha'i durch die international anerkannte Regierung dokumentiert hat.

Keyvan Qadari wurde am 20. Juni 2008 von den jemenitischen Behörden festgenommen und vier Monate lang in Haft gehalten. In dieser Zeit soll er sich in unmittelbarer Gefahr befunden haben, in den Iran abgeschoben zu werden. Man hielt ihn 40 Tage lang ohne Kontakt zur Außenwelt fest und ließ ihn am 23. Oktober 2008 bedingungslos und ohne Anklageerhebung wieder frei. Am 10. August 2016 wurde er dann erneut festgenommen.

Amnesty International hat eine Kopie der am 17. Januar 2017 von der Generalstaatsanwaltschaft erlassenen schriftlichen Entlassungsanordnung für Keyvan Qadari vorliegen. Die zuständigen Gefängnisbehörden sind der Anordnung bisher nicht nachgekommen.