Gewerkschafter und Familie bedroht

Aktion von Amnesty Spanien für Menschenrechtsverteidiger in Kolumbien, Oktober 2009

Aktion von Amnesty Spanien für Menschenrechtsverteidiger in Kolumbien, Oktober 2009

Der kolumbianische Gewerkschaftsführer Héctor Sánchez hat am 16. Juli eine Morddrohung erhalten. Bei einem anderen Vorfall wurden Informationen einer NGO in der Hauptstadt Bogotá gestohlen. Sowohl Héctor Sánchez als auch VertreterInnen der NGO hatten an einem Treffen zur Vorbereitung einer Anhörung über Menschenrechts-verstöße im Zusammenhang mit Projekten der Erdölindustrie teilgenommen.

Appell an:

PRÄSIDENT
Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República de Colombia
Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26
Bogotá D. C.
KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos /
Dear President Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

INNENMINISTER
Señor Fernando Carillo Flórez
Ministro del Interior
Calle 12B No 8-46, Primer Piso
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado. Sr. Ministro / Dear Minister/ Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 283 9876

GENERALSTAATSANWALT
Eduardo Montealegre
Fiscalia General de la Nación
Diagonal 22B No. 52-01 (Ciudad Salitre)
Bloque C Piso 4 Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Fiscal General / Dear Attorney General/ Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 57) 1 570 2000 (Bei automatisierter Ansage bitte 2023 wählen)

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030 26 39 61 25
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. September 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine große Sorge um die Sicherheit von Héctor Sánchez und seiner Familie sowie anderen USO-Mitgliedern und der Personen, die an dem Scheinprozess teilnehmen wollen, zum Ausdruck bringen.

  • Ich bitte Sie, in Absprache mit den Betroffenen geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

  • Bitte setzen Sie sich dafür ein, eine umfassende und unparteiische Untersuchung zu den Morddrohungen gegen Héctor Sánchez, seine Familie und den Diebstahl im Büro von REDHER einzuleiten. Sorgen Sie bitte dafür, dass die Ergebnisse dieser Untersuchung anschließend veröffentlicht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern for the safety of Héctor Sánchez and his family, and other members of USO and those taking part in the mock trial.

  • Demanding that the authorities provide protection for those threatened, as agreed with those in danger.

Calling on them to order a full and impartial investigation into the death threat against Héctor Sánchez and his family and the theft at the office of REDHER, publish the results and bring those responsible to justice.

Sachlage

Eine Morddrohung, die aus ausgeschnittenen Buchstaben einer Zeitung zusammengestellt war, ist am 16. Juli im Haus des Gewerkschaftsführers Héctor Sánchez gefunden worden. Héctor Sánchez ist Mitglied der Ölarbeitergewerkschaft „Union Sindical Obrera de la Industria del Petróleo“ (USO) in der Stadt Puerto Gaitan in der Zentralregion des Departamento Meta. In der Morddrohung hieß es:„Unser Beileid zum Verlust deiner Frau und deines Sohnes, lass [deinen Sohn] nicht ohne Vater und mach deine Frau nicht zur Witwe oder werde nicht zum Witwer“ (nuestro sentido pesame por la perdida de tu esposa y hijo no dejes [a tu hijo] sin padre y viuda o no te quedes viudo). Héctor Sánchez hatte Treffen für eine „Erdöl-Anhörung“ (Audiencia Petrolera) organisiert. An einem der Treffen, die am 13. und 14. Juli stattfanden, hatte er als Zeuge teilgenommen. Dabei sprachen GewerkschafterInnen, Indigene und Angehörige kleinbäuerlicher Gemeinschaften über Menschenrechtsverstöße im Zusammenhang mit Aktivitäten der Rohstoffindustrie. Diesem Treffen soll im August ein Scheinprozess gegen Erdölfirmen folgen.

Am 20. Juli wurden aus dem Büro der NGO „Red de Hermandad y Solidaridad con Colombia“ (REDHER) in Bogotá Laptops und Computer sowie Audio- und Videoaufnahmen gestohlen. Geld, das sich in einer Schublade befand, die ebenfalls durchsucht worden ist, wurde jedoch nicht entwendet. REDHER hatte die Anhörung und die Situation in Puerto Gaitan dokumentiert und unterstützt gemeinsam mit anderen Organisationen die Vorbereitungen für den Scheinprozess. Zur gleichen Zeit sind die Internetseiten von REDHER und anderen Organisationen, die das Verfahren unterstützen, wie das Solidaritätskomitee für politische Gefangene (Comité de Solidaridad con los Presos Políticos – CSPP), gehackt worden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

RegierungsbeamtInnen, Sicherheitskräfte und Paramilitärs bezeichnen Mitglieder von Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und anderen gesellschaftlichen Organisationen häufig als KollaborateurInnen oder UnterstützerInnen von Guerillagruppen. In der Folge werden MenschenrechtsaktivistInnen häufig bedroht oder angegriffen. Auch Guerillagruppen haben schon mehrere Personen bedroht oder getötet, wenn sie der Ansicht waren, diese würden mit ihren GegnerInnen zusammenarbeiten.

Kolumbien hat eine der höchsten Mordraten an GewerkschafterInnen. Gewerkschaftsmitglieder werden im Zusammenhang mit Arbeitskämpfen und dem Einsatz für verbesserte Arbeitsbedingungen immer wieder mit dem Tod bedroht oder gar getötet.

USO-GewerkschafterInnen werden oft bedroht und fallen dem Verschwindenlassen durch paramilitärische Einheiten, die manchmal mit den Sicherheitskräften zusammenarbeiten, zum Opfer. Darüberhinaus sind sie immer wieder außergerichtlichen Hinrichtungen ausgesetzt. USO-Mitglied Milton Parra wurde am 11. Dezember 2012 in Puerto Gaitan im Departamento Meta getötet. Er hatte am Tag seiner Tötung eine Morddrohung erhalten, die auf seine Führungsposition in der Gewerkschaft Bezug nahm.