Zwei Inder verschleppt

Sanna Sikaka, Sprecher der indigenen Dongria Kondh, Orissa 2009

Sanna Sikaka, Sprecher der indigenen Dongria Kondh, Orissa 2009

Zwei Sprecher der indigenen Gemeinschaften der Dongria Kondh, die sich gegen eine geplante Bauxitmine in den Niyamgiri-Bergen im ostindischen Bundesstaat Orissa wehren, sind am 9. August von unbekannten bewaffneten Männern entführt worden. Die Behörden haben bislang keine Ermittlungen aufgenommen.

Appell an:

MINISTERPRÄSIDENT VON ORISSA
Naveen Patnaik
Chief Minister of Orissa
State Secretariat
Sachivalaya Marg,
Bhubaneshwar,
Orissa 750 001
INDIEN
(korrekte Anrede: Dear Chief Minister)
Fax: (0091) 674 2390562
E-Mail: cmo@nic.in oder cmo@ori.nic.in

INNENMINISTER
P Chidambaram
Government of India
104, North Block
New Delhi 110 001
INDIEN
(korrekte Anrede: Dear Home Minister)
Fax: (0091) 11 2309 4221
E-Mail hm@nic.in

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK INDIEN
S.E. Herrn Sudhir Vyas
Tiergartenstr. 17
10785 Berlin
Fax: 030-2579 5102
E-Mail: dcm@indianembassy.de oder ambassador@indianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hindi, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. September 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin über die Entführung der zwei Dongria Kondh-Sprecher Lado Sikaka und Sana Sikaka in großer Sorge und fordere die Regierungen von Orissa und Indien auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um ihre sichere Rückkehr zu gewährleisten.

  • Desweiteren appelliere ich an Sie, eine Untersuchung zu der Entführungsanzeige der beiden Sprecher durchzuführen. Diese muss den Verpflichtungen des Landes entsprechen, welche ihm aus den internationalen Menschenrechtsabkommen erwachsen.

Sachlage

Amnesty International sind Berichte zugegangen, dass die beiden Indigenensprecher Lado Sikaka und Sana Sikaka von einer ganzen Reihe bewaffneter Männer verschleppt wurden. Die Entführer kamen am Abend des 9. August in zwei Fahrzeugen nach Izrupa am Fuße der Niyamgiri-Berge und trugen Automatikwaffen.
Die beiden Sprechen aus Lakpaddar und einem benachbarten Dorf in den Niyamgiri-Bergen waren zusammen mit anderen Aktivist_innen auf dem Weg zu einem Zug nach Delhi, um gegen den geplanten Bauxitabbau zu protestieren. Die Unternehmen Orissa Mining Corporation und Sterlite Industries India, eine Tochterfirma der in Großbritannien ansässigen Vedanta Resources, würden die Mine betreiben.

Amnesty Internationals Nachforschungen deuten darauf hin, dass die geplante Niyamgiri-Bauxitmine, die an heiligen Orten der Dongria Kondh sowie ihren traditionellen Nutzflächen und ihrem Lebensraum liegen würde, wahrscheinlich die Rechte auf Wasser, Nahrung, Gesundheit, Arbeit sowie andere Rechte zum Schutz ihrer kulturellen Identität verletzen. Das Vorhaben liegt zurzeit dem indischen Umwelt- und Forstministerium zur Genehmigung vor.

Ein Anwalt, der die Entführung miterlebte, setzte Amnesty International darüber in Kenntnis, dass die Oriya und Telugu sprechenden Bewaffneten mit den beiden Männern davongefahren waren. Später erstattete er Anzeige bei der Polizei in Lanjigarh am Fuße der Niyamgiri-Berge. Soweit Amnesty International bekannt ist, wurden bislang jedoch keine Ermittlungen aufgenommen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Juli 2010 machten Angehörige der Gemeinschaft der Dongria Kondh, darunter auch die beiden verschleppten Gemeinschaftssprecher, Zeugenaussagen vor Mitgliedern eines vierköpfigen Expertenausschusses. Der Ausschuss war vom Umweltministerium eingesetzt worden, um die Entscheidung der kommunalen Behörden zu prüfen, den Anspruch der Dongria Kondh auf gemeinsame Ressourcen in Niyamgiri zurückzuweisen. Die Dorfbewohner_innen machten ihre Aussagen, obwohl sie von privaten Milizionären bedroht worden waren, die gemeinsam mit Angehörigen der Polzei Orissa und der Zentralen Reservepolizei, die an Operationen gegen Guerillas der verbotenen Kommunistischen Partei Indiens (maoistisch) beteiligt sind, Lakpaddar besuchten.

Für nähere Informationen siehe Don’t Mine us out of Existence: Bauxite Mine and Refinery Devastate Lives in India, AI Index: ASA 20/001/2010, Februar 2010, Kapitel 1 und 3; India: Seek free, prior and informed consent of Dongria Kondh on the NIyamgiri bauxite mine project, AI Index: ASA 20/019/2010, 9. August 2010.