4000 Familien droht Zwangsräumung
Am 10. Juni trafen in der Ortschaft Govindpur im Bezirk Jagatsinghpur in Orissa Polizeikräfte ein, um ortsansässige Kleinbauernfamilien von Gemeindeland zu vertreiben. Nach mehreren Stunden massiver, aber friedlicher Proteste der DorfbewohnerInnen zog sich die Polizei zurück, drohte allerdings an, schon bald zurückzukehren, um die Zwangsräumungen fortzusetzen.
Appell an
MINISTERPRÄSIDENT
Manmohan Singh
Prime Minister’s Office
152, South Block,
New Delhi 110 001
INDIEN
(korrekte Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: manmohan@sansad.nic.in
Sende eine Kopie an
MINSTERPRÄSIDENT DES BUNDESSTAATES ORISSA
Naveen Patnaik
Naveen Nivas
Aerodrome Road
Bhubaneswar 751001
INDIEN
(korrekte Anrede: Dear Chief Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: cmo@ori.nic.in
BOTSCHAFT DER REPUBLIK INDIEN
S.E. Herrn Sudhir Vyas
Tiergartenstr. 17
10785 Berlin
Fax: 030-2579 5102
E-Mail: dcm@indianembassy.de Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hindi, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich fordere Sie auf, im Bezirk Jagatsinghpur keine weiteren rechtswidrigen Zwangsräumungen vorzunehmen. Sollten Räumungen unumgänglich sein, dürfen sie nicht gegen internationale Menschenrechtsstandards verstoßen. Es müssen im Vorfeld ergebnisoffene Konsultationen über mögliche Alternativen stattfinden. Rechtsstaatliche Verfahren müssen eingehalten, angemessene Entschädigungsleistungen vereinbart und den Familien Ersatzanbauflächen bereit gestellt werden.
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Ich erwarte, dass von Zwangsräumung betroffene Familien Zugang zu wirksamem Rechtsschutz erhalten.
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Bitte ergreifen Sie in Konsultation mit den betroffenen Gemeinden die notwendigen Maßnahmen, um eine Abschätzung der Folgen des Projekts auf Menschenrechte und Umwelt vornehmen zu können.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass vor Aufnahme der Arbeiten an dem Projekt die genannten Maßnahmen ergriffen und die Rechte der betroffenen Menschen geschützt werden.
Sachlage
Etwa 4.000 Familien aus vier Dörfern des Bezirks Jagatsinghpur in Orissa sind bedroht, von Gemeindeland, das sie landwirtschaftlich nutzen, vertrieben zu werden. Die Bauern und ihre Familien sind auf dieses Land angewiesen, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen. Einige von ihnen wohnen auch dort.
Am 10. Juni trafen 1.000 teils bewaffnete Angehörige der Polizei in Kampfausrüstung in der Ortschaft Govindpur im Bezirk Jagatsinghpur in Orissa ein, um mit den Zwangsräumungen zu beginnen. Rund 2.000 Demonstrierende protestierten friedlich gegen die PolizeibeamtInnen, was über eine Dauer von vier Stunden für Spannungen sorgte. Aufgrund der nachmittäglichen Hitze wurden fünf Demonstrierende (zwei Frauen und drei Kinder) und zwei Angehörige der Polizei ohnmächtig, woraufhin sich die Polizeikräfte mit der Drohung, die Zwangsräumungen in naher Zukunft fortzuführen, für den Rest des Tages zurückzogen.
Am 18. Mai vertrieben rund 150 zum Teil bewaffnete Angehörige der Polizei in Kampfausrüstung in den Ortschaften Polong und Noliasahi mindestens 200 Bauern, vernichteten Betelpfefferpflanzen (indische Pflanzen, deren Blätter in Indien häufig gekaut werden) und rissen auf Gemeindeland befindliche Lagerschuppen nieder.
Die Behörden von Orissa führen derzeit in fünf Ortschaften des Bundesstaats Zwangsräumungen durch. Ziel dieser Maßnahmen ist es, eine Fläche Landes von 1600 Hektar, das sich bislang überwiegend in Gemeindebesitz befindet, für den Bau eines Stahlwerks nutzbar zu machen. Der südkoreanische Stahlgigant POSCO veranschlagt für die Errichtung der Anlage eine Investitionssumme von 12 Mrd. US-Dollar. In dieser Größenordnung hat bislang noch kein ausländischer Investor für ein konkretes Projekt in Indien Kapital aufgebracht. Die Behörden haben weder vorherige Rücksprache mit den betroffenen Gemeinschaften oder der Gemeindevertretung gehalten noch wurden die betroffenen Bauern über die Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Die Behörden argumentierten, es bestehe keine Notwendigkeit, die anderweitige Nutzung von Gemeindeland vorher anzukündigen, da es sich um Land handle, das ohnehin der Regierung gehöre. Sie erklärten weiterhin, dass betroffenen Bauern für die durch die Zwangsräumung verursachten Ernteausfälle das Recht auf eine maximale Entschädigung eingeräumt würde. Bisher sind die Familien jedoch noch nicht entschädigt worden.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich fordere Sie auf, im Bezirk Jagatsinghpur keine weiteren rechtswidrigen Zwangsräumungen vorzunehmen. Sollten Räumungen unumgänglich sein, dürfen sie nicht gegen internationale Menschenrechtsstandards verstoßen. Es müssen im Vorfeld ergebnisoffene Konsultationen über mögliche Alternativen stattfinden. Rechtsstaatliche Verfahren müssen eingehalten, angemessene Entschädigungsleistungen vereinbart und den Familien Ersatzanbauflächen bereit gestellt werden.
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Ich erwarte, dass von Zwangsräumung betroffene Familien Zugang zu wirksamem Rechtsschutz erhalten.
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Bitte ergreifen Sie in Konsultation mit den betroffenen Gemeinden die notwendigen Maßnahmen, um eine Abschätzung der Folgen des Projekts auf Menschenrechte und Umwelt vornehmen zu können.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass vor Aufnahme der Arbeiten an dem Projekt die genannten Maßnahmen ergriffen und die Rechte der betroffenen Menschen geschützt werden.
[APPELLE AN]
MINISTERPRÄSIDENT
Manmohan Singh
Prime Minister’s Office
152, South Block,
New Delhi 110 001
INDIEN
(korrekte Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: manmohan@sansad.nic.in
KOPIEN AN
MINSTERPRÄSIDENT DES BUNDESSTAATES ORISSA
Naveen Patnaik
Naveen Nivas
Aerodrome Road
Bhubaneswar 751001
INDIEN
(korrekte Anrede: Dear Chief Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: cmo@ori.nic.in
BOTSCHAFT DER REPUBLIK INDIEN
S.E. Herrn Sudhir Vyas
Tiergartenstr. 17
10785 Berlin
Fax: 030-2579 5102
E-Mail: dcm@indianembassy.de Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hindi, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
"Die Behörden setzen die Zwangsräumungen mit vorgehaltener Waffe fort. In den frühen Morgenstunden des 18. Mai drangen 150 Polizeiangehörige in das Dorf Polonga ein und begannen damit, die Betelpfefferpflanzen im Gemeindewald zu zerstören, von deren Erträgen mindestens 200 Bauern abhängig sind. Sie wollen an der Küstenregion von Orissa für das größte ausländische Investitionsprojekt in Indien mindestens 1.600 Hektar Land übernehmen, zum Großteil Gemeindeländereien. Damit setzen sie sich über unsere rechtmäßigen Ansprüche hinweg", sagt Abhay Sahoo, Vorsitzender der Organisation, die sich gegen das Projekt des südkoreanischen Stahlunternehmens POSCO wendet.
Auf der Grundlage des indischen Gesetzes über Waldnutzungsrechte (Forest Rights Act) von 2008 ist Gemeindeland Dorfeigentum, das von den örtlichen Behörden verwaltet wird und von den örtlichen Gemeinschaften genutzt werden kann. Einige örtliche Gemeinschaften haben auf der Grundlage dieses Gesetzes Nutzungsansprüche auf Gemeindeland geltend gemacht. Die einzige Konsultation der Öffentlichkeit erfolgte im August 2007, als das Gesetz noch nicht in Kraft getreten war.
Anfang 2011 kamen die Behörden von Orissa den Forderungen örtlicher Gemeinden nach Anerkennung ihrer Ansprüche nicht nach, obwohl zwei vom indischen Umweltministerium in Auftrag gegebene Untersuchungen vorlagen, in denen Bedenken gegen die Bestrebungen der Behörden geäußert wurden, Gemeindeland zu übernehmen. Die Untersuchungen waren außerdem zu dem Schluss gekommen, dass das geplante Stahlprojekt gegen Umwelt- und Küstenschutzgesetze Indiens verstößt und dass die potentiellen negativen Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der Bevölkerung nicht ausreichend geprüft worden waren. Trotz dieser Untersuchungsergebnisse akzeptierten die Zentralbehörden die Erklärung der Behörden von Orissa, dass keine der in der Region lebenden Gemeinschaften Ansprüche auf Gemeindeland habe.
Seit Juni 2005 protestieren die örtlichen Gemeinschaften im Bezirk Jagatsinghpur gegen ihre mögliche Vertreibung und vom POSCO-Projekt ausgehenden Gefahren für ihre Lebensgrundlage. Protestierende haben in der Region Barrikaden errichtet und BehördenvertreterInnen daran gehindert, in die betroffenen Dörfer zu kommen. Im Juni 2008 wurde Dula Mandal, ein Protestteilnehmer, bei Zusammenstößen zwischen GegnerInnen und BefürworterInnen des Projekts durch eine Bombe getötet. Und im Mai 2010 erlitten mindestens 20 Protestierende Schussverletzungen, als die Polizei mit exzessiver Gewalt gegen sie vorging.
Das Projekt des Stahlunternehmens POSCO soll fortgesetzt werden, sobald die Behörden das benötigte Gelände in Besitz genommen haben.