Flüchtlinge aufnehmen!

Fordern Sie gemeinsam mit Amnesty International die Regierungen von Usbekistan, Kasachstan und Tadschikistan auf, ihre Grenzen für jene zu öffnen, die sich vor der Gewalt im südlichen Kirgisistan auf der Flucht befinden, und sicherzustellen, dass die Flüchtlinge Schutz und humanitäre Hilfe erhalten.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT VON USBEKISTAN
Islam Karimov
Presidential Residence
Ul. Uzbekistanskaya 43
Tashkent, USBEKISTAN
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax: (00 998) 71 139 55 25
E-Mail: presidents_office@press-service.uz

STAATSPRÄSIDENT VON KASACHSTAN
Nursultan Nazarbayev
Ul. Levoberezhe
Astana 010000, KASACHSTAN
(korrekte Anrede: Dear President)
E-Mail: sitePRK@global.kz

STAATSPRÄSIDENT VON TADSCHIKISTAN
Emomali Rakhmon
Dom Pravitelstva
pr. Rudaki 80
734023 Dushanbe; TADSCHIKISTAN
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax: (00 992) 372 2273802
(GMT + 6 Stunden; Fax nur während der Bürozeiten )

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER REPUBLIK USBEKISTAN
S.E. Herrn Bakhtiyar Gulyamov
Perleberger Str. 62
10559 Berlin
Fax: 030-3940 9862
E-Mail: botschaft@uzbekistan.de

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KASACHSTAN
S.E. Herrn Nurlan Onzhanov
Nordendstraße 14/17
13156 Berlin
Fax: 030-4700 7-125
E-Mail: kasger@ndh.net

BOTSCHAFT DER REPUBLIK TADSCHIKISTAN
S.E. Herrn Imomudin Sattorov
Otto-Suhr-Allee 84
10585 Berlin
Fax: 030-3479 3029

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Kirgisisch, Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. August 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die Behörden von Usbekistan, Kasachstan und Tadschikistan auf, umgehend ihre Grenzen für jeden zu öffnen, der vor der Gewalt in Kirgisistan flieht.

  • Fordern Sie die drei Länder auf, mit den UN-Behörden und internationalen Institutionen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Flüchtlinge aus Kirgisistan gemäß internationalen Menschenrechtsstandards Schutz und ungehinderten und bedingungslosen Zugang zu umgehender Hilfe erhalten, auch jene, die noch auf Einreise warten.

  • Dringen Sie darauf, dass sie mit den UN-Behörden und internationalen Institutionen zusammenarbeiten, um die Versorgung mit humanitärer Hilfe, dazu gehören Unterkunft, Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung zu ermöglichen und zu gewährleisten, und dem UNHCR genehmigen, die Flüchtlinge zu registrieren.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities of Uzbekistan, Kazakhstan and Tajikistan to immediately open their borders to all those fleeing the violence in Kyrgyzstan;

  • Urging them to cooperate with UN agencies and international bodies to ensure the protection of refugees and provide unhindered and unconditional access to immediate assistance to all those fleeing Kyrgyzstan, including those still waiting to leave, in accordance with international human rights standards;

  • Urging them to cooperate with UN agencies and international bodies to ensure and facilitate the provision of humanitarian aid, including shelter, food, water and medical assistance, and to permit the UNHCR to take over the registration of refugees.

Sachlage

Schätzungsweise 400.000 Menschen befinden sich aufgrund der gewalttätigen Ausschreitungen, die am 10. Juni im Süden von Kirgisistan begannen und bei denen Hunderte ums Leben kamen und Tausende verletzt wurden, auf der Flucht. Die Unruhen haben während der vergangenen Tage abgenommen. Die Situation bleibt jedoch trotz Erklärungen der Übergangsregierung, Sicherheitskräfte hätten die Kontrolle wiedererlangt, äußerst instabil.

Tausende von Menschen, überwiegend Frauen, Kinder und ältere Menschen, haben sich an die Grenze zu Usbekistan geflüchtet, in der Hoffnung, diese zu überqueren oder in der Annahme, dass die Nähe zu bewaffneten usbekischen Grenzsoldaten ihnen etwas Schutz vor Brandstiftung, Schlägen, Schießereien und Tötungen durch Gruppen bewaffneter Männer gewährt. Internationale Hilfsorganisationen haben am Freitag, 18. Juni, damit begonnen, Wasser und Mehl an die Vertriebenen entlang der Grenze zu verteilen. Die humanitäre Hilfe erreicht jedoch weiterhin nur in begrenztem Maß die betroffenen Regionen im Süden des Landes. Augenzeug_innen berichten, dass die Bedingungen hart sind. Es bestehe Sorge um die Sicherheit sowie die körperliche und geistige Gesundheit der Menschen entlang der kirgisischen Seite der Grenze.

Etwa 100.000 Menschen, größtenteils Usbek_innen, sind bereits nach Usbekistan geflüchtet. Am 14. Juni ordnete Usbekistan jedoch an, seine Grenzen zu schließen. Berichten zufolge wird einigen Flüchtlingen gelegentlich unter bestimmten Bedingungen, wenn sie zum Beispiel Usbek_innen oder Bewohner_innen von Osch oder Dschalal-Abad sind, die Einreise gestattet. Am 18. Juni schloss Kasachstan seine Grenzen für alle Usbek_innen aus Kirgisistan.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Ausschreitungen mit zahlreichen Todesfällen, die große Teile des südlichen Kirgisistan erschüttert haben, sollen am 10. Juni mit Zusammenstößen zwischen rivalisierenden Gruppen größtenteils kirgisischer und usbekischer Jugendlicher begonnen haben. Diese weiteten sich schnell zu groß angelegten Brandstiftungen, Plünderungen und gewaltsamen Übergriffen in hauptsächlich von Usbek_innen bewohnten Stadteilen von Osch aus. Bei diesen Angriffen wurden Menschen getötet. Die Gewalt griff anschließend auf die Stadt Dschalal-Abad und die umliegenden Städte und Dörfer über. Im südlichen Kirgisistan lebt eine große usbekische Gemeinde. Außerdem befand sich dort die Zentrale der Macht des ehemaligen Präsidenten Kurmanbek Bakiev, der im April nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Regierungs- und Oppositionsanhänger_innen gestürzt worden war.

Der Grund für die Zusammenstöße ist unbekannt. Die Übergangsregierung macht jedoch die Anhänger_innen des früheren Präsidenten Kurmanbek Bakiev und organisierte kriminelle Gruppen für die Gewalt verantwortlich. Sie wirft ihnen vor, die Situation im Land vor dem Referendum über eine neue Verfassung am 27. Juni bewusst zu destabilisieren. Parlamentswahlen sind für Oktober angesetzt. Am 15. Juni erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, dass die Gewalttätigkeiten "inszeniert, gezielt und wohldurchdacht" schienen und mit fünf zeitgleichen Angriffen von bewaffneten und maskierten Männern in Osch begonnen hätten.

Unbestätigten Zahlen zufolge sind seit dem 10. Juni mehr als 2500 Menschen in Osch und Dschalal-Abad getötet worden. Die Übergangspräsidentin Roza Otunbaeva sagte am 18. Juni, dass die Zahl der Todesopfer wahrscheinlich zehnmal höher läge als die offiziellen Zahlen, laut denen sich die Zahl der Toten auf 190 beläuft. Unzählige Wohnhäuser, öffentliche und andere Gebäude, vor allem in den von Usbek_innen bewohnten Vierteln der Städte Osch und Dschalal-Abad und in Städten und Dörfern der Region, in der viele Usbek_innen leben, wurden zerstört.