Ohne Kontakt zur Außenwelt

Landkarte von Tschad

Tschad

Drei tschadische Aktivisten sind von Angehörigen der Nationalen Sicherheitsbehörde in N‘Djamena festgenommen worden. Nadjo Kaina Palmer, Bertrand Sollo und Dingamnayal Nely Versinis werden ohne Kontakt zur Außenwelt an einem geheimen Ort festgehalten. Sie sind gewaltlose politische Gefangene.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE -ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie nachdrücklich auf, umgehend das Schicksal und den Verbleib von Nadjo Kaina Palmer, Bertrand Sollo und Dingamnayal Nely Versinis bekannt zu geben.

  • Bitten lassen Sie die drei umgehend und bedingungslos frei, da sie gewaltlose politische Gefangene sind, die lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung festgenommen und inhaftiert wurden.

  • Stellen Sie bitte auch sicher, dass die drei bis zu ihrer Freilassung weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt werden und regelmäßigen Zugang zu ihren Rechtsbeiständen, ihren Familien und jedweder Grundversorgung erhalten.

  • Bitte beenden Sie alle Formen von Einschüchterung und Schikane, insbesondere durch die Nationale Sicherheitsbehörde ANS gegen alle Menschenrechtsverteidiger_innen und -aktivist_innen im Tschad.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling upon the Chadian authorities to immediately disclose their fate and whereabouts;

  • Urging the authorities to immediately and unconditionally release Nadjo Kaina, Bertrand Sollo and Dingamnayal Nely Versinis, as they are prisoners of conscience arrested and detained solely for peacefully exercising their right to freedom of expression;

  • Urging them to ensure, pending their release, that Nadjo Kaina, Bertrand Sollo and Dingamnayal Nely Versinis are not subjected to torture and other ill-treatment and are allowed regular access to their lawyers, to family visits and to all basic necessities;

  • Urging the authorities to end all forms of intimidation and harassment, in particular by the National Security Agency (ANS), against all other human rights activists and defenders in Chad.

Sachlage

Am 6. April gegen 18 Uhr wurde Nadjo Kaina Palmer, Sprecher der Bürgerbewegung IYINA (im örtlichen Arabisch bedeutet das: ‚Wir sind es leid‘) festgenommen, als er bei der Nationalen Sicherheitsbehörde (Agence nationale de la sécurité - ANS) in N‘Djamena war. Nadjo Kaina Palmer hatte wegen der für den 10. April geplanten Demonstration gegen Korruption und Straflosigkeit eine Vorladung vom Direktor der Behörde erhalten. Die Behörden weigern sich, trotz wiederholter Anfragen seiner Familie und seines Rechtsbeistands seinen Verbleib bekannt zu geben. Seit seiner Festnahme fehlt von ihm jede Spur.

Nadjo Kaina Palmers Rechtsbeistand berichtete der Staatsanwaltschaft über den Fall und erhielt die Rückmeldung, dass keine Informationen über ihn verfügbar seien. Am 15. April wurde Bertrand Sollo, der Französischsprachige Nationale Berichterstatter der IYINA, von Angehörigen der ANS auf seinem Weg zu einem Interview mit einer Journalistin festgenommen. Amnesty International hält es für möglich, dass beide dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind.

Am 12. April wurde ein weiterer Aktivist, Dingamnayal Nely Versinis, Vorstand des Kollektivs gegen hohe Lebenskosten (Collectif Tchadien Contre la Vie Chère) von Angehörigen der ANS im Rathaus von N‘Djamena festgenommen, nachdem er dorthin vorgeladen worden war. Dingamnayal Nely Versinis‘ Festnahme fand vor seinem Streikaufruf an die Händler_innen des Markts Marché du Mil in N‘Djamena statt, um gegen die Erhöhung der Marktstandmieten zu protestieren. Er ist bislang keiner Straftat angeklagt worden und sein Verbleib ist nicht bekannt. Seit seiner Festnahme hatte weder sein Rechtsbeistand noch seine Familie Zugang zu ihm.

Appell an:

Sicherheitsminister Ahmat Mahamat Bachir
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister) E-Mail: bachiram62@gmail.com oder abdeldjelilali9@gmail.com

JUSTIZMINISTER Ahmat Mahamat Hassan (Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister) E-Mail: ahmatconseiller@yahoo.fr, angarboa@gmail.com, coofoui@yahoo.fr, droittchad@yahoo.fr

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK TSCHAD S.E. Herrn Abdoulaye Senoussi Mahamat Lepsiusstraße 114 12165 Berlin Fax: 030-3199 16220 E-Mail: contact@ambatchadberlin.com

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 31. Mai 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Amnesty International betrachtet Nadjo Kaina Palmer, Bertrand Sollo und Dingamnayal Nely Versinis als gewaltlose politische Gefangene, die lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert sind.

Am 3. April rief Nadjo Kaina Palmer bei einer Pressekonferenz die tschadsche Bevölkerung dazu auf, zum Jahrestag der Präsidentschaftswahl 2016 am 10. April den „IYINA-Tag“ abzuhalten. Sie wurden dazu aufgefordert, sich rot zu kleiden oder einen roten Schal um den Kopf zu tragen, um ihre Unzufriedenheit mit dem Missmanagement der Regierung zum Ausdruck zu bringen und „Nein zu schlechter Regierungsführung, Straflosigkeit und Erniedrigung zu sagen“.

Vor den Präsidentschaftswahlen im April 2016 versuchte die Regierung mehrmals, kritische Stimmen zu unterdrücken. Am 19. März 2016 verkündete der Minister für Öffentliche Sicherheit und Migration, Ahmat Mahamat Bashir, dass aus Sicherheitsgründen alle öffentlichen Demonstrationen, die nicht Teil der Wahlkampagne waren, verboten seien.

Zwischen dem 21. und dem 23. März 2016 wurden die vier Menschenrechtsverteidiger Mahamat Nour Ibedou und Younous Mahadjir, beide Sprecher der Plattform zivilgesellschaftlicher Organisationen Ça suffit sowie Nadjo Kaina Palmer, Koordinator der Jugendbewegung “IYINA” und Celine Narmadji, Sprecherin der zivilgesellschaftlichen Bewegung Trop c’est trop ! festgenommen, weil sie friedliche Demonstrationen gegen Präsident Idriss Debys Aufstellung zur Wiederwahl vorbereiteten. Sie wurden im Hauptquartier der Gerichtspolizei inhaftiert, bis man sie am 24. April in das Amsinene-Gefängnis verlegte. Das Gericht befand sie der „Aufwiegelung zu einer unbewaffneten Versammlung“ für schuldig und verurteilte sie am 14. April zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung. Zudem wurde ihnen untersagt, sich für „subversive Aktivitäten zu engagieren“.

Die Aktivist_innen waren von der Staatsanwaltschaft vorgeladen worden, um Fragen bezüglich zwei friedlicher Demonstrationen zu beantworten, die sie für den 22. und 29. März geplant hatten, um damit gegen Präsident Idriss Debys Aufstellung für eine fünfte Amtszeit zu protestieren.

Am 30. März wollten zivilgesellschaftliche Organisationen eine friedliche Demonstration anmelden, um die Freilassung der vier Aktivist_innen zu fordern. Doch das Ministerium für Öffentliche Sicherheit und Migration untersagte die Demonstration.