Festnahmewelle
Ergebnis dieser Urgent Action
Mehrere hundert im Zuge von Protesten festgenommene Menschen sind aus der Haft entlassen worden. Viele erhielten ihre Freiheit zurück, nachdem Präsident Bashar al-Assad am 31. Mai 2011 eine "Generalamnestie" verkündet hatte. Es finden jedoch täglich neue Festnahmen statt. So befinden sich in Syrien noch immer mehrere hundert Menschen ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft. Ihnen drohen Folter und andere Misshandlungen.
Als Folge der fortschreitenden Proteste und der jüngsten Festnahmewelle werden Hunderte Menschen in ganz Syrien an unbekannten Orten ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft vermutet. Ihnen drohen Folter und andere Misshandlungen. Mehrere hundert andere Personen, die im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen worden waren, sind in den vergangenen Wochen freigelassen worden.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
INNENMINISTER
Major General Mohamed Ibrahim al-Sha’aar
Ministry of Interior,
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 222 3428
Sende eine Kopie an
AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de oder press@syrianembassy.de oder secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. Juni 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich möchte meine Sorge darüber ausdrücken, dass Hunderte Gefangene, deren Aufenthaltsort nicht bekannt ist, im Zusammenhang mit den Protesten inhaftiert wurden. Des weiteren bin ich sehr besorgt über die Berichte von Folter und Misshandlungen in Hafteinrichtungen.
-
Bitte lassen Sie unverzüglich und bedingungslos alle Gefangenen frei, die ausschließlich aufgrund der friedlichen Ausübung ihrer Rechte auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit inhaftiert wurden.
- Stellen Sie sicher, dass die Aufenthaltsorte der Häftlinge bekannt gegeben werden und man sie weder foltert noch in anderer Weise misshandelt. Gewähren Sie ihnen zudem umgehend Zugang zu ihren Familien, Rechtsbeiständen ihrer Wahl und, falls nötig, medizinischer Behandlung.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Expressing concern about the detention at unknown locations of hundreds of people in relation to popular protests, and the reported torture or other ill-treatment of some of those detained.
-
Calling for the immediate and unconditional release of all those detained for peacefully exercising their rights to freedom of expression and association.
- Seeking clarification as to the whereabouts of all those detained and urging the Syrian authorities to ensure that all are protected from torture and other ill-treatment while held, and are granted immediate access to their families, lawyers of their choosing and any medical treatment they may need.
Sachlage
Zu den im April freigelassenen Personen gehören Bara’ah Kalziyeh, Mohammed Mounir al-Faqir, Mohammed Darwich, Khaled Sid Mohand, Nawras 'Awdat Allah und Qasem 'Abd al-Latif. Die Sorge um die Sicherheit von Hunderten Inhaftierten, die keinen Kontakt zur Außenwelt haben, steigt jedoch, da die Freigelassenen über Folter und Misshandlung in Gewahrsam berichten. Unter den Gefangenen, die Amnesty International bekannt sind, befinden sich vor allem folgende Personen in einer Besorgnis erregenden Lage:
Mohammed Hasan al-Labwani, der an einem Hirntumor leidet, wurde am 2. Mai im Rahmen einer umfassenden Razzia festgenommen, die in der nahe Damaskus gelegenen Stadt al-Zabadani durchgeführt wurde. Gefangene, die sich mit ihm in Haft befanden und am 4. Mai freigelassen wurden, berichten, er sei gefoltert worden. Mohammed Hasan al-Labwani ist der Schwager des gewaltlosen politischen Gefangenen Kamal al-Labwani.
Hassan 'Abd al-'Adhim und Omar Qashaash, die sich beide politisch engagieren, wurden am 28. bzw. 30. April festgenommen. Der Grund für die Festnahmen waren vermutlich ihre Äußerungen gegenüber den Medien, in denen sie die Proteste befürworteten. Hassan 'Abd al-'Adhim ist Rechtsanwalt und Generalsekretär der Demokratischen Arabischen Sozialistischen Union (DASU) in Syrien.
Sicherheitskräfte nahmen ihn in seinem Büro in Damaskus fest. Berichten zufolge leidet er an Diabetes und muss regelmäßig Medikamente einnehmen. Omar Qashaash wurde in Aleppo festgenommen. Er ist führendes Mitglied der Syrischen Demokratischen Volkspartei und engagierte sich lange Zeit für die DASU. Amnesty International ist nicht bekannt, ob die drei Männer Zugang zu Medikamenten, ärztlicher Betreuung und angemessener Kost haben.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte meine Sorge darüber ausdrücken, dass Hunderte Gefangene, deren Aufenthaltsort nicht bekannt ist, im Zusammenhang mit den Protesten inhaftiert wurden. Des weiteren bin ich sehr besorgt über die Berichte von Folter und Misshandlungen in Hafteinrichtungen.
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Bitte lassen Sie unverzüglich und bedingungslos alle Gefangenen frei, die ausschließlich aufgrund der friedlichen Ausübung ihrer Rechte auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit inhaftiert wurden.
- Stellen Sie sicher, dass die Aufenthaltsorte der Häftlinge bekannt gegeben werden und man sie weder foltert noch in anderer Weise misshandelt. Gewähren Sie ihnen zudem umgehend Zugang zu ihren Familien, Rechtsbeiständen ihrer Wahl und, falls nötig, medizinischer Behandlung.
[APPELLE AN]
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
INNENMINISTER
Major General Mohamed Ibrahim al-Sha’aar
Ministry of Interior,
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 222 3428
KOPIEN AN
AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de oder press@syrianembassy.de oder secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. Juni 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Trotz der Aufhebung des Ausnahmezustands am 21. April führen die Sicherheitskräfte und die Armee in Syrien weiterhin Massenfestnahmen durch. Dies gilt insbesondere für Städte, in denen die Proteste großen Zulauf fanden. Die Festnahmen betreffen Personen, von denen vermutet wird, dass sie Proteste organisiert oder öffentlich befürwortet haben. Dabei ist unerheblich, ob dies mündlich bei öffentlichen Versammlungen, in den Medien, im Internet oder auf andere Weise geschah. Zu den Betroffenen zählen auch MenschenrechtsverteidigerInnen, politische AktivistInnen, Imame und JournalistInnen. Amnesty International geht davon aus, dass es sich bei vielen der Inhaftierten mit großer Wahrscheinlichkeit um gewaltlose politische Gefangene handelt, die einzig wegen der friedlichen Ausübung ihrer Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie der friedlichen Teilnahme oder Unterstützung von Protesten festgehalten werden.
Bereits seit über 20 Jahren dokumentiert Amnesty International die massive Anwendung von Folter und Misshandlungen, die in syrischen Hafteinrichtungen ohne jegliche strafrechtliche Folgen begangen wird. Die besorgniserregenden Schilderungen über Folter, die Amnesty International jüngst aus erster Hand zugegangen sind, steigern die Besorgnis um die Sicherheit der oben genannten Inhaftierten sowie anderer Gefangener, die sich ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft befinden. Zwei Männer aus der Küstenstadt Banias, die kürzlich freigelassen wurden, berichteten zum Beispiel, dass Angehörige der Sicherheitskräfte sie und eine Reihe anderer Gefangener mit einem Gewehrkolben brutal auf Hals und Schlüsselbein geschlagen hätten. Ein Gefangener schilderte wie er entkleidet und geschlagen worden war und im Anschluss sein eigenes Blut vom Boden lecken musste. Er erklärte, dass er und andere Gefangene sowohl mit Knüppeln und Kabeln geschlagen wurden als auch Faustschlägen und Fußtritten ausgesetzt waren. Weiterhin berichtete er, dass Inhaftierte in einer Einrichtung drei Tage lang in überfüllten Zellen und ohne Nahrung festgehalten wurden und sich dadurch gezwungen sahen, Wasser aus einer Toilette zu trinken.
Unter den jüngst Festgenommenen bzw. nach wie vor Inhaftierten befinden sich die folgenden Personen:
Die Jounalistin Dorothy Parvaz, die für den Nachrichtensender Al-Dschasira arbeitet, wurde am 29. April bei ihrer Ankunft am Flughafen Damaskus festgenommen. Laut Al-Dschasira flog sie von Katar aus nach Damaskus, um über die laufenden Ereignisse zu berichten. Der Regisseur Firas Fayyad wurde am 30. April in einem Internetcafé in Damaskus festgenommen. Am 30. April nahmen Sicherheitskräfte in Damaskus den zwanzigjährigen Studenten 'Abd al-Rahman Hammada bei sich zu Hause fest. Ursprünglich waren sie auf der Suche nach seinem Bruder Wa’el.
Wa’el Hammada und seine Ehefrau, die führende Menschenrechtsanwältin und -verteidigerin Razan Zaitouneh sind untergetaucht. Der Menschenrechtsanwalt 'Abdullah Khalil wurde am 1. Mai in der Stadt Ar-Raqqa festgenommen. Grund war vermutlich sein Auftritt im Fernsehsender Al-Dschasira am 30. April, bei dem er die Massenfestnahmen thematisierte und sich für eine demokratische Lösung der Situation aussprach. Am 2. Mai wurde auch das Vorstandsmitglied der Arabischen Organisation für Menschenrechte Ahmed Haji Khalaf in Ar-Raqqa festgenommen. Vermutlich erfolgte die Festnahme aufgrund seiner aktiven Unterstützung der Proteste. Der Menschenrechtsverteidiger Manhal Mahmoud Barish und seine beiden Brüder Ayham und Shadi Barish wurden am 3. Mai im Rahmen einer großflächigen Razzia in der Stadt Saraqeb festgenommen.
Wie Amnesty International mitgeteilt wurde sind eine Reihe von AktivistInnen aus Angst vor Festnahme untergetaucht. Neben den oben erwähnten Wa’el Hammada und Razan Zaitouneh ist Amnesty International darüber in Kenntnis, dass folgende Personen untergetaucht sind: der bekannte Menschenrechtsanwalt Haytham al-Maleh, die Menschenrechtsverteidiger und Kinder des gewaltlosen politischen Gefangenen Kamal al-Labwani, Hind and 'Omar al-Labwani, der Leiter des verbotenen Jamal Atassi-Forums Suhair al-Atassi, Walid al-Bunni, der sich bereits zwei Mal als gewaltloser politischer Gefangener in Haft befand und Mitglied der Oppositionskoalition Damaskus-Erklärung für den Demokratischen Nationalen Wandel ist (und der syrische Kurde Jwan Yousef Khorshid, der Mitglied der nicht anerkannten kurdischen Menschenrechtsorganisation RASED ist. Im Fall von Jwan Yousef Khorshid hieß es Berichten zufolge, dass dessen Frau am 5. Mai festgenommen wird, wenn er sich nicht innerhalb von 24 Stunden freiwillig der Polizei stellt.
Amnesty International wurde mitgeteilt, dass der Menschenrechtsverteidiger Mahmoud 'Issa, den Angehörige des politischen Sicherheitsdienstes am 19. April festgenommen haben, vor Gericht gestellt wurde. Es ist zur Zeit noch nicht bekannt, um welches Gericht es sich handelt und welche Anklagen gegen ihn erhoben wurden.