Journalist inhaftiert
Der Journalist und Oppositionspolitiker Heshmatollah Tabarzadi, bekannt unter dem Kurznamen Heshmat, befindet sich im Evin-Gefängis in Teheran in Haft. Er wurde festgenommen, kurz nachdem er für die US-Zeitung Wall Street Journal einen Artikel verfasst hatte. Amnesty International betrachtet Heshmatollah Tabarzadi als gewaltlosen politischen Gefangenen.
Appell an
OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT VON TEHERAN
Mr Ali Reza Avaei
Karimkhan Zand Avenue
Sana'i Avenue, Corner of Ally 17, No 152
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Mr Avaei)
E-Mail: avaei@Dadgostary-tehran.ir
OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadeqh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737
IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: http://www.dadiran.ir/tabid/75/Default.aspx
Erstes Feld mit Sternchen: Vorname, zweites Sternchenfeld: Nachname, drittes: Ihre E-Mail-Adresse
Sende eine Kopie an
LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
Howzeh Riassat-e Ghoveh Ghazaiyeh
Pasteur St. Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737
IRAN (korrekte Anrede: Dear Mr Larijani)
Fax: (00 98) 213 390 49 86
E-Mail: bia.judi@yahoo.com
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. April 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE UND E-MAILS
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Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung von Heshmatollah Tabarzadi, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der lediglich aufgrund seines friedlichen Einsatzes für die Menschenrechte und der friedlichen Ausübung der Rechte auf freie Meinungsäußerung festgehalten wird.
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Dringen Sie bei den Behörden darauf sicherzustellen, dass Heshmatollah Tabarzadi weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt wird, dass Vorwürfe über Misshandlungen untersucht und gegebenenfalls die dafür Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden, dass der Gefangene medizinisch betreut wird und regelmäßig von seinem Rechtsanwalt und seiner Familie besucht werden kann.
- Erinnern Sie die Behörden daran, dass der Iran als Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte die Rechte auf freie Meinungsäußerung respektieren muss.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the Iranian authorities to release Heshmatollah Tabarzadi immediately and unconditionally, as he is a prisoner of conscience, held solely for his peaceful exercise of the right to freedom of expression;
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Urging them to ensure that he is protected from torture and other ill-treatment, that the reports that he was beaten are investigated and anyone found responsible for abuses is brought to justice and that he has regular access to his lawyer, his family and any medical treatment he may require;
- Reminding the authorities that, as a state party to the International Covenant on Civil and Political Rights, Iran is obliged to uphold the right to freedom of expression and association.
Sachlage
Heshmatollah Tabarzadi ist Vorsitzender der verbotenen Oppositionspartei Demokratische Front des Iran. Er wurde am 27. Dezember 2009 nach landesweiten Demonstrationen in seiner Wohnung in Teheran von Mitarbeitern des Geheimdienstes der Revolutionsgarden ohne gültigen Haftbefehl festgenommen. Die Geheimdienstler beschlagnahmten Computer, Faxgerät, Handy und Telefonbuch des Oppositionspolitikers ebenso wie Fotoalben und Videobänder. Heshmatollah Tabarzadi wurde "Beleidigung des Religionsführers", "Verunglimpfung der Islamischen Republik" und "Gefährdung der nationalen Sicherheit" vorgeworfen. Mit seinem Rechtsanwalt hat er sich noch nicht beraten dürfen. Seine Familie konnte ihn bislang mindestens zwei Mal im Gefängnis besuchen. Auch Telefonate hat er mit seinen Angehörigen führen dürfen, die allerdings von der Gefängnisverwaltung mitgehört wurden. Während der Verhöre waren Heshmatollah Tabarzadi die Augen verbunden. Ihm wurde mitgeteilt, dass er mit der Todesstrafe rechnen müsse. Am 10. März 2010 konnte ihn seine Ehefrau im Gefängnis besuchen. Sie berichtete, er habe seit seiner Festnahme an Gewicht verloren, seine ursprünglich dunklen Haare seien ergraut.
Die Verhaftung des Journalisten könnte mit einem in der Zeitung Wall Street Journal am 17. Dezember 2009 veröffentlichten Artikel zusammen hängen, in dem Heshmatollah Tabarzadi die Auffassung vertreten hatte: "Sollte die Regierung weiterhin auf Gewalt setzen, könnte es in Iran erneut eine Revolution geben. Einer der Kontrahenten muss nachgeben. Und das wird die Regierung sein, nicht das Volk". Am 27. Dezember 2009 strahlte der persische Dienst des US-amerikanischen Rundfunk- und Fernsehsenders Voice of America ein Interview mit Heshmatollah Tabarzadi aus, in dem er erklärte, niemals zuvor solch machtvolle Demonstrationen erlebt zu haben. Die TeilnehmerInnen rief er auf, ihre Proteste weiterhin friedlich fortzusetzen.
Hintergrundinformation
Heshmatollah Tabarzadi ist Parteivorsitzender der Demokratischen Front Iran, die im Jahr 2000 in der erklärten Absicht gegründet wurde, für ein säkulares und demokratisches Regierungssystem einzutreten. Er ist zugleich Mitglied der Organisation Solidarity for Democracy and Human Rights in Iran, eines Zusammenschlusses verschiedener Gruppierungen und Einzelpersonen. Der am 25. Mai 2009 gegründeten Organisation gehören unter anderem RechtsanwältInnen, JournalistInnen, Menschen- und BürgerrechtlerInnen sowie politisch engagierte Personen an. Ihr gemeinsames Ziel ist die Förderung und der Schutz der Menschenrechte und der Demokratie im Iran. In den zurückliegenden Monaten sind zahlreiche Mitglieder der Organisation festgenommen worden, von denen sich einige noch immer in Haft befinden, andere gegen Kaution wieder freigelassen wurden. Heshmatollah Tabarzadi, ein ehemaliger Sprecher der Studierendenbewegung, ist in der Vergangenheit wiederholt festgenommen worden und hat mehr als acht Jahre in Gefängnissen verbracht.
Viele der seit Juni 2009 festgenommenen Personen wurden in grob unfairen Gerichtsverfahren zu langen Freiheitsstrafen, einige auch zur Prügelstrafe verurteilt. Gegen mindestens 13 Personen wurden Todesurteile verhängt, von denen zwei bereits vollstreckt und drei in Gefängnisstrafen umgewandelt worden sind. Zu den zum Tode Verurteilten gehören auch Ahmad Karimi und Amir Reza Arefi, die wegen ihrer vermeintlichen Mitgliedschaft in der politischen Gruppierung Anjoman-e Padashahi Iran, die für einen Wiederaufbau der Monarchie im Iran eintritt, der "Feindschaft zu Gott" (moharebeh) für schuldig befunden wurden. Weitere drei Frauen und zwei Männer sind ebenfalls Berichten zufolge im Januar der "Feindschaft zu Gott" schuldig erklärt worden, weil sie angeblich Mitglieder der verbotenen iranischen Oppositionsgruppe der Volksmudschaheddin (People's Mojahedeen Organization of Iran - PMOI) sind und sie die Demonstrationen rund um das Aschura-Fest organisiert haben sollen. Der 20-jährige Mohammad Amin Valian, der an der Universität Damghan studiert, ist ebenfalls zum Tode verurteilt worden, obwohl seine eingelegten Rechtsmittel bislang nicht gehört wurden. Er gehört zu den insgesamt fünf Personen, die in dem Schauprozess vom 30. Januar wegen "moharebeh" unter Anklage standen. Bei der Anhörung wurde Videomaterial gezeigt, auf dem zu sehen ist, wie Mohammad Amin Valian während der Demonstrationen mit Steinen wirft. Das Video wurde als Beweis gegen ihn verwendet.
Die iranischen Behörden halten an der rigorosen Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäußerung fest. Sie nehmen Journalisten in Haft, schränken den Zugang zum Internet wie beispielsweise zu Seiten sozialer Netzwerke ein und zwingen Zeitungen, ihr Erscheinen einzustellen. Anträgen auf Genehmigung von regierungskritischen Demonstrationen wird nicht stattgegeben, wo solche Demonstrationen dennoch stattfinden, wird gegen die TeilnehmerInnen mit drastischen Mitteln vorgegangen. Somit ist auch das Recht auf Versammlungsfreiheit in Iran nicht gewahrt. Nach Behördenangaben sind bei Demonstrationen um die 40 TeilnehmerInnen getötet worden, oppositionelle Quellen nennen dagegen eine Zahl von mehr als 80 Todesopfern.
Im Februar 2010 erklärte sich die iranische Regierung zur Umsetzung mehrerer Empfehlungen bereit, die der UN-Menschenrechtsrat im Rahmen seiner regelmäßigen Überprüfung der Menschenrechtslage im Iran ausgesprochen hatte. Die Regierung sagte zu, Maßnahmen zur Sicherstellung der Rechte auf freie Meinungsäußerung und auf Freiheit der Medien ergreifen zu wollen. Andere Empfehlungen wies die Regierung zurück, beispielsweise Forderungen, willkürliche Inhaftierungen und sonstige Repressalien gegenüber SchriftstellerInnen, Journalistinnen und InternetnutzerInnen einzustellen. In der Praxis waren jedoch kaum Änderungen erkennbar. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit wurden nach wie vor nicht gewahrt.