Neue Morddrohungen

Obtilia Eugenio Manuel und OPIM-Mitglieder

Obtilia Eugenio Manuel und OPIM-Mitglieder

Obtilia Eugenio Manuel und Cuauhtémoc Ramírez haben erneut Morddrohungen erhalten. Sie engagieren sich dafür, dass Soldaten für die Vergewaltigung von zwei indigenen Frauen im Jahr 2002 zur Rechenschaft gezogen werden. Aufgrund dieses Engagements sind die beiden Mitglieder der Menschenrechtsorganisation OPIM in großer Gefahr.

Appell an:

INNENMINSTER
Lic. José Francisco Blake Mora
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso, Col. Juárez,
Delegación Cuauhtémoc, México D.F., C.P. 06600
MEXIKO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Secretario/Dear Minister)
Fax: (00 52) 55 5063 3405

GENERALSTAATSANWALT
Lic. Arturo Chávez Chávez
Procuraduría General de la República
Av. Paseo de la Reforma 211-213,
Delegación Cuauhtémoc, México D.F., C.P. 06500, MEXIKO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Procurador/Dear Attorny General)
Fax: (00 52) 55 5346 0908
E-Mail: ofproc@pgr.gob.mx

Sende eine Kopie an:

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Centro de Derechos Humanos de la Montaña „Tlachinollan“
Mina 77, Col. Centro
Tlapa de Comonfort
C.P. 41304, Guerrero
MEXIKO
E-Mail: tlachinollan.difusion@gmail.com

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Herrn Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Januar 2011 keine Appelle mehr zu verschicken

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit von Obtilia Eugenio Manuel, Cuauhtémoc Ramírez und ihrer Familie.

  • Ich bitte Sie, den Betroffenen unverzüglich ihren Wünschen entsprechend wirksamen Schutz zu gewähren und dabei der Schutzanordnung des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte nachzukommen.

  • Führen Sie bitte umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung zu diesen und früheren Drohungen und Angriffen durch, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Ich fordere Sie auf, umgehend dem Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu den Fällen von Inés Fernández und Valentina Rosendo nachzukommen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern for the safety of Obtilia Eugenio Manuel, Cuauhtémoc Ramírez and their family.

  • Urging the authorities to provide them with effective protection measures, in strict accordance with their wishes, and as requested by the Inter-American Court of Human Rights.

  • Calling on the authorities to carry out a swift, full and impartial investigation into these and previous threats and attacks, to make the results public and to bring those responsible to justice.

  • Calling on the authorities to promptly and fully comply with the Inter-American Court sentences on the cases of Inés Fernández and Valentina Rosendo.

Sachlage

Am 28. November 2010 wurde eine schriftliche Morddrohung zu dem Haus gesendet, in dem Obtilia Eugenio Manuel und Cuauhtémoc Ramírez mit ihren Kindern leben. Obtilia Eugenio Manuel ist Vorsitzende der Organisation des indigenen Volks der Me'phaa, Organización del Pueblo Indígena Me’phaa (OPIM) und Cuauhtémoc Ramírez ist ein Sprecher der Organisation. Sie setzen sich für die Verfolgung des Falles von zwei indigenen Frauen ein, Inés Fernández und Valentina Rosendo, die 2002 von Soldaten vergewaltigt wurden. Im August forderte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte den mexikanischen Staat auf, den Fall aufzuklären, für Gerechtigkeit und Entschädigungen zu sorgen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Wiederholung solcher Taten zu verhindern.

In der handgeschriebenen Drohung hieß es unter anderem: „Hallo Obtilia. Jetzt wissen wir, wo du wohnst und warum du dich in die Sache von Ines und Valentina einmischst, hör auf Mist zu machen mit dem Urteil im Fall der beiden Frauen ... beruhige die Mitglieder deiner Organisation oder du bist tot“ und „Cuauhtémoc reg dich ab, oder du bist tot ... hör auf ’rum zu erzählen, dass die Regierung dem Urteil nachkommen muss, die Regierung ist verärgert, deshalb sind wir hier, hör auf für das Urteil im Fall von Ines und Valentina zu kämpfen“ (Hola Obtilia. Ahora ya sabemo donde vive por que tanto molesta de la asunto Ines y Valentina deje estar chingando en la asunto sentencia de las dos mujeres … calmate con tu gente de la organización porque sino te va carga la chingada … calmate Cuauhtémoc porque se van carga la chingada … dejen estar chingando que el gobierno tiene cumplir la sentencia si esta enojado los gobierno poreso estamo aquí deje estar peleando sentencia ines y valentina).

Hintergrundinformation

Hintergrund

Personen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, müssen in Mexiko häufig um ihr Leben fürchten. Zahlreiche AktivistInnen haben bereits Morddrohungen erhalten oder wurden gezielt eingeschüchtert und drangsaliert. Manche wurden wegen ihrer Arbeit umgebracht. Die Behörden haben offiziell anerkannt, dass es unerlässlich ist, der Forderung von MenschenrechtsverteidigerInnen nach einem wirksamen und umfassenden Schutzprogramm (mecanismo de protección) nachzukommen. Sie haben ihrem Versprechen bisher jedoch keine Taten folgen lassen.

Als Gründerin und Leiterin von OPIM wird Obtilia Eugenio Manuel immer wieder bedroht, eingeschüchtert und überwacht. Der jüngste Einschüchterungsversuch erfolgte am 6. März 2010, als ein Drohschreiben im Büro der Organisation OPIM abgegeben wurde. Am selben Tag wurde ein Mann beobachtet, der offensichtlich das Büro der OPIM observierte und Fotos mit seinem Mobiltelefon machte. Obtilia Eugenio Manuel erhielt am 17. März 2009 drei Morddrohungen per SMS auf ihr Mobiltelefon. In einer dieser Textnachrichten warnte man sie, dass keine Menschenrechtsorganisation sie schützen könne. Im Januar 2009 war Obtilia Eugenio Manuel mehrfach verfolgt worden. Einen ihrer Verfolger erkannte sie als einen Unterstützer eines einflussreichen politischen Interessensvertreters, eines Kaziken (Cacique).

Am 9. April 2009 forderte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte von den Behörden eine Untersuchung der Angriffe und weitere Schutzmaßnahmen, um die Sicherheit von Obtilia Eugenio Manuel, ihrer Familie und anderen Personen zu gewährleisten. Bis jetzt wurden nur einige der vereinbarten Maßnahmen umgesetzt, und die Verantwortlichen für die Angriffe sind immer noch auf freiem Fuß.

Raúl Hernández, ein Aktivist der OPIM, verbrachte über zwei Jahre auf der Grundlage von gefälschten Anklagen im Gefängnis. Amnesty International betrachtete ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen, und er wurde schließlich am 30. August 2010 freigelassen. Mit ihrem waren vier andere AktivistInnen elf Monate inhaftiert.

Am 30. und 31. August 2010 forderte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte den mexikanischen Staat auf, die Menschenrechtsverletzungen an den beiden indigenen Frauen Inés Fernández und Valentina Rosendo zu thematisieren. Sie waren Anfang 2002 getrennt voneinander von Soldaten vergewaltigt worden. Die mexikanische Regierung muss nun ihre Verpflichtungen erfüllen und den Fall aufklären, für Gerechtigkeit und Entschädigungen sorgen und Maßnahmen ergreifen, um die Wiederholung solcher Fälle zu verhindern. Dazu gehört auch, die Militärgerichtsbarkeit für Menschenrechtsverletzungen abzuschaffen, die durch Angehörige des Militärs begangen werden.