Russland: Menschenrechtler offenbar "vogelfrei"
BERLIN, 12.08.2009 - Mit Bestürzung reagierte Amnesty International auf die Morde an Sarema Sadulajewa und ihrem Ehemann Alik Dschabrailow in Tschetschenien. Beide waren gestern aus dem Büro der Nichtregierungsorganisation "Rettet die Generation" entführt und heute morgen im Kofferraum eines Fahrzeugs in einem Vorort von Grosny erschossen aufgefunden worden. Sarema Sadulajewa hatte die Organisation "Rettet die Generation" geleitet, die sich vor allem um jugendliche Opfer von Landminen kümmert.
Knapp drei Wochen nach dem Mord an Natalja Estemirowa ist dieser Mord ein erneuter Beleg dafür, dass die russischen Behörden Menschen, die sich menschenrechtlich engagieren, nicht wirksam schützen.
"Menschenrechtler müssen sich vogelfrei fühlen", sagte Peter Franck, Russland-Experte der deutschen Sektion von Amnesty International. "So wichtig die deutlichen Worte waren, die der russische Präsident bei seinem letzten Deutschlandbesuch zur Arbeit von Menschenrechtlern gefunden hat, so sehr hat sich erneut auf brutale Weise gezeigt, dass es mit Worten allein nicht getan ist," sagte Franck weiter. Er hob hervor, dass nunmehr offenbar auch Nichtregierungsorganisationen ins Fadenkreuz der Mörder geraten sind, die sich vorwiegend humanitären Anliegen widmen.
"Der tschetschenische Präsident Kadyrow", so Franck, "der sich gern als 'starker Mann’ der Nordkaukasusrepublik präsentiert, hat die Verantwortung dafür, Menschenrechts-verteidiger zu schützen. Dieser Verantwortung ist er erneut nicht gerecht geworden. Sowohl die russischen als auch die tschetschenischen Behörden haben in den letzten Jahren Morde an Menschenrechtsverteidigern nicht aufgeklärt. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass diese Verbrechen zumindest einfach hingenommen werden. Wir fordern die Bundesregierung auf, der russischen Regierung schnell sehr deutlich zu machen, dass die Kette von Morden an unseren Kollegen, unseren Freunden in Russland ein Ende haben muss und ein entschlossenes Handeln der russischen Regierung von Nöten ist."
Für Interviews stehen die Amnesty-Russland-Experten Peter Franck und Friederike Behr zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie die Pressestelle unter 030/4202 48 306 bzw. presse@amnesty.de.
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