Nigeria: Gesundheitsnotstand im Nigerdelta
Protest in London gegen den Öl-Konzern Shell, der im Niger-Delta in Nigeria massive Umweltschäden verursacht hat (13. Februar 2025).
© M-A Ventoura/Amnesty International UK
In der Fischereigemeinde Bille dringt seit Monaten Methan aus Flüssen, Sümpfen und sogar Trinkwasserbrunnen – während die Regierung Untersuchungen verspricht, aber keine Ergebnisse liefert und die gefährlichen Lecks weiter offenbleiben. Tausende Anwohner*innen sind gefährdet.
Setzt euch für die Einwohner*innen von Bille im Nigerdelta ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Rt. Honourable Ekperikpe Ekpo
Minister of State for Petroleum Resources (Gas)
Federal Ministry of Petroleum Resources
Block D, NNPC Towers
Herbert Macaulay way
Abuja
NIGERIA
Sende eine Kopie an
Minister auf X: @FMPRng
Botschaft der Bundesrepublik Nigeria
Herrn Mohammed Bashir Basha
Geschäftsträger a.i.
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin
Fax: 030 – 21 23 02 12
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, Ihre Befugnisse zu nutzen und unverzüglich nach der Ursache der Gaslecks zu suchen und diese umgehend zu schließen.
- In der Zwischenzeit sollte die Regierung in Absprache mit den Gemeindevertreter*innen weitere Maßnahmen ergreifen, die für die Sicherheit der Gemeinde erforderlich sind, einschließlich der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und einer Bewertung potentieller gesundheitlicher Auswirkungen der Lecks.
- Ich fordere Sie außerdem auf, die Ergebnisse aller von den Regierungsbehörden durchgeführten Untersuchungen zu veröffentlichen und zugänglich zu machen, einschließlich der Untersuchung vom Dezember 2025.
Sachlage
Es muss sofort gehandelt werden, um die 13.000 Anwohner*innen der Fischereigemeinde Bille vor austretendem Methangas zu schützen. Methan kann bei Menschen zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Seh- und Gedächtnisstörungen und in schweren Fällen zu Atemproblemen, Bewusstlosigkeit und sogar zum Tod führen.
Die Methanlecks wurden erstmals im Oktober 2025 gemeldet, als Fischer*innen berichteten, dass sie in einem Sumpf und einem Fluss mehrere Kilometer von der Stadt entfernt blubberndes Wasser sahen und einen schwefelhaltigen Geruch wahrnahmen. Innerhalb einer Woche meldeten zahlreiche Anwohner*innen dasselbe Phänomen an verschiedenen Orten, auch in der Gemeinde selbst. Im Dezember 2025 führte die Nationale Behörde für die Erfassung und Bekämpfung von Ölunfällen an mehreren Standorten Luftqualitätstests durch. Diese ergaben für einen Standort, dass die Methanwerte 10.000-mal höher waren als normalerweise. Doch die vollständigen Ergebnisse wurden bisher nicht veröffentlicht. Es wurden auch keine Maßnahmen ergriffen, um die Lecks zu schließen und die Menschen zu schützen. Die Gasaustrittsstellen bestehen bis heute.
Die Anwohner*innen sind der Ansicht, dass ihr Trinkwasser Methan enthält und dies zu mehreren Krankheitsfällen geführt hat. Berichten zufolge waren eine Reihe von Kindern in einer Schule gezwungen, diese zu verlassen, nachdem sie erkrankten und sich erbrechen mussten.
Hintergrundinformation
Die Fischereigemeinde Bille im Bundesstaat Rivers liegt im nigerianischen Nigerdelta. Wie die Bewohner*innen vieler anderer Gemeinden dort, leben auch die von Bille schon lange mit den verheerenden Auswirkungen der Ölverschmutzung. Das Land ist verseucht, weil es die Ölgesellschaften nicht ordnungsgemäß reinigen. Die nigerianische Regierung hat die Pflicht, die Einwohner*innen von Bille vor potenziell tödlichen Methanlecks zu schützen. Dazu gehören auch solche, die von privaten Akteuren wie Ölgesellschaften verursacht oder mitverursacht sein könnten.
Der englischsprachige Amnesty-Bericht Nigeria: Tainted sale? von 2023 zeigt den schlechten Zustand der Infrastruktur einiger Ölgesellschaften. Er skizziert außerdem die Auswirkungen, die dies auf eine Reihe von Rechten – wie die Rechte auf Gesundheit und auf eine sichere, saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt – haben könnte.
Amnesty International unterstützt die Bewohner*innen von Bille und einer anderen Gemeinde, Ogale, seit mehr als zehn Jahren, nachdem durch Hunderte von Ölunfällen ihre Lebensgrundlage zerstört und ihre Häuser beschädigt worden waren. Die Verschmutzung verursachte weitreichende Umweltschäden, tötete Fische und Pflanzen und führte dazu, dass Tausende von Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten. Die Gemeinden haben ihre Ansprüche gegen die Ölgesellschaft Shell Plc. vor britischen Gerichten geltend gemacht. Das Unternehmen streitet die Anschuldigungen ab. Der Prozess soll 2027 stattfinden.
Als Treibhausgas trägt Methan (fossiles Gas) zur globalen Erderwärmung bei. Auf das Gas entfallen etwa 25 % der derzeitigen globalen Emissionserwärmung. Daher sollte die nigerianische Regierung im Einklang mit ihrer internationalen Verpflichtung durch das Pariser Abkommen nationale Wege zur Abkehr von fossilen Brennstoffen finden.