Nigeria: Gesundheitsnotstand im Nigerdelta

Circa 15 Personen stehen und hocken dich nebeneinander vor einem Gebäuden. Sie halten Schilder und Plakate hoch, auf denen unter anderem steht "Justice for the Niger Delta" oder "Shell kills".

In der Fischereigemeinde Bille im Nigerdelta herrscht weiterhin ein akuter Gesundheitsnotstand. Seit Oktober 2025 dringt dort Methangas aus Flüssen, Sümpfen und nun auch zahlreichen Trinkwasserbrunnen aus. Schulkinder mussten aus Sicherheitsgründen in einen anderen Ort umziehen. Am 7. April 2026 kamen Vertreter*innen der Aufsichtsbehörde für Öl und Gas (NUPRC) nach Bille, um eine Untersuchung der Lecks einzuleiten. Sie wiesen die in der Nähe tätigen Ölgesellschaften an, eine Lösung zu finden. Seither wurde jedoch nur wenig getan, um die Lecks zu ermitteln und zu schließen. Die Untersuchungen müssen daher beschleunigt und ihre Ergebnisse veröffentlicht werden. Die Ölkonzerne müssen die Gaslecks stoppen.

Appell an

Minister of State for Petroleum Resources (Gas)
Rt. Honourable Ekperikpe Ekpo
Federal Ministry of Petroleum Resources
Block D, NNPC Towers, Herbert Macaulay way
Abuja
NIGERIA 

 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Bundesrepublik Nigeria
Herrn Mohammed Bashir Basha, Geschäftsträger a.i.
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin

Fax: 030 – 21 23 02 12
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org

Amnesty fordert:

  • Bitte nutzen Sie Ihren Einfluss und beschleunigen Sie die Untersuchung der NUPRC zur Ursache des Gaslecks. Sorgen Sie zudem dafür, dass die Ergebnisse dieser und aller vorherigen Untersuchungen veröffentlicht werden.
  • Setzen Sie sich bitte dringend dafür ein, dass unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, um die Gaslecks zu stoppen. 
  • Darüber hinaus bitte ich Sie, zusätzliche Hilfszahlungen an die Gemeinde zu bewilligen, um die Versorgung mit wichtigen Gütern sicherzustellen, bis die Methangaslecks beseitigt sind und sauberes Trinkwasser wieder zur Verfügung steht.

 

Sachlage

Die Bewohner*innen der Fischereigemeinde Bille im Bundesstaat Rivers müssen dringend vor dem Methangas geschützt werden, das seit Monaten aus Flüssen und Sümpfen in der Nähe austritt und nun auch mindestens 70 % der Trinkwasserbrunnen verseucht hat. Die Methanlecks wurden erstmals im Oktober 2025 gemeldet, als Fischer*innen berichteten, dass sie in einem Sumpf und einem Fluss mehrere Kilometer von der Stadt entfernt blubberndes Wasser sahen und einen schwefelhaltigen Geruch wahrnahmen. Mittlerweile ist die gesamte Gegend und auch die Gemeinde selbst betroffen. Am 1. April 2026 kam der Gouverneur des Bundesstaates Rivers nach Bille und bot umgerechnet knapp 65.000 Euro zur Deckung der Kosten für Hilfsmaßnahmen an, z. B. für Nahrungsmittel, sauberes Trinkwasser und medizinische Versorgung. Auch die Kosten für den Umzug von Schulkindern in eine andere Gemeinde sollten damit abgedeckt werden.

Regierungsbehörden führten Untersuchungen durch, um sowohl die Quelle der Gaslecks als auch die gesundheitlichen Folgen für die örtliche Bevölkerung zu ermitteln. Am 7. April kamen Vertreter*innen der staatlichen Aufsichtsbehörde für Öl und Gas (NUPRC) mit den in der Region tätigen Ölgesellschaften in die Gemeinde. Die Regierungsvertreter*innen leiteten eine Untersuchung ein und forderten die Ölkonzerne auf, mit ihnen zusammenzuarbeiten, um eine Lösung für die Lecks zu finden. Seither sind jedoch bereits mehrere Monate vergangen, ohne dass genug getan wurde, um die Lecks zu ermitteln und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Im Dezember 2025 führte die Nationale Behörde für die Erfassung und Bekämpfung von Ölunfällen (NOSDRA) an mehreren Standorten Luftqualitätstests durch, die ergaben, dass die Methanwerte an einem der Orte 10.000 Mal höher waren als im Regelfall.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Fischereigemeinde Bille liegt im nigerianischen Nigerdelta und lässt sich nur mit dem Boot erreichen. Die meisten Menschen dort leben vom Fischfang. 

Wie in vielen anderen Gemeinden im Nigerdelta befinden sich auch in Bille viele Anlagen der Öl- und Gasindustrie. Dazu gehören ein Ölfeld sowie Öl- und Gaspipelines und eine Durchflussstation. Die Ursache für das austretende Gas ist nicht bekannt, doch Untersuchungen von Methanlecks in anderen Weltregionen legen nahe, dass die Lecks oft auf alte Öl- und Gasbrunnen zurückzuführen sind, die nicht ordnungsgemäß stillgelegt wurden.

Die nigerianische Regierung hat die Pflicht, die Einwohner*innen von Bille vor potenziell tödlichen Methanlecks zu schützen. Dazu gehören auch solche, die von privaten Akteuren wie Ölgesellschaften verursacht oder mitverursacht sein könnten. Der englischsprachige Amnesty-Bericht Nigeria: Tainted sale? von 2023 zeigt den schlechten Zustand der Infrastruktur einiger Ölgesellschaften. Er skizziert außerdem die Auswirkungen, die dies auf eine Reihe von Rechten – wie die Rechte auf Gesundheit und auf eine sichere, saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt – haben könnte. 

Amnesty International unterstützt die Bewohner*innen von Bille und einer anderen Gemeinde, Ogale, seit mehr als zehn Jahren, nachdem durch Hunderte von Ölunfällen ihre Lebensgrundlage zerstört und ihre Häuser beschädigt worden waren. Die Verschmutzung verursachte weitreichende Umweltschäden, tötete Fische und Pflanzen und führte dazu, dass Tausende Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten. Die Gemeinden haben ihre Ansprüche gegen die Ölgesellschaft Shell Plc. vor britischen Gerichten geltend gemacht. Das Unternehmen streitet die Anschuldigungen ab. Der Prozess soll 2027 stattfinden. 

Als Treibhausgas trägt Methan zur globalen Erderwärmung bei. Das Gas ist für etwa 25 % der derzeitigen globalen Erwärmung durch Emissionen verantwortlich. Daher sollte sich die nigerianische Regierung um einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bemühen. Dazu hat sie sich unter dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet.

 

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