USA: Inhaftierter Künstler muss behandelt werden!
Der kubanische Künstler und Asylsuchende Denis Cabrera Rodríguez (Archivbild)
© privat
Der kubanische Künstler und Asylsuchende Denis Cabrera Rodríguez wurde am 26. November von der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) festgenommen. Derzeit ist er im Krome North Service Processing Center in Florida inhaftiert. Denis Cabrera Rodríguez hat Typ-1-Diabetes und ist auf eine Insulinpumpe angewiesen. Die ICE verwehrt ihm jedoch deren Gebrauch und damit eine angemessene medizinische Versorgung in Haft. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Denis Cabrera Rodríguez muss unverzüglich aus der Haft freigelassen und bis dahin angemessen medizinisch behandelt werden.
Setzt euch für Denis Cabrera Rodríguez ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Kelei Walker, Leiterin der Einwanderungsbehörde in Miami
c/o Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Clayallee 170
14195 Berlin
Sende eine Kopie an
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Alan D. Meltzer, Geschäftsträger a.i.
Clayallee 170, 14195 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: BerlinPCO@state.gov
Amnesty fordert:
- Denis Cabrera Rodríguez benötigt dringend medizinische Hilfe, und sein Zustand verschlechtert sich täglich. Sorgen Sie bitte dafür, dass er umgehend freigelassen wird und unverzüglich die medizinische Hilfe erhält, die er so dringend benötigt.
Sachlage
Am 26. November wurde Denis Cabrera Rodríguez (A#: 241-909-042) festgenommen – obwohl sein Antrag auf politisches Asyl noch anhängig ist. Der Künstler besitzt die kubanische Staatsangehörigkeit und arbeitet mit künstlerischen Initiativen wie der San-Isidro- und der 27N-Bewegung zusammen. In Kuba wurde er wegen seiner Arbeit und seines Aktivismus zensiert, willkürlich inhaftiert, gefoltert und fiel dem Verschwindenlassen zum Opfer. 2022 kam er in die Vereinigten Staaten und beantragte dort Asyl.
Nach seiner Festnahme wurde er in eine Einrichtung der Vollstreckungs- und Abschiebungsabteilung (Enforcement and Removal Operations –ERO) der US-Einwanderungsbehörde in Miramar gebracht. Dort verlor er das Bewusstsein und musste ins Memorial Miramar Hospital gebracht werden, weil ein Herzinfarkt drohte. Nach drei Tagen verlegte ihn die US-Einwanderungsbehörde in die Hafteinrichtung Krome North Service Processing Center ("Krome").
Bei Denis Cabrera Rodríguez wurde im Alter von zehn Jahren Diabetes diagnostiziert. Nach Angaben seiner Familie ist er auf eine Insulinpumpe angewiesen, die ihm bei Bedarf Insulin verabreicht. Seit seiner Verlegung nach Krome werden seine Blutzuckerwerte nicht mehr regelmäßig gemessen und er wird nicht ausreichend mit Insulin oder angemessener Nahrung versorgt. Seine Gesundheit hat sich daher stark verschlechtert. Die US-Einwanderungsbehörde erlaubt Denis Cabrera Rodríguez nicht, seine Insulinpumpe in der Haft zu verwenden, seine Anträge auf Verlegung in ein Krankenhaus hat sie abgelehnt.
Nach Amnesty International vorliegenden Informationen leidet er nun an Komplikationen, die dringend eine kontinuierliche medizinische Versorgung erfordern, die nur außerhalb der Hafteinrichtung angemessen geleistet werden kann. Andernfalls könnte seine Diabeteserkrankung schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie die Amputation von Gliedmaßen, ein Koma oder gar den Tod nach sich ziehen.
Denis Cabrera Rodríguez hätte nie inhaftiert werden dürfen, denn den Behörden fehlt jede rechtliche Grundlage, um ihn nach Kuba zurückzuschicken. Darüber hinaus wurden die gefährlichen und mangelhaften Bedingungen in Krome von zahlreichen Organisationen – auch Amnesty International – bereits ausführlich dokumentiert. Sie berichteten von einer unzureichenden medizinischen Versorgung, unhygienischen Bedingungen sowie Misshandlungen, die zu vermeidbaren Todesfällen in Gewahrsam geführt haben. Bisher sind dort im Berichtsjahr 2025 bereits vier Personen in Gewahrsam gestorben: Ramesh Amechand, Genry Ruiz Guillen, Maksym Chernyak und Isidro Pérez. Dies lässt ernsthafte Bedenken aufkommen, dass es in der Einrichtung eine angemessene medizinische Versorgung gibt. Amnesty International stuft die Haftbedingungen in Krome als grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung von Gefangenen ein.
Hintergrundinformation
Das Krome North Service Processing Center ("Krome") ist eine Hafteinrichtung der US-Einwanderungsbehörde im County Miami-Dade der Stadt Miami, am Rande der Everglades. Der tägliche Betrieb der Einrichtung wird derzeit von der Firma Akima Global Services, LLC, durchgeführt, die die Einrichtung seit über einem Jahrzehnt verwaltet. Krome gehört zu den ältesten und größte Hafteinrichtungen der US-Einwanderungsbehörde in den Vereinigten Staaten. Seit Jahrzehnten prangern Organisationen, Anwält*innen und Dienstleister*innen vor Ort die Haftbedingungen in Krome an. Dazu gehören eine eklatante Überbelegung, chronische Einschränkungen beim Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung, die mit mehreren Todesfällen in Haft in Verbindung stehen, eine erniedrigende und grausame Behandlung sowie Verfahrensfehler, die den Zugang der Betroffenen zu einem Rechtsbeistand und einem ordnungsgemäßen Verfahren beeinträchtigen. 2025 geriet die Einrichtung nach Berichten über starke Überbelegung und mehrere Todesfälle in Gewahrsam verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Unabhängige Berichte und Menschenrechtsrecherchen haben systemische Mängel bei den Aufnahmeverfahren, der medizinischen Versorgung, den Separierungs- und Unterbringungspraktiken sowie Bedingungen dokumentiert, die als grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Folter unter dem Völkerrecht gelten könnten. Diese Mängel traten vor dem Hintergrund einer rapide wachsenden Zahl von Inhaftierten und einer eingeschränkten unabhängigen Aufsicht auf.
Unter der Trump-Regierung hat die Inhaftierung von Einwander*innen in den Vereinigten Staaten erheblich zugenommen. Am 16. November 2025 befanden sich 65.135 Menschen in Hafteinrichtungen der US-Einwanderungsbehörde ICE. Diese Zahl wird weithin als zu niedrig angesehen, da Tausende von Menschen in ICE-Kurzzeit-Bearbeitungszentren, ICE-Außenstellen, in US-Untersuchungshaft oder in anderen Einrichtungen nicht berücksichtigt werden. Trotzdem entspricht dies einem Anstieg von 64 Prozent gegenüber der Zahl der Inhaftierten im Januar 2025. Im Bundesstaat Florida ist die Zahl der Personen in ICE-Haft um 47 Prozent gestiegen (von Januar bis September 2025). Mindestens 25 Personen sind im Berichtsjahr 2025 in ICE-Gewahrsam gestorben (22 nach dem 20. Januar 2025). Im Berichtsjahr 2024 waren es zwölf Personen. Während die Trump-Regierung die Haftkapazitäten der US-Einwanderungsbehörde ausweitet, verschlechtern sich die Haftbedingungen dramatisch. Die US-Einwanderungsbehörde hat eine Richtlinie verabschiedet, wonach Personen, die auf irregulärem Wege in die USA eingereist sind, keinen Anspruch auf Freilassung gegen Kaution haben. Das bedeutet, dass sie während des gesamten Abschiebeverfahrens in Haft bleiben müssen. Das gilt auch für Personen, die einen Asylantrag gestellt haben. Sie bleiben bis zur Entscheidung über ihren Antrag inhaftiert. Nach internationalem Recht sollten Asylsuchende nicht dafür bestraft werden, wie sie in ein Land eingereist sind. Sie sollten auch nicht aus einem Land abgeschoben werden, bevor ihr Antrag auf Flüchtlingsschutz ordnungsgemäß in einem fairen Verfahren zur Feststellung des Flüchtlingsstatus geprüft wurde.
Im Rahmen der Verabschiedung von Gesetz H.R.1 ("One Big Beautiful Bill") im Juli 2025 hat Präsident Trump den Haushalt der ICE auf 150 Mrd. US-Dollar aufgestockt, um die Regierungsstrategie der massenhaften Inhaftierung und Abschiebung von Migrant*innen umzusetzen. Jene, die für Menschenrechtsverletzungen in Hafteinrichtungen verantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden, und Inhaftierte müssen die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen.