USA (Tennessee): Drohende rechtswidrige Hinrichtung

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Mehrere Personen, die Fackel in den Händen halten, stehen neben einem Banner, auf dem steht: "Für eine Welt ohne Todesstrafe".

Amnesty-Mahnwache gegen die Todesstrafe in den USA vor der US-Botschaft in Berlin (Archivaufnahme)

Tony Carruthers soll am 21. Mai im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Ihm wird gemeinsam mit zwei weiteren Männern ein Dreifachmord in Memphis im Jahr 1994 vorgeworfen. Entgegen den internationalen Standards, die für Todesstrafenfälle gelten, musste sich Tony Carruthers vor Gericht selbst vertreten. Die Rechtsbeistände, die ihn später im Berufungsverfahren vertraten, machen geltend, dass ihr Mandant aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung weder verhandlungsfähig noch in der Lage war, sich selbst zu vertreten. Es wäre daher verfassungswidrig, ihn hinzurichten. Der Gouverneur muss die Hinrichtung dringend stoppen und das Todesurteil umwandeln. 

Bitte verhindert die Hinrichtung von Tony Carruthers!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Gouverneur,

Tony Carruthers soll am 21. Mai in Ihrem Bundesstaat hingerichtet werden. Ihm wird gemeinsam mit zwei weiteren Männern ein Dreifachmord in Memphis im Jahr 1994 vorgeworfen. Entgegen den internationalen Standards, die für Todesstrafenfälle gelten, musste sich Tony Carruthers vor Gericht selbst vertreten. Die Rechtsbeistände, die ihn später im Berufungsverfahren vertraten, machen geltend, dass ihr Mandant aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung weder verhandlungsfähig noch in der Lage war, sich selbst zu vertreten. Es wäre daher verfassungswidrig, ihn hinzurichten. 

Ich appelliere dringend an Sie, die für den 21. Mai 2026 angesetzte Hinrichtung von Tony Carruthers zu stoppen. Bitte gewähren Sie ihm eine Begnadigung und wandeln Sie sein Todesurteil um.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Governor,

Please stop the 21 May 2026 execution of Tony Carruthers. He was forced to represent himself at his 1996 trial and sentencing, after the judge lost patience with Tony Carruthers’ behaviour towards a series of lawyers appointed to represent him. Under international law, self-representation must not be forced upon a defendant, who cannot be deemed to have forfeited their right to a lawyer as a sanction for misconduct. Execution of a death sentence imposed in unfair proceedings amounts to a violation of the right to life as guaranteed under international human rights law.

Tony Carruthers’ self-representation was deemed so prejudicial to his co-defendant – tried with him and also convicted on three counts of first-degree murder and sentenced to death – that he was granted a new trial. He was allowed to plead to lesser charges, was sentenced to 27 years in prison, and was released in 2015. Tony Carruthers was clearly prejudiced by his forced self-representation due to his lack of competence and his conduct in court, yet his convictions and death sentence have been upheld. Today, as far as is known, he is set to become the first person in over a century in the USA to be put to death after being forced to represent himself at trial. 

Tony Carruthers has a severe mental illness (disability), which has been diagnosed as schizoaffective disorder, bipolar type, with symptoms including paranoid delusions and distorted thought processes. He also has serious brain damage.While said to be aware of his conviction and execution, he lacks a rational understanding of them, raising the prospect of an unconstitutional execution that also violates international law. Other aspects of his case presented in the clemency petition now before you raise further serious concerns. 

I appeal to you to grant clemency and to commute this death sentence.

Sincerely,

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Bitte abschicken bis: 21.05.2026

Appell an

Gouverneur von Tennessee
Governor Bill Lee
1st Floor, State Capitol
600 Dr Martin L. King, Jr. Blvd.
Nashville, TN 37243
USA

Sende eine Kopie an

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Alan D. Meltzer, Gesandter-Botschaftsrat
Clayallee 170
14195 Berlin 

Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: BerlinPCO@state.gov

Amnesty fordert:

  • Ich appelliere dringend an Sie, die für den 21. Mai 2026 angesetzte Hinrichtung von Tony Carruthers zu stoppen. Bitte gewähren Sie ihm eine Begnadigung und wandeln Sie sein Todesurteil um.

Sachlage

Der 57-jährige Afroamerikaner Tony Carruthers soll am 21. Mai 2026 im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Er musste sich bei seiner Verhandlung im Jahr 1996 selbst vertreten, nachdem der Richter sein Verhalten gegenüber einer Reihe von Pflichtverteidiger*innen nicht mehr tolerieren wollte. In diesem Verfahren wurde Tony Carruthers zum Tode verurteilt. Das Völkerrecht gibt vor, dass Angeklagte nicht gezwungen werden dürfen, sich selbst zu vertreten. Grundsätzlich kann das Recht auf einen Rechtsbeistand durch Fehlverhalten nicht verwirkt werden. Die Vollstreckung eines Todesurteils, das nach einem unfairen Verfahren verhängt wurde, verstößt gegen das Recht auf Leben, welches durch internationale Menschenrechtsnormen geschützt ist.

Die Selbstvertretung von Tony Carruthers wurde als so nachteilig für seinen Mitangeklagten angesehen, der im selben Verfahren wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt wurde, dass diesem eine Neuverhandlung gewährt wurde. Der Mitangeklagte durfte wegen weniger schwerwiegender Anklagen auf schuldig plädieren, wurde zu 27 Jahren Haft verurteilt und kam 2015 frei. Tony Carruthers sind durch seine erzwungene Selbstvertretung – die auf seine mangelnde Verhandlungsfähigkeit und sein Verhalten im Gerichtssaal zurückzuführen war – eindeutig verfahrensrechtliche Nachteile entstanden. Dennoch wurden sein Schuldspruch und sein Todesurteil aufrechterhalten. Soweit bekannt, ist seit mehr als hundert Jahren in den USA niemand mehr nach einem Verfahren hingerichtet worden, in dem er sich selbst vertreten musste. 

Tony Carruthers hat eine schwere psychische Erkrankung, die als schizoaffektive Störung vom bipolaren Typ diagnostiziert wurde, mit Symptomen wie paranoiden Wahnvorstellungen und verzerrten Denkprozessen. Bei ihm liegt außerdem eine schwere Hirnschädigung vor. Zwar ist er sich offenbar seiner Verurteilung und der anstehenden Hinrichtung bewusst, doch kann er diese Umstände nicht rational erfassen. Die Verhängung von Todesurteilen gegen Personen mit schweren geistigen Beeinträchtigungen verstößt gegen das Völkerrecht und internationale Standards. Das von den USA 2009 unterzeichnete UN-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen schreibt vor, dass "angemessene Vorkehrungen" getroffen werden müssen, um Menschen mit Behinderungen den Genuss bzw. die Ausübung ihrer Menschenrechte gleichberechtigt mit anderen zu ermöglichen. Im Fall von Tony Carruthers bestrafte der Bundesstaat Tennessee ihn faktisch für Verhaltensweisen, die auf seine schwere geistige Behinderung zurückzuführen waren.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. 

Hintergrundinformation

Hintergrund

(auf Englisch)

Three people – two men and the mother of one of them – disappeared in Memphis, Tennessee, in late February 1994. A week later, their bodies were found beneath a newly interred coffin in a grave in a Memphis cemetery. Three men were charged with the murders. One of the men – who had led the police to the bodies – was found hanged in his jail cell before trial, his death ruled a suicide. The other two men – the brother of the man who had hanged himself and Tony Carruthers – were brought to a joint trial in April 1996. Both were convicted of three counts of first-degree murder and sentenced to death.

Before the trial, a series of lawyers were appointed to represent Tony Carruthers. Each was allowed to withdraw in the face of their client’s complaints against them. Eventually, in January 1996, the judge decided that he had forfeited his right to a lawyer and forced Carruthers to represent himself against his wishes and over his protests. After the ruling, Tony Carruthers offered to accept his most recent lawyer continuing to represent him (the lawyer himself was prepared to), to apologize, and to withdraw the accusations he had made against him. The judge refused, deciding that the defendant was merely seeking to further delay the trial. Three days later, during jury selection, the prosecution asked for a delay due to one of its witnesses being ill. The judge granted a three-month delay. Tony Carruthers made another request for a lawyer. The judge refused. In 2000, the Tennessee Supreme Court ruled that the judge was "fully justified in concluding that Carruthers had forfeited his right to counsel…" US law requires federal courts to give a very high level of deference to state court decisions, and under this standard the federal courts have denied Tony Carruthers relief and upheld his death sentence. 

When the US Court of Appeals upheld the state court decisions in 2018 under this high level of deference, the three-judge panel showed its concern, stressing that "nothing in this opinion is intended to bless the state trial court’s actions or the merits of the Tennessee Supreme Court’s opinion affirming those actions". It was "troubling", it said, that the trial judge had "required Carruthers to proceed pro se through his capital murder trial without giving him the warnings typically required in the distinct context of a defendant’s affirmatively waiving his right to counsel." One of the judges raised the issue of "mental illness" being the cause of a defendant’s misconduct and concluded that a criminal defendant must not be denied their right to counsel "as a form of punishment".

International law requires that anyone facing the death penalty is provided "adequate legal assistance at all stages of the proceedings" and that this should go "above and beyond the protections afforded in non-capital cases." The UN Human Rights Committee, the expert body established under the International Covenant on Civil and Political Rights (ICCPR), which the USA ratified in 1992, has emphasized that under the treaty "all accused of a criminal charge" have the right "in full equality" to defend themselves in person or through "legal counsel of their own choosing". In noting that the right of a defendant to self-representation is "not absolute", the Committee explained in its authoritative interpretation (General Comment 32) on the right to equality before the courts and to a fair trial under the ICCPR, that "the interests of justice may, in the case of a specific trial, require the assignment of a lawyer against the wishes of the accused, particularly in cases of persons substantially and persistently obstructing the proper conduct of trial, or facing a grave charge but being unable to act in their own interests". Contrary to what happened in this case, the right to counsel cannot be forfeited and the defendant forced into self-representation as a sanction for improper conduct.