USA: inhaftierte Asylsuchende freilassen!
Der Asylsuchende Andrea Pedro-Francisco aus Guatemala droht die Abschiebung aus den USA (undatiertes Foto).
© Privat
Die guatemaltekische Asylsuchende Andrea Pedro-Francisco wurde am 5. Februar 2026 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota von Angehörigen der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE festgenommen. Sie befindet sich derzeit in einer ICE-Hafteinrichtung in El Paso (Texas) in Haft. Andrea Pedro-Francisco wird in der Haft nicht angemessen medizinisch versorgt. Sie hat eine große Eierstockzyste, die eigentlich am 11. Februar hätte entfernt werden sollen. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide, was ihr z. B. extreme Schmerzen im Unterleib und im unteren Rücken verursacht. Andrea Pedro-Francisco muss umgehend freigelassen und bis dahin angemessen medizinisch versorgt werden, um weitere gesundheitliche Probleme oder gar ihren Tod zu verhindern.
Bitte setzt euch für Andrea Pedro-Francisco ein.
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.
Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Leiterin der Einwanderungsbehörde in El Paso
El Paso ICE Field Office Director
Marisa Flores
11541 Montana Avenue, Suite E
El Paso, TX 79936
USA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Alan D. Meltzer, Geschäftsträger a.i.
Clayallee 170
14195 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: BerlinPCO@state.gov
Amnesty fordert:
- Sorgen Sie bitte dringend dafür, dass Andrea Pedro-Francisco umgehend freigelassen wird und die nötige ärztliche Behandlung erhält, da sich ihr Zustand Tag um Tag verschlechtert.
Sachlage
Am 5. Februar 2026 wurde die guatemaltekische Asylsuchende Andrea Pedro-Francisco, die sich seit 2019 in den USA aufhält, von Angehörigen der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in Minneapolis (Minnesota) festgenommen. Sie wurde daraufhin in die ICE-Hafteinrichtung Camp East Montana in El Paso (Texas) gebracht, die mehr als 1.800 km von ihrem Wohnort entfernt ist. Im März wurde sie schließlich in das El Paso Service Processing Center verlegt.
Andrea Pedro-Francisco hat eine große Eierstockzyste, die ihr extreme Unterleibsschmerzen verursacht und ein ernstes Risiko für ihre reproduktive Gesundheit darstellt. Sie braucht dringend eine Biopsie, um festzustellen, ob die Zyste krebsartig ist, und den entsprechenden chirurgischen Eingriff, um sie entfernen zu lassen. Dieser Eingriff war für den 11. Februar angesetzt gewesen, doch ihre Inhaftierung verhinderte die Operation.
Bei ihrer Ankunft in Camp East Montana war Andrea Pedro-Francisco schwer krank und musste im Krankenhaus behandelt werden. Der behandelnde Arzt bestätigte, dass sie operiert werden muss, erklärte jedoch, dass er den Eingriff nicht durchführen würde, da sie sich im Gewahrsam der Einwanderungsbehörde befinde. Stattdessen verschrieb er ihr Medikamente gegen ihre Symptome, die sie jedoch nie erhielt. Amnesty International vorliegenden Informationen zufolge leidet Andrea Pedro-Francisco unter extremen Schmerzen im Unterleib und im unteren Rücken, die sie am Schlafen hindern. Sie hat außerdem Hitzewallungen, Schüttelfrost und Schwächeanfälle.
Andrea Pedro-Francisco wurde bisher in keiner der beiden Haftanstalten angemessen medizinisch versorgt und wartet immer noch auf ihre Operation. Sie benötigt dringend eine ärztliche Behandlung, die nur außerhalb der Hafteinrichtung angemessen geleistet werden kann. Ohne eine angemessene Behandlung und die umgehende chirurgische Entfernung der Zyste besteht für Andrea Pedro-Francisco das Risiko ernsthafter Komplikationen. So könnte sie zum Beispiel ihren Eierstock verlieren, unfruchtbar werden oder andere ernste und vermeidbare Erkrankungen entwickeln.
Hintergrundinformation
Andrea Pedro-Francisco kam 2019 aus Guatemala in die USA und beantragte dort Asyl. Am 5. Februar 2026 wurde die 23-Jährige in Minneapolis von ICE-Angehörigen festgenommen. Dies geschah im Rahmen der "Operation Metro Surge", einer ICE-Operation zur Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen im Bundesstaat Minnesota, für die mehr als 3.000 Angehörige von Bundesbehörden nach Minnesota entsandt wurden. Bei dem Einsatz wurde exzessive Gewalt angewendet und es wurden auch Menschen getötet. Schwarze, Latinos und Angehörige anderer rassifizierter Gemeinschaften wurden diskriminierenden Personenkontrollen (Racial Profiling) unterzogen. Personen, die ICE-Aktivitäten und die entsprechenden Proteste dokumentierten, mussten ebenfalls mit Menschenrechtsverletzungen rechnen.
Andrea Pedro-Francisco wurde nach ihrer Festnahme zunächst in die ICE-Hafteinrichtung Camp East Montana in El Paso im Bundesstaat Texas gebracht. Seit März 2026 befindet sie sich in einer anderen ICE-Hafteinrichtung, dem El Paso Service Processing Center.
Recherchen von Amnesty International haben aufgedeckt, dass im El Paso Service Processing Center schlechte und unhygienische Haftbedingungen herrschen, und dass Inhaftierte dort misshandelt werden. Zudem haben die Inhaftierten nur sehr eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung: Untersuchungen werden oft nur verzögert durchgeführt und Behandlungen häufig gar nicht vorgenommen.
Unter der Trump-Regierung hat die Inhaftierung von Einwander*innen in den USA erheblich zugenommen. Im Februar 2026 befanden sich mehr als 68.000 Menschen in ICE-Gewahrsam. Diese Zahlenangabe wird weithin als zu niedrig angesehen, da Tausende Menschen in ICE-Kurzzeit-Bearbeitungszentren, ICE-Außenstellen, in US-Untersuchungshaft oder in anderen Einrichtungen nicht berücksichtigt werden. Während die Trump-Regierung die Haftkapazitäten für ICE ausweitet, verschlechtern sich die Haftbedingungen dramatisch. Bisher sind im Jahr 2026 bereits mindestens 14 Personen in ICE-Gewahrsam gestorben.
ICE hat eine Richtlinie verabschiedet, wonach Personen, die ohne die nötigen Papiere in die USA eingereist sind, keinen Anspruch auf Freilassung gegen Kaution haben. Das bedeutet, dass sie während des gesamten Abschiebeverfahrens in Haft bleiben müssen. Das gilt auch für Personen, die einen Asylantrag gestellt haben. Sie bleiben bis zur Entscheidung über ihren Antrag inhaftiert. Gemäß dem Völkerrecht sollten Asylsuchende nicht für die Art und Weise ihrer Einreise bestraft werden, und Menschen sollten nicht automatisch von den Einwanderungsbehörden in Haft genommen werden. Auch sollten Menschen nicht abgeschoben werden, bevor ihr Antrag auf Flüchtlingsschutz ordnungsgemäß in einem fairen Verfahren zur Feststellung des Flüchtlingsstatus geprüft wurde.
Im Rahmen der Verabschiedung von Gesetz H.R.1 ("One Big Beautiful Bill") im Juli 2025 hat Präsident Trump den Haushalt der ICE auf 150 Mrd. US-Dollar aufgestockt, um die Regierungsstrategie der massenhaften Inhaftierung und Abschiebung von Migrant*innen umzusetzen. Hierzu zählen 45 Mrd. US-Dollar allein für den Ausbau der Haftkapazitäten. Unter keinen Umständen dürfen Menschen willkürlich inhaftiert werden, und jene, die für Menschenrechtsverletzungen in Hafteinrichtungen verantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Inhaftierte müssen die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen. Die US-Behörden müssen die massenhafte Abschiebung und Inhaftierung von Migrant*innen beenden.