Pakistan: Aktivisten "verschwunden"
Die paschtunischen Aktivisten Hanif Pashteen (links) und Noor Ullah Tareen aus Pakistan (undatierte Fotos)
© Privat
Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen, Aktivisten und Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung für den Schutz der Paschtunen (Movement for the Protection of Pashtuns – PTM), wurden am 12. November 2025 in Peschawar im Nordosten Pakistans beim Verlassen einer von der Provinzregierung einberufenen Versammlung Opfer des Verschwindenlassens. Mit ihnen "verschwanden" fünf weitere Personen, die zwei Monate später freigelassen wurden. Dass der Verbleib von Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen nach wie vor unbekannt ist, gibt Anlass zu großer Sorge um ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen. Die pakistanischen Behörden müssen ihren Aufenthaltsort sofort bekannt geben und ihre unverzügliche Freilassung veranlassen.
Bitte setzt euch für Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.
Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Ministerpräsident von Khyber Pakhtunkhwa
Sohail Afridi
Chief Minister Secretariat, Civil Secretariat
Sahibzada Abdul Qayyum Road
Peshawar,
Khyber Pakhtunkhwa
PAKISTAN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Islamischen Republik Pakistan
I.E. Frau Saqlain Syedah
Schaperstr. 29
10719 Berlin
Fax: 030-2124 4210
E-Mail: mail@pakemb.de
Amnesty fordert:
- Bitte sorgen Sie dafür, dass die Angehörigen von Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen unverzüglich über ihren Verbleib informiert und die beiden Männer bedingungslos freigelassen werden.
Sachlage
Die beiden Aktivisten Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen, die der Bürgerrechtsbewegung für den Schutz der Paschtunen (Movement for the Protection of Pashtuns – PTM) angehören, wurden am 12. November 2025 beim Verlassen der Provinzversammlung in Peschawar in Polizeigewahrsam genommen. Sie hatten als Vertreter der Bürgerrechtsbewegung an der Versammlung teilgenommen, die von der Regierung der Provinz Khyber Pakhtunkhwa einberufen wurde. Während der Versammlung wurde der Delegation die Möglichkeit verwehrt, ihre Sichtweise darzulegen. Daraufhin boykottierte sie die Sitzung und verließ das Parlamentsgebäude.
Unmittelbar nach dem Verlassen des Parlamentsgebäudes wurde die Delegation von der Polizei aufgehalten. Berichten von Augenzeug*innen zufolge war der Polizeichef der Hauptstadt Peschawar vor Ort und erteilte Anweisungen, sieben Mitglieder der Delegation, darunter Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen, in Polizeifahrzeuge zu bringen. Der Verbleib aller sieben Personen, die abgeführt wurden, war nicht bekannt. Am 18. Januar 2026 wurden die anderen fünf "Verschwundenen" aus dem Gefängnis in Attock in Punjab entlassen. Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen sind jedoch immer noch Opfer des Verschwindenlassens. Ihr Verbleib ist nach wie vor unbekannt, und ihre Angehörigen wurden nicht über eventuell vorliegende Anklagen gegen die beiden Männer informiert.
Das Verschwindenlassen von Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen stellt eine Verletzung der Rechte auf Freiheit und auf ein faires Gerichtsverfahren dar und ist an sich schon ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Sie sind in Gefahr, gefoltert oder auf andere Weise misshandelt zu werden oder andere Menschenrechtsverletzungen zu erleiden. Noch verstärkt wird die Sorge um die beiden Männer angesichts der mangelnden Transparenz hinsichtlich ihres Verbleibs und der Haftbedingungen.
Ihre anhaltende Inhaftierung ohne Kontakt zur Außenwelt ist Teil eines umfassenderen harten Vorgehens gegen die PTM und ihre Mitglieder, auch in Form willkürlicher Inhaftierungen und des Verschwindenlassens von Personen.
Hintergrundinformation
Hanif Pashteen und Noor Ullah Tareen sind Menschenrechtsverteidiger und aktive Mitglieder der PTM, einer friedlichen Bürgerrechtsbewegung, die sich für den Schutz der Grundrechte, die Aufklärung von Fällen des Verschwindenlassens und die Beendigung außergerichtlichen Vorgehens gegen die paschtunische Bevölkerung in Pakistan einsetzt. Hanif Pashteen ist Mitglied des Provinzzentralkomitees der PTM, Noor Ullah Koordinator der PTM in Sindh.
Ihr Verschwindenlassen ist kein Einzelfall, sondern Teil eines umfassenderen Musters der Repression gegen PTM-Aktivist*innen. So gab es wiederholt Fälle von willkürlicher und rechtswidriger Inhaftierung, Schikanierung, Einschüchterung und des Verschwindenlassens von PTM-Mitgliedern. Laut der staatlichen Untersuchungskommission für Fälle des Verschwindenlassens wurden bis November 2025 landesweit 10.718 Fälle untersucht, von denen mit 3.674 die meisten die Provinz Khyber Pakhtunkhwa betrafen. Seit ihrer Gründung ist die PTM massiven Repressionen seitens der pakistanischen Behörden ausgesetzt; zahlreiche Mitglieder wurden rechtswidrig inhaftiert und sind Opfer des Verschwindenlassens geworden. Im Oktober 2024 verhängten die pakistanischen Behörden ein Verbot gegen die PTM und nahmen sie in den ersten Anhang der "Liste verbotener Organisationen" des Antiterrorgesetzes auf. Im März 2026 wies das Oberste Gericht von Peschawar eine Klage gegen das Verbot der PTM ab und forderte die Gruppe auf, sich zur Aufhebung des Verbots an den Überprüfungsausschuss der pakistanischen Regierung zu wenden. Ein entsprechender Antrag wird derzeit geprüft; zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Urgent Action lag noch keine endgültige Entscheidung vor.