Pakistan: Bruder von Menschenrechtsaktivistin verschwunden
Der Pakistaner Dad Shah und seine Schwester Fozia Baloch (undatiertes Foto)
© Privat
Dad Shah, der Bruder der bekannten Menschenrechtsverteidigerin Fozia Baloch, fiel am 21. April in seinem Zuhause in Karatschi in der Provinz Sindh dem Verschwindenlassen zum Opfer. Verantwortlich sind dafür offenbar Sicherheitskräfte der Abteilung für Terrorismusbekämpfung. Obwohl zahlreiche Augenzeug*innen anwesend waren, hat die Polizei den Fall nicht angemessen untersucht. Seine Familienangehörigen wurden seither schikaniert und von Ordnungskräften willkürlich inhaftiert, weil sie sein "Verschwinden" thematisierten. Das Verschwindenlassen von Dad Shah, dessen Schwester sich für die Menschenrechte in Belutschistan einsetzt, ist offensichtlich Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen belutschische Aktivist*innen. Amnesty International fordert die Behörden auf, Schicksal und Verbleib von Dad Shah unverzüglich aufzuklären, ihn freizulassen und den Schikanen gegen ihn und seine Familie ein Ende zu setzen.
Setzt euch für Dad Shah ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.
Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Ministerpräsident
Syed Murad Ali Shah
Chief Minister Office
Civil Lines, Karachi,
74000, Sindh
PAKISTAN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Islamischen Republik Pakistan
I.E. Frau Saqlain Syedah
Schaperstr. 29
10719 Berlin
Fax: 030-2124 4210
E-Mail: mail@pakemb.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie höflich auf, den Aufenthaltsort von Dad Shah bekanntzugeben und dafür zu sorgen, dass er vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird und Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung erhält.
- Sorgen Sie auch dafür, dass er unverzüglich freigelassen wird und alle konstruierten Anklagen gegen ihn, die ausschließlich dazu dienen, ihn zum Schweigen zu bringen und den Aktivismus seiner Familie zu beenden, fallengelassen werden.
- Veranlassen Sie eine sofortige, unabhängige und unparteiische Untersuchung seines Verschwindenlassens und der mutmaßlichen Beteiligung von Angehörigen der Abteilung für Terrorismusbekämpfung der Polizei, und stellen Sie die Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht.
- Setzen Sie allen Formen von Schikanierung, Einschüchterung und Vergeltung gegen Dad Shahs Familie ein Ende.
Sachlage
Dad Shah, ein Belutsche aus Karatschi, wurde Opfer des Verschwindenlassens und seine Familie im Zuge dessen schikaniert und eingeschüchtert. Dad Shah wurde am 21. April offenbar von Angehörigen der Abteilung für Terrorismusbekämpfung der Polizei, die sich in Begleitung von Personen in Zivil befanden, aus seinem Zuhause abgeführt. Seither ist sein Aufenthaltsort unbekannt, und die Behörden haben keinerlei Informationen zu seinem Schicksal oder Verbleib bekannt gegeben.
Die Familie von Dad Shah stieß zunächst auf Widerstand seitens der Polizei, als sie eine angemessene Untersuchung seines Verschwindens forderte. Als die Polizei dann doch eine Strafanzeige aufnahm, wurden die Behörden darin nicht genannt. Am 25. April wurde die Schwester von Dad Shah, die Menschenrechtlerin Fozia Baloch, und seine Mutter daran gehindert, eine Pressekonferenz abzuhalten. Sie wurden misshandelt und willkürlich von der Polizei inhaftiert. Bei derartigen Maßnahmen scheint es sich um Vergeltungsmaßnahmen gegen Familienangehörige zu handeln, nur weil diese sich für die Rechte ihrer Familienmitglieder einsetzen. Dieses Vorgehen stellt eine Beeinträchtigung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung dar.
Es ist nicht das erste Mal, dass Dad Shah "verschwunden" ist. Er wurde im August 2023 Opfer des Verschwindenlassens und Berichten zufolge während seiner Haft unter Druck gesetzt, dem Engagement seiner Schwester für die Menschenrechte in Belutschistan ein Ende zu setzen. Dad Shah leidet an mehreren Allergien, und seine Familie sorgt sich um seine Gesundheit, da er weiterhin vermisst wird. Diese Vorgeschichte verstärkt die Sorge um seine Sicherheit und das Risiko von Folter und anderen Misshandlungen.
Hintergrundinformation
Dad Shah, ein 38-jähriger Mann belutschischer Herkunft mit Wohnsitz in Karatschi in der Provinz Sindh, arbeitete zusammen mit seinem Bruder in einem familiengeführten Geschäft. Er interessiert sich sehr für Lyrik und die Übersetzung literarischer Werke in die belutschische Sprache und hat seine Arbeiten oft in den Sozialen Medien geteilt. Seine Schwester, Fozia Baloch, ist eine bekannte Menschenrechtsaktivistin aus Belutschistan. Sie gehört der Bewegung Baloch Yakjehti Committee (BYC) an, die sich für die Rechte von Familien einsetzt, die nach verschwundenen Angehörigen suchen, und unterstützt Familien, die Gerechtigkeit für die Opfer außergerichtlicher Hinrichtungen fordern.
Das Baloch Yakjehti Committee (BYC) ist eine friedliche Basisbewegung, die sich für die Menschenrechte in Belutschistan einsetzt. Gegen die Organisation gingen die Behörden in den vergangenen Jahren hart vor. Ihre Führung, darunter die Aktivist*innen Mahrang Baloch, Bebarg Zehri, Beebow Baloch, Shah Jee Sibghat Ullah und Gulzadi Baloch, befindet sich seit über einem Jahr in rechtswidriger Untersuchungshaft. Grundlage ist ein geheimes Verfahren aufgrund konstruierter Anklagen wegen terrorismusbezogener Straftaten. Auch Aktivist*innen, Anwält*innen und Journalist*innen, die sich gegen dieses harte Vorgehen aussprechen, werden zur Zielscheibe. Im Januar 2026 wurden die Menschenrechtsanwält*innen Imaan Mazari und Hadi Ali Chatta, die auch Mahrang Balochs Rechtsbeistände in mehreren Verfahren in Islamabad sind, zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie in Social-Media-Beiträgen ihre Solidarität mit belutschischen Aktivist*innen, insbesondere mit Mahrang Baloch, bekundet hatten. Der Journalist Sohrab Barkat wurde im Dezember 2025 ebenfalls festgenommen und steht unter Anklage, weil er in den Sozialen Medien Beiträge über Belutschistan veröffentlicht hatte. Im Oktober 2025 wurden Dutzende belutschischer Aktivist*innen, darunter Mitglieder der BYC, gemäß Paragraf 11-EE des Antiterrorgesetzes auf eine "Terror-Beobachtungsliste" gesetzt. Dadurch wurde die Rechte auf Freiheit und Bewegungsfreiheit der Aktivist*innen stark eingeschränkt. Kürzlich verhängten die lokalen Behörden in der Provinz Sindh Beschränkungen für Mitglieder der BYC hinsichtlich der Teilnahme am jährlichen Frauenmarsch in Karatschi, dem "Aurat March Karachi", am 10. Mai. Die Begründung lautete, es handele sich um eine "verbotene Organisation" nach dem Antiterrorgesetz von 1997, obwohl eine derartige Einstufung unter dem Gesetz überhaupt nicht erfolgt war.
Nachdem Dad Shah in Karatschi "verschwand", wandten sich seine Angehörigen an die örtliche Polizeistation, um Anzeige wegen seiner Entführung zu erstatten. Die Polizei weigerte sich jedoch, eine Anzeige aufzunehmen. Als die Anzeige schließlich vier Tage später doch aufgenommen wurde, erfolgte sie gegen "unbekannt", obwohl die Familie darauf bestanden hatte, Sicherheitskräfte namentlich zu nennen.
David Shahs Schwester, Fozia Baloch, und seine Mutter beschlossen, am 25. April im Presseclub von Karatschi eine Pressekonferenz zum Verschwinden von Dad Shah abzuhalten. Als sie am Presseclub ankamen, hatte die Polizei das Gelände bereits abgesperrt und hinderte sie daran, sich an die Medien zu wenden. Auf dem Heimweg wurden Fozia Baloch und ihre Mutter von der Polizei angehalten, misshandelt, festgenommen und in einem Strafverfahren erfasst. Sie wurden kurz darauf wieder freigelassen, und das Verfahren wurde eingestellt.