Nigeria: Schwerverletzte bei Gasexplosion
© M-A Ventoura/Amnesty International UK
Seit Oktober 2025 dringt in der Fischereigemeinde Bille im Nigerdelta Methangas aus Flüssen, Sümpfen und Trinkwasserbrunnen aus. Jetzt wurde bei einer Gasexplosion eine Anwohnerin schwer verletzt.
Bitte setzt euch für die Menschen im Nigerdelta ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Geschäftsführer der NOSDRA:
Engr Chukwuemeka Woke FNSE
Chief Executive of the National Oil Spill Detection and Response Agency
NAIC Building, 5th Floor
Plot 590, Zone AO, Central Business District
P.M.B 145 Garki, Abuja,
NIGERIA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Bundesrepublik Nigeria
S. E. Herrn Ita Solomon James Enang
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin
Fax: 030 – 21 23 02 12
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org
Amnesty fordert:
- Bitte beschleunigen Sie die Untersuchung der NOSDRA zur Ursache der Gaslecks in Bille. Sorgen Sie dafür, dass die Gaslecks sofort gestoppt werden, bevor es zu weiteren schweren Unfällen kommt. Die NOSDRA muss alle Berichte über die Umweltverschmutzung öffentlich machen und den Einwohner*innen zugänglich machen. Außerdem muss sie sauberes Wasser und medizinische Versorgung für alle bereitstellen.
Sachlage
Am 3. September kam es im Ortsteil Opu Ibiila zu einer schweren Gasexplosion in einem Wohnhaus. Fensterscheiben platzten, und eine Bewohnerin erlitt schwere Verbrennungen. Sie musste sofort medizinisch behandelt werden. Schon im Mai brannte es an einer Wasserpumpe und ein nahegelegenes Wohnhaus wurde beschädigt. Die Ölunfallbehörde NOSDRA muss die Ursache der großen Methanlecks dringend finden und beseitigen. Die Methanaustritte wurden bereits vor elf Monaten in Flüssen, Sümpfen und Trinkwasserbrunnen entdeckt. Trotzdem ist das Problem bis heute nicht gelöst.
Hintergrundinformation
Es liegt in der Verantwortung der Nationalen Behörde für die Erfassung und Bekämpfung von Ölunfällen (National Oil Spill Detection and Response Agency - NOSDRA) als Regierungsbehörde, die Quelle des austretenden Gases sofort zu ermitteln, damit die Lecks geschlossen und die Gesundheit sowie die Menschenrechte der Bevölkerung von Bille geschützt werden können. Die NOSDRA muss dafür sorgen, dass die für die Infrastruktur in Bille zuständigen Betreibergesellschaften bei der Behebung des Problems mitwirken. Die NOSDRA muss die Ergebnisse der von ihr im Dezember 2025 in Auftrag gegebenen Untersuchung zur Wasser- und Bodenverschmutzung veröffentlichen. Den Anwohner*innen wurden bislang nur die Berichte zur Luftqualität zur Verfügung gestellt. Die NOSDRA sollte außerdem monatliche Erhebungen durchführen und veröffentlichen, um die Bevölkerung über die aktuellen Gasbelastungswerte zu informieren. Es steht nach wie vor nicht genügend sauberes Wasser zur Verfügung, damit alle Anwohner*innen der Gemeinde ihren Bedarf an Trinkwasser decken und sich waschen können. Nachdem die örtliche Schule umziehen musste, hat sie nun auch an ihrem neuen Standort mit Gaslecks zu kämpfen.
Die Fischergemeinde Bille liegt im nigerianischen Nigerdelta und ist nur mit dem Boot erreichbar. Die meisten Menschen dort leben vom Fischfang. Wie in vielen anderen Gemeinden im Nigerdelta befinden sich auch in Bille viele Anlagen der Öl- und Gasindustrie. Dazu gehören zwei Ölfeld sowie Öl- und Gaspipelines und zwei Durchflussstationen. Die Ursache für das austretende Gas ist nicht bekannt, doch Untersuchungen von Methanlecks in anderen Weltregionen legen nahe, dass die Lecks oft auf alte Öl- und Gasbrunnen zurückzuführen sind, die nicht ordnungsgemäß stillgelegt wurden. Die nigerianische Regierung hat die Pflicht, die Einwohner*innen von Bille vor potenziell tödlichen Methanlecks zu schützen. Dazu gehören auch solche, die von privaten Akteuren wie Ölgesellschaften verursacht oder mitverursacht sein könnten. Der englischsprachige Amnesty-Bericht Nigeria: Tainted sale? von 2023 zeigt den schlechten Zustand der Infrastruktur einiger Ölgesellschaften. Er skizziert außerdem die Auswirkungen, die dies auf eine Reihe von Rechten – wie die Rechte auf Gesundheit und auf eine sichere, saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt – haben könnte.
Amnesty International unterstützt die Bewohner*innen von Bille und einer anderen Gemeinde, Ogale, seit mehr als zehn Jahren, nachdem durch Hunderte von Ölunfällen ihre Lebensgrundlage zerstört und ihre Häuser beschädigt worden waren. Die Verschmutzung verursachte weitreichende Umweltschäden, tötete Fische und Pflanzen und führte dazu, dass Tausende Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten. Die Gemeinden haben ihre Ansprüche gegen die Ölgesellschaft Shell Plc. vor britischen Gerichten geltend gemacht. Das Unternehmen streitet die Anschuldigungen ab. Der Prozess soll 2027 stattfinden. Als Treibhausgas trägt Methan zur globalen Erderwärmung bei. Das Gas ist für etwa 25 % der derzeitigen globalen Erwärmung durch Emissionen verantwortlich. Daher sollte sich die nigerianische Regierung um einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bemühen. Dazu hat sie sich unter dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN (Fortsetzung) – Auf Englisch
Amnesty’s July 2026 report, Nigeria: Lifting the Lid revealed how Shell’s own internal documents exposed its negligent oil operations in the Niger Delta. This included documents confirming that Shell’s pipelines were old and not maintained to its safety guidelines, that Shell blamed illegal tapping of its pipelines by criminal gangs for the bulk of pollution incidents, but instead of repairing tapped pipelines Shell executives allowed taps to be left in place to minimise disruption to oil flows leading to accusations of "complicity" in the oil thefts. The documents also highlighted that Shell’s parent company Royal Dutch Shell (RDS), now Shell Plc, was directly involved in decision-making around its Nigerian subsidiary company, the Shell Petroleum Development Company (SPDC), contrary to claims by Shell that SPDC acted autonomously. The situation in Bille is indicative of a wider set of issues confronting one of Africa’s most important oil producing regions. Decades of oil pollution, the negligent operations of oil operators, and weak regulation by state agencies has created an environmental catastrophe. In recent years the main oil companies, including Shell, which sold its Nigerian subsidiary SPDC in March 2025 to Renaissance, have divested their businesses in the Niger Delta, leaving others to clean up the environmental damage. Shell’s own documentation indicated an estimated USD $10.9 billion in decommissioning costs were required and that 375km² of mangrove forest in Nigeria had been harmed by pollution.