Mosambik: Investigativjournalist Estácio Valoi im Visier der Behörden
Estácio Valoi arbeitet als Journalist in Mosambik (undatiertes Foto).
© @Moz24h
Mosambikische Behörden haben am 16. Juni die Arbeitsgeräte des Investigativjournalisten Estácio Valoi beschlagnahmt und bislang nicht zurückgegeben. Das laufende Strafverfahren gegen ihn steht im Zusammenhang mit seiner Berichterstattung über Umweltkriminalität. Die Maßnahme behindert seine journalistische Arbeit und gefährdet den Schutz seiner Quellen.
Setzt euch für Estácio Valoi ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Américo Julião Letela
Prosecutor General of the Republic
Av. Vladimir Lenine nr. 121
Maputo
MOSAMBIK
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Mosambik
S.E. Herrn Elias Jaime Zimba
Stromstraße 47
10551 Berlin
Fax: (030) 398 765 03
E-Mail: info@embassy-of-mozambique.de
Amnesty fordert:
- Bitte sorgen Sie dafür, dass die Arbeitsmittel von Estácio Valois unverzüglich zurückgeben werden, sofern nicht vor einem zuständigen Gericht nachgewiesen werden kann, dass deren fortgesetzte Einbehaltung rechtmäßig, notwendig und verhältnismäßig ist. Jeder Zugriff auf seine elektronischen Geräte oder deren Durchsuchung bedarf einer gesonderten vorherigen richterlichen Genehmigung. Er muss auf eindeutig festgestellten Tatsachen und einer anerkannten Straftat beruhen und die uneingeschränkte Vertraulichkeit journalistischer Quellen und Materialien gewährleisten.
Sachlage
Am 16. Juni 2026 beschlagnahmten Angehörige der mosambikanischen Kriminalpolizei die Arbeitsgeräte des Investigativjournalisten Estácio Valoi bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in Pemba (Provinz Cabo Delgado). Gegen ihn läuft ein Strafverfahren im Zusammenhang mit seiner Berichterstattung über Umweltkriminalität. Der Durchsuchungs- und Beschlagnahmungsbefehl enthielt Berichten zufolge keine Begründung für die Maßnahme. Obwohl Valoi seine Geräte auf Anweisung der Staatsanwaltschaft am 26. Juni entsperrte, wurden sie ihm bis heute nicht zurückgegeben. Dadurch kann er seine journalistische Arbeit nicht ausüben, und die Vertraulichkeit seiner Quellen ist gefährdet.
Die Einleitung eines Strafverfahrens gegen Estácio Valoi und die anhaltende Beschlagnahmung seiner Arbeitsgeräte geben Anlass zu großer Sorge. Der Investigativjournalist ist Herausgeber der unabhängigen Nachrichtenplattform Moz24h und berichtet seit mehr als zehn Jahren über Umweltkriminalität, illegalen Holzeinschlag, Korruption sowie den bewaffneten Konflikt, der 2017 in der Provinz Cabo Delgado ausgebrochen ist. Seine Berichterstattung hat zur öffentlichen Debatte über die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die Umweltpolitik in Mosambik beigetragen. Im August 2025 veröffentlichte er eine Recherche über 111 Container mit Holz, die von den Behörden im Hafen von Beira beschlagnahmt worden waren und mutmaßlich mit dem Unternehmen Safi Timber in Verbindung standen. Im Dezember 2025 forderten die Rechtsbeistände des Unternehmens die Entfernung des Artikels und drohten mit rechtlichen Schritten.
Auf Grundlage einer von Safi Timber eingereichten Strafanzeige wegen Verleumdung wurde Estácio Valoi am 23. April 2026 als Verdächtiger eingestuft. Am 29. Juni bestätigte das Provinzgericht von Cabo Delgado, dass ein Strafverfahren gegen ihn anhängig sei, machte jedoch keine Angaben zu den zugrunde liegenden Vorwürfen. Bereits am 16. Juni hatten Polizeikräfte seine Wohnung durchsucht und seinen Laptop, zwei Mobiltelefone und ein Tablet beschlagnahmt. Berichten zufolge fehlte im Durchsuchungsbefehl jede sachliche oder rechtliche Begründung für die Einziehung der Geräte. Am 30. Juni beantragte der Rechtsbeistand von Estácio Valoi offiziell die unverzügliche Rückgabe der beschlagnahmten Geräte mit der Begründung, dass deren fortgesetzte Einbehaltung unnötig und unverhältnismäßig sei.
Besonders besorgniserregend ist, dass Estácio Valoi Hinweise darauf gemeldet hat, dass eines seiner beschlagnahmten Geräte ohne seine Zustimmung für den Zugriff auf sein E-Mail-Konto verwendet wurde. Die Behörden haben sich zu diesem Vorwurf bislang nicht öffentlich geäußert. Die fortgesetzte Einbehaltung seiner Arbeitsausrüstung beeinträchtigt nicht nur seine journalistische Tätigkeit, sondern gefährdet auch den Schutz vertraulicher Quellen. Zudem verstärkt sie die Befürchtung, dass Strafverfahren genutzt werden könnten, um kritische investigative Berichterstattung zu Themen von öffentlichem Interesse zu behindern.
Hintergrundinformation
Mosambik ist Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte sowie der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker, die beide das Recht auf freie Meinungsäußerung schützen. Jede Einschränkung dieses Rechts muss gesetzlich vorgesehen und zur Erreichung eines legitimen Ziels notwendig und verhältnismäßig sein. Internationale Menschenrechtsstandards erkennen zudem den Schutz vertraulicher Quellen von Journalist*innen als wesentliche Garantie für die Pressefreiheit an.
Journalisten*innen, die über den Konflikt und andere heikle Themen in Cabo Delgado berichten, sind schon seit Jahren mit willkürlichen Festnahmen, Verschwindenlassen und anderen Repressionen konfrontiert. Bereits im Dezember 2018 wurde Estácio Valoi bei der Berichterstattung in Cabo Delgado von Angehörigen der mosambikanischen Streitkräfte willkürlich festgenommen. Er wurde nach mehreren Stunden ohne Anklage freigelassen, allerdings beschlagnahmte man seine Arbeitsgeräte.
Im Januar 2019 wurde der Lokalradiojournalist Amade Abubacar während eines Interviews mit durch den Konflikt vertriebenen Menschen festgenommen, zwölf Tage lang ohne Kontakt zu seiner Familie oder einem Rechtsbeistand in Militärhaft festgehalten, vorliegenden Informationen zufolge misshandelt und später im Zusammenhang mit seiner Berichterstattung strafrechtlich verfolgt.
Im April 2020 wurde der Lokalradiojournalist Ibraimo Abú Mbaruco Opfer des Verschwindenlassens, nachdem er in einer Textnachricht geschrieben hatte, er sei von Soldat*innen umzingelt. Seitdem ist nichts über sein Schicksal oder seinen Aufenthaltsort bekannt.
Im Januar 2025 wurde der Journalist Arlindo Chissale Berichten zufolge Opfer des Verschwindenlassens nachdem Zeug*innen beobachtet hatten, wie er von Männern, von denen einige Militäruniformen trugen, aus einem öffentlichen Kleinbus geholt und abgeführt wurde. Auch über sein Schicksal oder seinen Aufenthaltsort ist nichts bekannt. Amnesty International hat wiederholt Fälle von Einschüchterung und anderen Repressalien gegen Journalist*innen dokumentiert, die über Cabo Delgado berichten. Diese tragen zu einem Klima der Angst bei und gefährden so die unabhängige Berichterstattung in der Provinz.