Mexiko: Journalist braucht wirksamen Schutz!

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Alberto Amaro und seine Familie wurden im September erneut bedroht. Der Journalist wird seit Jahren von der Polizei und von kriminellen Gruppen eingeschüchtert, bedroht und angegriffen. Zwar erhält er staatlichen Schutz, dieser ist jedoch unzureichend und könnte jederzeit aufgehoben werden.

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Dein Appell

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Sehr geehrte Frau Ledesma,

ich mache mir Sorgen um Alberto Amaro und seine Familie, die im September erneut bedroht wurden.

Alberto Amaro ist Chefredakteur der digitalen Nachrichtenplattform La Prensa de Tlaxcala. Er erhielt bereits am 4. Mai 2026 Morddrohungen wegen seiner journalistischen Arbeit. Am 30. September wurde er von Angehörigen des Innenministeriums überwacht, als er an einem öffentlichen Ort eine Gruppe Landwirt*innen interviewte. 

Seit 2019 ist Alberto Amaro wiederholt angegriffen und bedroht worden. Er und seine Familie erhalten derzeit einen gewissen Schutz durch den staatlichen Schutzmechanismus für Menschenrechtsverteidiger*innen und Journalist*innen. Doch diese Maßnahmen können jeden Moment eingestellt werden, da im Mai 2026 beschlossen wurde, ihm und seiner Familie den Schutz zu entziehen. Die Behörden waren der Meinung, Alberto Amaro und seine Familie seien derzeit keiner großen Gefahr ausgesetzt. Alberto Amaro wehrt sich gegen diese Entscheidung.

Bitte sorgen Sie dafür, dass die Schutzmaßnahmen für Alberto Amaro dem Ausmaß der Bedrohungen entsprechen, denen er ausgesetzt ist. Sorgen Sie auch dafür, dass sie wirksam umgesetzt werden. Gewährleisten Sie bitte, dass seine Familie so lange Schutz erhält, bis eine endgültige Entscheidung über die Schutzmaßnahmen getroffen wurde.

Mit freundlichen Grüßen,

Dear Tobyanne Ledesma,

I am writing to express my deep concern for the safety of the journalist Alberto Amaro Jordán and his family, who were threatened again in September.

Alberto Amaro is editor-in-chief of the news outlet La Prensa de Tlaxcala. On 4 May 2026, Alberto received death threats in response to his journalistic work. On 30 September, he was monitored by staff from the Ministry of the Interior, both during and after he had interviewed a group of farmers in a public place. 

As you may be aware, this is not the first time Alberto has been threatened. Amnesty International has documented several attacks against him since 2019. While I am relieved to know that Alberto Amaro is currently receiving protection measures from the Mechanism for the Protection of Human Rights Defenders and Journalists, I understand that these could be withdrawn at any time, since the Governing Board decided in May to lift the protective measures on the grounds that neither Alberto nor his family are currently at high risk. Alberto disagrees and has appealed this decision.

In view of the above, I call on you to ensure that the protection measures currently in place for Alberto are adequate and effectively implemented to protect him against the threats that he continues to receive. Please ensure that his family continues to be protected until a final decision is reached.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 30.04.2027

Appell an

Tobyanne Ledesma Rivera
Directora General del Mecanismo de Protección a Personas Defensoras de Derechos Humanos y Periodistas
Abraham González 48
Juárez
Cuauhtémoc
06600 Ciudad de México, CDMX
MEXIKO

Sende eine Kopie an

Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
S. E. Herrn Francisco Jose Quiroga Fernandes
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin

Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mexale@sre.gob.mx

Amnesty fordert:

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass die Schutzmaßnahmen für Alberto Amaro dem Ausmaß der Bedrohungen entsprechen, denen er ausgesetzt ist. Sorgen Sie auch dafür, dass sie wirksam umgesetzt werden.
  • Bitte gewährleisten Sie, dass seine Familie so lange Schutz erhält, bis eine endgültige Entscheidung über die Schutzmaßnahmen getroffen wurde.

Sachlage

Alberto Amaro ist Chefredakteur der mexikanischen digitalen Nachrichtenplattform La Prensa de Tlaxcala. Er erhielt am 4. Mai 2026 Morddrohungen wegen seiner journalistischen Arbeit. Am 30. September wurde er von Angehörigen des Innenministeriums überwacht, als er an einem öffentlichen Ort eine Gruppe Landwirt*innen interviewte. Seit 2019 ist Alberto Amaro wiederholt angegriffen und bedroht worden. Er und seine Familie erhalten derzeit einen gewissen Schutz durch den staatlichen Schutzmechanismus für Menschenrechtsverteidiger*innen und Journalist*innen. Doch diese Maßnahmen können jeden Moment eingestellt werden, da im Mai 2026 beschlossen wurde, ihm und seiner Familie den Schutz zu entziehen. Die Behörden waren der Meinung, Alberto Amaro und seine Familie seien derzeit keiner großen Gefahr ausgesetzt. Alberto Amaro wehrt sich gegen diese Entscheidung.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Alberto Amaro trat in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters, die beide Journalisten waren, und gründete 2018 die digital erscheinende Zeitung La Prensa de Tlaxcala. Doch schon ein Jahr nach der Gründung erhielt er Drohungen im Zusammenhang mit seinen Recherchen zu Lokalpolitik, Kriminalität und Korruption.

Tlaxcala, der kleinste Bundesstaat Mexikos, ist eine Drehscheibe für Menschenhandel und sexualisierte Versklavung. Dort gibt es mächtige kriminelle Netzwerke, die neben anderen illegalen Aktivitäten Mädchen und junge Frauen durch Mexiko und die USA schleusen.

Von Zeit zu Zeit überprüft der Ausschuss, der für die Umsetzung der Schutzmaßnahmen für Menschenrechtsverteidiger*innen und Journalist*innen verantwortlich ist, ob ergriffene Maßnahmen noch angemessen sind. Im Mai 2026 beschloss dieser Ausschuss, dass die Schutzmaßnahmen für Alberto Amaro und seine Familie aufgehoben werden könnten, da sie derzeit keiner großen Gefahr ausgesetzt seien. Alberto Amaro geht jedoch davon aus, dass eine Einstellung der Maßnahmen ihn wieder verstärkt in Gefahr bringen könnte.

Alberto Amaro berichtete, dass er seit 2019 von Polizist*innen angegriffen, bedroht und festgenommen sowie von Mitgliedern der organisierten Kriminalität eingeschüchtert wurde. Man hat ihn, seine Frau und seine Kinder fotografiert, seine Website gehackt und seinen Ruf geschädigt, in denen man ihn auf Facebook beschuldigte, kriminell zu sein. Angreifer*innen versuchten, ihm den Weg zu versperren und ihn von der Straße zu drängen, als er im Auto unterwegs war, und ein Mann auf einem Motorrad hat auf ihn geschossen. Außerdem wurde versucht, in sein Haus einzubrechen, es wurde auf sein Grundstück geschossen und einer seiner Hunde wurde vergiftet.

Der Bericht "Nobody Guarantees My Safety" von Amnesty International und dem Komitee zum Schutz von Journalist*innen (Committee to Protect Journalists – CPJ) dokumentiert die schwerwiegenden Defizite und strukturellen Mängel des mexikanischen Schutzmechanismus für Journalist*innen. Der Bericht hebt hervor, dass mehrere Journalist*innen angegriffen und sogar getötet wurden, während sie unter staatlichem Schutz standen, was zeigt, dass die bestehenden Maßnahmen oft unzureichend sind, schlecht umgesetzt oder nicht ordnungsgemäß überwacht werden. In diesem Zusammenhang müssen die Bedenken von Alberto Amaro Jordán hinsichtlich der Mängel im ihm zur Verfügung gestellten Schutzsystem sowohl von den Bundes- als auch von den bundesstaatlichen Behörden mit größter Genauigkeit und Dringlichkeit behandelt werden.

Die Verfolgung von Alberto Amaro ist dokumentiert. 2024 startete Amnesty International deswegen eine Urgent Action, die später im selben Jahr beendet werden konnte. Die extremen Risiken, denen Alberto Amaro ausgesetzt war, zwangen ihn schließlich, von September 2024 bis September 2025 über das Schutzprogramm für Menschenrechtsverteidiger*innen von Amnesty International in Spanien Zuflucht zu suchen.

Die Berichte von Article 19 Mexico and Central America, einer Organisation, die sich auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und den Schutz von Journalist*innen spezialisiert hat, dokumentieren Muster von Gewalt, Überwachung, Belästigung und Einschüchterung von Pressevertreter*innen sowie das Versagen der Behörden, wirksamen Schutz zu bieten. Diese Ergebnisse verstärken die Besorgnis über die Unzulänglichkeiten des Bundesschutzmechanismus in Mexiko. Mexiko ist auch im 21. Jahrhundert weltweit eines der Länder mit den meisten Todesopfern unter Journalist*innen. Das CPJ hat seit 2012 insgesamt 88 Morde an Journalist*en und anderen Medienschaffenden in Mexiko registriert und festgestellt, dass 37 von ihnen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet wurden. Die gefährlichsten Bundesstaaten in diesem Zeitraum waren Veracruz (21 Morde), Guerrero (10), Oaxaca (9) und Sonora (7). Das CPJ unterscheidet zwischen Morden, die nachweislich in direktem Zusammenhang mit der Arbeit des Opfers stehen, und Morden, bei denen das Motiv noch unklar ist. Laut Article 19 wurden seit Anfang 2026 bereits sechs Journalist*innen getötet.