Mexiko: Journalist erhält Morddrohungen
Der mexikanische Journalist Alberto Amaro (undatiertes Foto)
© Duncan Tucker/Amnesty International
Am 4. Mai 2026 erhielt der Journalist Alberto Amaro auf Facebook eine Morddrohung gegen ihn und seine Familie. Dies ist die jüngste Drohung in einer langen Reihe von Einschüchterungen, Schikanen und Gewalt, die er seit 2019 wegen seiner journalistischen Arbeit erfährt. Er war 2024 gezwungen, das Land für ein Jahr zu verlassen. Amnesty fordert die Behörden auf, die Sicherheit von Alberto Amaro zu gewährleisten. Die Angriffe und Drohungen gegen ihn und seine Familie müssen untersucht werden und die mexikanischen Behörden müssen durch konkrete Maßnahmen zeigen, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Verteidigung der Menschenrechte geschützt werden.
Setzt euch für Alberto Amaro ein!
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Appell an
Lorena Cuéllar Cisneros
Gobernadora de Tlaxcala
Plaza de la Constitucion 3, Centro
CP. 9000 Tlaxcala de Xicohténcatl
Tlaxcala
MEXIKO
Sende eine Kopie an
Bitte nutzen Sie auch X: @LorenaCuellar/ @GobTlaxcala
Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
S. E. Herrn Francisco Jose Quiroga Fernandes
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mexale@sre.gob.mx
Amnesty fordert:
- Ich fordere die Regierung von Tlaxcala auf, ihrer Verantwortung für den Schutz von Journalist*innen gerecht zu werden und im Fall von Alberto Amaro Jordán mit Dringlichkeit und Entschlossenheit zu handeln.
- Ich dringe darauf, dass die Behörden seine Sicherheit gewährleisten, die Angriffe und Drohungen gegen ihn und seine Familie untersuchen und durch konkrete Maßnahmen zeigen, dass die Pressefreiheit und die Verteidigung der Menschenrechte in Tlaxcala geschützt werden.
Sachlage
Es besteht große Sorge um die Sicherheit des Journalisten Alberto Amaro Jordán, Direktor der mexikanischen digitalen Nachrichtenplattform La Prensa de Tlaxcala. Alberto Amaro bekam am 4. Mai Morddrohungen. Diese Drohungen gegen sein Leben und die Sicherheit seiner Angehörigen sind eine Eskalation der Einschüchterungen gegen einen Journalisten, der nur seiner beruflichen Tätigkeit nachgeht und sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt.
Aufgrund seiner Arbeit war Alberto Amaro bereits Ziel mehrerer schwerer Angriffe, über die Amnesty International berichtet hat. Die Sorge um seine Sicherheit zwang Alberto Amaro auf der Suche nach Zuflucht, Mexiko von September 2024 bis September 2025 vorübergehend zu verlassen.
Alberto Amaro hat über zahlreiche Versäumnisse bei einigen der ihm vom Bundesschutzmechanismus (Mecanismo de Protección para Personas Defensoras de Derechos Humanos y Periodistas) zugestandenen Schutzmaßnahmen berichtet. Für Journalist*innen zählt Mexiko zu einem der gefährlichsten Länder weltweit. Die anhaltenden Drohungen, Angriffe und Einschüchterungen gegen ihn sind inakzeptabel und dürfen nicht weiter ignoriert werden. Schweigen, Untätigkeit oder unzureichender Schutz vertiefen nur das Klima der Angst, dem Journalist*innen in Mexiko ausgesetzt sind.
Hintergrundinformation
Alberto Amaro trat in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters, die beide Journalisten waren, und gründete 2018 die digital erscheinende Zeitung La Prensa de Tlaxcala. Doch schon ein Jahr nach der Gründung erhielt er Drohungen im Zusammenhang mit seinen Recherchen zu Lokalpolitik, Kriminalität und Korruption.
Tlaxcala, der kleinste Bundesstaat Mexikos, ist eine wichtige Drehscheibe für Menschenhandel und sexualisierte Versklavung. Der Bundesstaat ist die Heimat mächtiger krimineller Netzwerke, die neben anderen illegalen Aktivitäten Mädchen und junge Frauen durch Mexiko und die USA schleusen.
Alberto Amaro berichtete, dass er seit 2019 von Polizist*innen angegriffen, bedroht und festgenommen sowie von Mitgliedern der organisierten Kriminalität eingeschüchtert wurde. Man hat ihn, seine Frau und seine Kinder fotografiert, seine Website gehackt und seinen Ruf mittels Facebook-Posts geschädigt, in denen man ihn beschuldigte, ein Krimineller zu sein. Während Autofahrten haben Angreifer*innen versucht, ihm den Weg zu versperren und ihn von der Straße zu drängen, und ein Mann auf einem Motorrad hat auf ihn geschossen. Eindringlinge haben versucht, in sein Haus einzubrechen, haben Schüsse auf sein Grundstück abgegeben und einen seiner Hunde vergiftet.
Der Bericht "Nobody Guarantees My Safety" von Amnesty International und dem Komitee zum Schutz von Journalist*innen (Committee to Protect Journalists – CPJ) dokumentiert die schwerwiegenden Defizite und strukturellen Mängel des mexikanischen Bundesschutzmechanismus für Journalist*innen. Der Bericht hebt hervor, dass mehrere Journalist*innen angegriffen und sogar getötet wurden, während sie unter staatlichem Schutz standen, was zeigt, dass die bestehenden Maßnahmen oft unzureichend sind, schlecht umgesetzt oder nicht ordnungsgemäß überwacht werden. In diesem Zusammenhang müssen die Bedenken von Alberto Amaro Jordán hinsichtlich der Mängel im ihm zur Verfügung gestellten Schutzsystem sowohl von den Bundes- als auch von den bundesstaatlichen Behörden mit größter Genauigkeit und Dringlichkeit behandelt werden. Das Muster der Verfolgung von Alberto Amaro ist dokumentiert. 2024 startete Amnesty International deswegen eine Urgent Action, die später im selben Jahr beendet werden konnte. Die extremen Risiken, denen Alberto Amaro ausgesetzt war, zwangen ihn schließlich, von September 2024 bis September 2025 über das Schutzprogramm für Menschenrechtsverteidiger*innen von Amnesty International in Spanien Zuflucht zu suchen.
Die Berichte von Article 19 Mexico and Central America, einer Organisation, die sich auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und den Schutz von Journalist*innen spezialisiert hat, dokumentieren Muster von Gewalt, Überwachung, Belästigung und Einschüchterung von Pressevertreter*innen sowie das Versagen der Behörden, wirksamen Schutz zu bieten. Diese Ergebnisse verstärken die Besorgnis über die Unzulänglichkeiten des Bundesschutzmechanismus in Mexiko. Mexiko ist auch im 21. Jahrhundert weltweit eines der Länder mit den meisten Todesopfern unter Journalist*innen. Das CPJ hat seit 2012 insgesamt 88 Morde an Journalist*en und anderen Medienschaffenden in Mexiko registriert und festgestellt, dass 37 von ihnen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet wurden. Die gefährlichsten Bundesstaaten in diesem Zeitraum waren Veracruz (21 Morde), Guerrero (10), Oaxaca (9) und Sonora (7). Das CPJ unterscheidet zwischen Morden, die nachweislich in direktem Zusammenhang mit der Arbeit des Opfers stehen, und Morden, bei denen das Motiv noch unklar ist.