Fotograf verschleppt
Zaid Mohammed Abid al-Khafaji, Fotograf, Irak
© privat
Am 6. Dezember zerrten vier Männer in Zivil den irakischen Fotografen Zaid Mohammed Abid al-Khafaji vor seiner Haustür in Bagdad in ein Fahrzeug und fuhren mit ihm davon. Seine Familie hat die Entführung bei den lokalen Behörden angezeigt. Dort wurde den Angehörigen versichert, dass Untersuchungen aufgenommen würden.
Wo ist der Fotograf Zaid Abid al-Khafaji?
Appell an
Innenminister
Dr. Yassin Taher al-Yassiri
Minister of Interior
Al-Kailan neighbourhood behind Al-Shaab Stadium
Baghdad, IRAK
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Irak
S.E. Herr Dhia Hadi Mahmoud Al-Dabbass
Pacelliallee 19 - 21, 14195 Berlin
Fax: 030-8148 8222
E-Mail: beremb1@mofa.gov.iq
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie höflich auf, alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um Zaid Mohammed Abid al-Khafaji zu finden und die sichere Rückkehr zu seiner Familie zu gewährleisten. Bitte untersuchen Sie seine Entführung umgehend, so wie es die internationalen Menschenrechtsnormen verlangen, denen der Irak verpflichtet ist.
- Ich bitte Sie darüberhinaus, seine Familie regelmäßig und zügig über die Entwicklungen der Untersuchungen zu informieren.
Sachlage
Am 6. Dezember kurz nach 4 Uhr morgens überfielen vier Männer den Fotografen Zaid Mohammed Abid al-Khafaji auf der Türschwelle seines Hauses in Bagdad. Sie zerrten ihn in ein Fahrzeug mit Vierradantrieb und verschleppten ihn. Die vier unmaskierten Männer in Zivil wurden von Überwachungskameras vor Zaid Abids Haus erfasst. Die lokalen Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet, es ist aber bislang nicht bekannt, wo er sich befindet.
Zaid Mohammed Abid al-Khafaji war bis zu seiner Entführung täglich auf den Tahrir-Platz in Bagdad, um die Massenproteste zu fotografieren, die am 1. Oktober ausbrachen. Ein Freund setzte ihn danach jeden Abend bzw. am frühen Morgen wieder zuhause in seinem Viertel al-Qahera ab. Nach Kenntnis seiner Familie ist Zaid Abid im Vorfeld der Entführung nicht bedroht worden.
Seit dem Beginn der Massenproteste im Irak werden immer wieder Journalist_innen und Aktivist_innen ins Visier genommen und bedroht. Bislang haben die Behörden keine unabhängigen und unparteiischen Ermittlungen der Menschenrechtsverstöße gegen Aktivist_innen, Journalist_innen und andere Protestierende eingeleitet. Im Gegenteil, es gibt Belege dafür, dass die Sicherheitskräfte an den Aktivitäten beteiligt sind, mit denen Protestierende, Aktivist_innen und Journalist_innen im Irak eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht werden sollen.
Hintergrundinformation
Vor dem Hintergrund hoher Arbeitslosenzahlen und weitverbreiteter Korruptionsvorwürfe brachen Anfang Oktober im Irak Massenproteste aus, die immer noch andauern. Seit Beginn der Proteste, bei denen eine Grundversorgung der Bevölkerung und ein Ende der Korruption gefordert werden, gehen die Sicherheitskräfte mit rechtswidriger und exzessiver Gewalt, darunter Tränengas, scharfe Munition und Scharfschützen, gegen Protestierende vor. Zudem sind Aktivist_innen, Rechtsanwält_innen und Journalist_innen von Sicherheitskräften geschlagen und festgenommen worden bzw. wurden Opfer des Verschwindenlassens. Seit Oktober wurden bereits 400 Todesfälle und mehr als 18.000 Verletzte registriert. Amnesty International hat seit Beginn der Proteste außerdem mehrere Entführungen und Fälle von Verschwindenlassen dokumentiert.
In einem dieser Fälle berichteten Angehörige von Ali Jaseb al-Hattab – der 29-jährige Anwalt vertritt inhaftierte Protestteilnehmer_innen – er sei am Abend des 8. Oktober von mutmaßlichen Angehörigen einer Untergruppe der Milizengruppen Popular Mobilization Units (PMU) verschleppt worden. Zwei Tage zuvor waren bewaffnete PMU-Mitglieder bei ihm zu Hause erschienen und hatten ihn aufgefordert, sich nicht mehr zur Tötung von Protestierenden zu äußern. Bis heute ist nichts über das Schicksal und den Verbleib von Ali Jaseb al-Hattab bekannt.
Amnesty International hat nicht nur in Bagdad, sondern auch in anderen Städten Fälle dokumentiert, z.B. in Basra, in denen Sicherheitskräfte Protestierende verfolgt und festgenommen haben. Die Protestierenden wurden geschlagen und mehrere Stunden lang festgehalten, ohne dass man ihnen einen Grund dafür nannte. Dann zwang man sie, Erklärungen zu unterzeichnen, nicht mehr an den Protesten teilzunehmen, ansonsten würden sie inhaftiert.