China: tibetischer Religionsführer verschwunden
Der Buddhist Choktrul Dorje Ten Rinpoche ist ein bekannter religiöser Führer aus Tibet (undatiertes Foto).
© Anonymous
Choktrul Dorje Ten Rinpoche, ein tibetischer Religionsführer, wird seit Dezember 2025 vermisst, als er Berichten zufolge von den Behörden in der chinesischen Provinz Qinghai in Gewahrsam genommen wurde. Seitdem gibt es kaum Informationen über sein Schicksal oder seinen Verbleib. Die Behörden müssen sofort seinen Aufenthaltsort bekannt geben, den Schutz seiner Rechte sicherstellen und ihn freilassen, es sei denn, es liegen ausreichend glaubwürdige Beweise für eine erkennbare Straftat vor.
Setzt euch für Choktrul Dorje Ten Rinpoche ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Sekretär der Kommunistischen Partei Chinas
Secretary Wu XiaojunQinghai Provincial Committee of the Chinese Communist Party
No. 12 Xida Street
Xining
Qinghai Province, 81000
VOLKSREPUBLIK CHINA
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn Hongbo Deng
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie daher dringend auf, den Aufenthaltsort von Choktrul Dorje Ten Rinpoche bekannt zu geben und ihn unverzüglich aus der Haft zu entlassen, es sei denn, es liegen belastbare Beweise dafür vor, dass er eine international anerkannte Straftat begangen hat.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass er bis zu seiner Freilassung vor Folter oder anderer Misshandlung geschützt ist und umgehend regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand seiner Wahl erhält.
- Beenden Sie die Einschüchterungen und Einschränkungen seiner Familie, seiner Angehörigen und anderer Personen, die Informationen zu seinem Fall suchen.
Sachlage
Es herrscht große Sorge über das Schicksal und den Verbleib von Choktrul Dorje Ten Rinpoche (von den Behörden in Mandarin als多杰旦仁波切 bezeichnet), einem tibetischen Religionsführer und Gründer eines Klosters und einer Berufsschule in Chikdril (Jiuzhi 久治), Landkreis Golog (Guoluo 果洛), in der Autonomen Region Tibet in Provinz Qinghai.
Berichten zufolge wurde Choktrul Dorje Ten Rinpoche am oder um den 4. Dezember 2025 von den Behörden in Gewahrsam genommen. Seitdem gibt es kaum Informationen darüber, wo er festgehalten wird und auf welcher Rechtsgrundlage. Im Januar 2026 erhielten Personen, die den Fall verfolgen, den Hinweis, dass gegen ihn "ermittelt" werde. Es ist nicht klar, ob er Zugang zu einem Rechtsbeistand seiner Wahl hat.
Es ist sehr beunruhigend, dass Monate nach den ersten Berichten über die Inhaftierung von Choktrul Dorje Ten Rinpoche sein Aufenthaltsort und sein rechtlicher Status weiterhin nicht bekannt sind. Haft ohne Kontakt zur Außenwelt birgt für die Betroffenen ein erhöhtes Risiko von Folter und anderen Misshandlungen und steht im Widerspruch zu den Verpflichtungen Chinas nach den internationalen Menschenrechtsnormen.
Auch ist alarmierend, dass Personen, die über den Fall Bescheid wissen, von den örtlichen Behörden gewarnt worden sein sollen, keine Informationen über den Fall weiterzugeben. Dies heißt, dass von offizieller Seite versucht wird, Informationen zu kontrollieren und externe Berichterstattung durch Einschüchterung und andere Taktiken zu unterbinden – ein Trend, den Amnesty International bedauerlicherweise in ganz China dokumentiert hat.
Hintergrundinformation
Choktrul Dorje Ten Rinpoche ist aus dem Landkreis Chikdril (Jiuzhi) in der Autonomen Region Tibet Golog in der Provinz Qinghai. Er wurde 1967 geboren, ist als reinkarnierter Lama (Rinpoche) anerkannt und spielt seit langem eine wichtige Rolle im örtlichen religiösen und gesellschaftlichen Leben. Er gründete und leitete ein Kloster in der Gemeinde Mentang und richtete um 2010 eine Berufsschule ein, die Unterricht in tibetischer Sprache und Kultur sowie Berufsausbildungen anbietet.
Die Schule bot sowohl allgemeine Fächer als auch spezielle Ausbildungen an, darunter tibetische Sprache, traditionelle Künste, Medizin und kulturelle Praktiken. So entwickelte sie sich zu einer der größten Berufsschulen ihrer Art in der Region, die zeitweise über 800 Schüler*innen aufnahm und insgesamt mehrere Tausend Absolvent*innen zählte, von denen viele anschließend eine Stelle an einer Hochschule oder in der Arbeitswelt fanden. Die Arbeit der Schule war den lokalen Behörden bekannt und wurde von ihnen unterstützt. So fanden, wie aus staatlichen Medienberichten hervorgeht, auch Kontrollbesuche statt und in mindestens einem Fall erhielt die Schule finanzielle Unterstützung durch ein Projekt zum kulturellen Erbe, das von einer Bank und einer staatlichen Entwicklungsstiftung unterstützt wurde. Erst Anfang November 2025 führten örtliche Behörden noch Inspektionen in der Schule durch, was darauf hinweist, dass sie kurz vor der Inhaftierung von Choktrul Dorje Ten Rinpoche noch in Betrieb war. Berichten zufolge wurde die Schule nach seinem Verschwinden geschlossen, und die Schüler*innen nach Hause geschickt.
Neben seiner Arbeit in Religion und Bildung engagierte sich Choktrul Dorje Ten Rinpoche auch in lokalen öffentlichen Gremien, zum Beispiel im politischen Beratungssystem auf Kreisebene und in Aufgaben rund um den örtlichen Volkskongress. Er unterstützte auch Menschen vor Ort, u. a. durch geschäftliche Aktivitäten, und galt weithin als Persönlichkeit, der bedürftigen Familien finanzielle und soziale Unterstützung zukommen ließ.
Seit seiner mutmaßlichen Inhaftierung im Dezember 2025 sind die einzigen Informationen zu Choktrul Dorje Ten Rinpoche mündliche Kommentare, dass gegen ihn "ermittelt" wird. In China wird diese Begrifflichkeit häufig für eine Inhaftierung in der strafrechtlichen Ermittlungsphase verwendet – bevor die Staatsanwaltschaft die strafrechtliche Inhaftierung genehmigt oder Anklage erhebt. Amnesty hat Dutzende von Fällen dokumentiert, in denen Menschenrechtsverteidiger*innen und andere Personen in China für längere Zeit in Haft ohne Kontakt zur Außenwelt gehalten werden, während gegen sie "ermittelt" wird, ohne dass sie offiziell angeklagt werden oder Zugang zu einem Rechtsbeistand haben.
Der Zugang zu Informationen aus den von Tibeter*innen bewohnten Gebieten ist nach wie vor stark eingeschränkt, insbesondere für Journalist*innen und Menschenrechtsorganisationen, so dass es schwierig ist, Fälle von Inhaftierung und Verschwindenlassen unabhängig zu überprüfen. Im Laufe der Jahre hat Amnesty International eine Reihe von Fällen dokumentiert, wie die des tibetischen Religionsführers Tenzin Delek Rinpoche, des Mönchs Rinchen Tsultrim und des Aktivisten für das Recht auf die eigene Sprache, Tashi Wangchuk, bei denen der Zugang zu einem Rechtsbeistand eingeschränkt wurde, es an Transparenz mangelte und andere Bedenken hinsichtlich eines fairen Verfahrens bestanden.