China: Höchststrafe gegen Künstler

Porträtbild von Gao Zhen, in schwarz-weiß

Der chinesische Künstler Gao Zhen wurde im August wegen seiner Kunst zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wird "Beleidigung von Chinas Helden und Märtyrern" vorgeworfen, und sein Strafmaß ist die Höchststrafe. Er ist bei schlechter Gesundheit. Seine Frau und sein Sohn dürfen faktisch nicht aus China ausreisen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Liu,

mit großer Sorge um Gao Zhen  (高兟) und seine Familie wende ich mich heute an Sie. Der chinesische Künstler wurde im August wegen seiner Kunst zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wird "Beleidigung von Chinas Helden und Märtyrern" vorgeworfen. Sein Strafmaß ist die Höchststrafe. Er wurde nur deshalb verurteilt, weil er sich friedlich künstlerisch betätigt hat. Er ist bei schlechter Gesundheit. Seine Frau und sein Sohn dürfen faktisch nicht aus China ausreisen. 

Bitte lassen Sie Gao Zhen sofort und bedingungslos frei.

Stellen Sie bis zu seiner Freilassung sicher, dass er uneingeschränkt mit seiner Familie kommunizieren darf, nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt wird, und angemessen und unabhängig medizinisch untersucht und behandelt wird.

Stellen Sie bitte die Schikane und die Drohungen gegen seine Familie ein und erlauben Sie ihnen, das Land frei und sicher zu verlassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Secretary Liu,

I am writing to express my deep concern about the continued deprivation of liberty of artist Gao Zhen (高兟), who on 25 August 2026 was convicted of "slandering China's heroes and martyrs" and sentenced to the maximum three-year prison term simply for his peaceful artistic expression. 

Gao Zhen's prosecution and conviction demonstrate how vague and politically motivated laws are being used to suppress and silence individuals whose views differ from official narratives. He has appealed the verdict, and the case has been transferred to the Langfang Intermediate People's Court.

It is also alarming to learn about Gao Zhen's deteriorating health in detention. According to recent information, the day after his sentencing he reportedly vomited blood several times and was taken to hospital for examination. Although the immediate symptoms have reportedly subsided, I am sure you agree that this underscores the urgency of ensuring that he receives appropriate medical care and is protected from any form of torture or ill-treatment, so as not to worsen the situation.

My distress further extends to Gao Zhen's family members. It has been reported that his wife and child, despite not being accused of any crime, have been subjected to harassment, intimidation and restrictions on their rights, including a de facto exit ban, since his initial detention. Such treatment is punitive and violates their rights to freedom of movement.

Within this context, I urge you to:

  • Immediately and unconditionally release Gao Zhen;
  • Pending his release, ensure that Gao’s right to communicate with his family is fully respected and protected, and he is not subject to torture or other ill-treatment, adequate and independent medical assessment and treatment;
  • Stop harassing and threatening his family and allow them to leave the country freely and safely; 

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 19.11.2026

Appell an

Liu Xiaopeng
Secretary of the Political and Legal Affairs Commission of the CPC Langfang Municipal Committee 
Building 9, Citizen Service Center, No. 58 Yunpeng Road
Guangyang District
Langfang City
Hebei Province 065000 
VOLKSREPUBLIK CHINA

Sende eine Kopie an

Botschaft der Volksrepublik China
S. E. Herr Hongbo Deng
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030 – 27 58 82 21
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com oder berlin@csm.mfa.gov.cn

Amnesty fordert:

  • Bitte lassen Sie Gao Zhen (高兟) sofort und bedingungslos frei.
  • Stellen Sie bis zu seiner Freilassung sicher, dass er uneingeschränkt mit seiner Familie kommunizieren darf, nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt wird, und angemessen und unabhängig medizinisch untersucht und behandelt wird.
  • Stellen Sie bitte die Schikane und die Drohungen gegen seine Familie ein und erlauben Sie ihnen, das Land frei und sicher zu verlassen.

Sachlage

Gao Zhen ist ein bekannter Vertreter der zeitgenössischen chinesischen Kunst und einer der beiden "Gao Brothers", einem bekannten Künstlerduo. Am 26. August 2024 wurde Gao Zhen festgenommen, als er sich mit seiner Frau und seinem Sohn in China aufhielt. Die Familie lebt normalerweise in den USA. Am 25. August 2026 wurde der Künstler wegen "Beleidigung von Chinas Helden und Märtyrern" zu der Höchststrafe von drei Jahren Haft verurteilt. Er wurde nur deshalb verurteilt, weil er sich friedlich künstlerisch betätigt hat.

Gao Zhens Gesundheitszustand verschlechtert sich immer mehr. Seine Frau und sein Sohn werden von den chinesischen Behörden drangsaliert, eingeschüchtert und in ihren Rechten eingeschränkt. Sie dürfen zum Beispiel seit der Festnahme von Gao Zhen das Land nicht verlassen. Dabei wird ihnen keine Straftat vorgeworfen. Gao Zhen hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt, und der Fall wurde an das Mittlere Volksgericht von Langfang verwiesen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Gao Zhen ist ein bekannter Vertreter der zeitgenössischen chinesischen Kunst und einer der beiden "Gao Brothers", einem bekannten Künstlerduo. Am 26. August 2024 wurde er festgenommen, als er sich mit seiner Frau und seinem Sohn in China aufhielt. Etwa 30 Polizist*innen stürmten sein Atelier in der Stadt Sanhe in der Provinz Hebei, fotografierten seine Kunstwerke, beschlagnahmten mehrere Skulpturen und versiegelten das Atelier.

Am 25. August 2026 verurteilte ihn das Volksgericht der Stadt Sanhe in der Provinz Hebei wegen "Beleidigung von Chinas Helden und Märtyrern" zu drei Jahren Gefängnis. Er muss bis zum 25. August 2027 im Gefängnis bleiben, da ihm die Zeit angerechnet wird, die er bereits im Gewahrsam verbracht hat. Gao Zhen hat sowohl gegen den Schuldspruch als auch gegen das Strafmaß Rechtsmittel eingelegt, und der Fall wurde an das Mittlere Volksgericht von Langfang verwiesen.

In seinem abschließenden Plädoyer vor Gericht argumentierte Gao Zhen, dass die Anklagen auf Kunstwerken beruhten, die zwischen 2005 und 2009 entstanden seien – Jahre bevor der ihm zur Last gelegte Straftatbestand in das Strafrecht aufgenommen wurde. Er stellte infrage, ob das Gesetz rückwirkend angewendet werden dürfe und verteidigte sein Schaffen als legitime künstlerische Betätigung. Er drückte das Bedürfnis aus, zu seiner Familie zurückzukehren, und erklärte, dass es sein größter Wunsch sei, wieder mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn vereint zu sein.

Der Gesundheitszustand von Gao Zhen gibt großen Anlass zur Sorge, seit er im Gewahrsam ist. Vor der Verkündung des Strafmaßes litt der 70-jährige Künstler verlässlichen Quellen zufolge an mehreren gesundheitlichen Beschwerden, z. B. an einer Erkrankung der Lendenwirbelsäule und Flüssigkeitsansammlungen in den Knien. Berichten zufolge brach er während seiner Haft mehrmals zusammen. Nach der Gerichtsverhandlung am 25. August 2026 soll Gao Zhen mehrfach Blut erbrochen haben und zur Untersuchung aus der Haftanstalt ins Krankenhaus gebracht worden sein. Die akuten Symptome klangen zwar später ab, doch die Ursache ist nach wie vor unbekannt. Dies wirft erneut die Frage auf, ob er in der Haft angemessen medizinisch versorgt wird.

Das Leben seiner Frau und seines Kindes ist ebenfalls massiv eingeschränkt. Die Frau von Gao Zhen darf unter dem Vorwand der "nationalen Sicherheit" das Land nicht verlassen, obwohl sie nicht unter Anklage steht. Ihr 8-jähriger Sohn, der die US-Staatsbürgerschaft besitzt, hat zwar das Recht, das Land zu verlassen, kann dies aber nicht umsetzen, ohne von seinen Eltern begleitet zu werden. Das de facto bestehende Ausreiseverbot hindert ihn bereits zwei Jahre lang am Besuch seiner Schule.

Seit den 1980er-Jahren beleuchten die "Gao Brothers" mit satirischem Humor die Gräueltaten der Kulturrevolution und loten dabei immer wieder die Grenzen der Kritik aus. In ihren Werken üben sie scharfe Kritik an der Kulturrevolution und dem damaligen chinesischen Machthaber Mao Zedong und legen das Ausmaß autoritärer Praktiken unter seinem Regime offen. Diese Themen sind im heutigen China nach wie vor äußerst heikel und mit einem Tabu belegt.