Bangladesch: Indigene weiterhin willkürlich in Haft

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Viele Menschen bei einem Protest, sie halten ein Banner: "Stop Persecution of the Bawm Women and Children"

In Dhaka, Bangladesch, protestieren Menschen gegen die Kriminalisierung von Frauen und Mädchen der indigenen Bawm (15. Mai 2025).

Mindestens 59 Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Bawm sind nach wie vor ohne Gerichtsverfahren in der Bergregion der Chittagong Hill Tracts im Südosten von Bangladesch inhaftiert. Ihnen wird von den Behörden in Bangladesch "Terrorismus" vorgeworfen, und sie werden verdächtigt, einer bewaffneten Gruppe nahezustehen, die im April 2024 zwei Banken ausgeraubt und einen Bankdirektor als Geisel genommen haben soll. Von den 142 Menschen, die im April 2024 festgenommen wurden, sind drei in der Haft gestorben. Alle, die sich noch in Haft befinden, sind in Gefahr. 80 Personen wurden gegen Kaution freigelassen. Die Behörden in Bangladesch müssen gegen die Inhaftierten entweder unverzüglich Anklage wegen einer international anerkannten Straftat erheben oder sie freilassen.

Setzt euch für die Freilassung der Bawm ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Professor Yunus,

heute wende ich mich an Sie wegen der immer noch willkürlich inhaftierten Angehörigen der Bawm. Mindestens 59 Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Bawm sind nach wie vor ohne Gerichtsverfahren in der Bergregion der Chittagong Hill Tracts im Südosten von Bangladesch inhaftiert. Ihnen wird von den Behörden in Bangladesch "Terrorismus" vorgeworfen, und sie werden verdächtigt, einer bewaffneten Gruppe nahezustehen, die im April 2024 zwei Banken ausgeraubt und einen Bankdirektor als Geisel genommen haben soll. Von den 142 Menschen, die im April 2024 festgenommen wurden, sind drei in der Haft gestorben. Alle, die sich noch in Haft befinden, sind in Gefahr. 80 Personen wurden gegen Kaution freigelassen. Die Behörden in Bangladesch müssen gegen die Inhaftierten entweder unverzüglich Anklage wegen einer international anerkannten Straftat erheben oder sie freilassen.

Sollten ausreichend zulässige Beweise vorliegen, sorgen Sie dafür, dass gegen die inhaftierten Menschen entweder unverzüglich Anklage wegen einer international anerkannten Straftat erhoben wird oder sie freigelassen werden.

Sorgen Sie bis zu deren Freilassung bitte dafür, dass alle willkürlich Inhaftierten Zugang zu angemessener rechtlicher Vertretung erhalten und Besuch von ihren Familienangehörigen empfangen dürfen, ohne dass diese befürchten müssen, ebenfalls festgenommen zu werden.

Beenden Sie bitte das scharfe Vorgehen gegen die indigene Gemeinschaft der Bawm.

Setzen Sie bitte alle Menschenrechtsbestimmungen aus dem Friedensabkommen für die Chittagong Hill Tracts um.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Chief Adviser Professor Muhammad Yunus,

Since 7 April 2024, 142 Indigenous Bawm people, including three children, have been arbitrarily arrested as part of an ongoing military operation in villages in the Chittagong Hill Tracts.

18 months later, 59 people, including three children, continue to be detained without trial. Three people have died in custody since 2024 amidst concerns of lack of adequate healthcare, while those still detained remain at serious risk. 

Following an alleged robbery of two banks and hostage-taking of a bank manager by armed group Kuki-Chin National Front (KNF) on April 2024, the authorities have targeted large numbers of Bawm people as part of their criminal investigation. The arrested have been accused of sedition under Section 15 of the draconian Special Powers Act, and for several other offences under the Penal Code, such as robbery and kidnapping, without using available evidence to establish individual criminal responsibility for the robbery. The authorities appear to be targeting large numbers of Indigenous People indiscriminately, which may amount to racial discrimination.

Amnesty International is concerned that the 59 Indigenous Bawm people are being detained arbitrarily and subjected to unfair criminal proceedings and racial discrimination by the state authorities. There are around 11,000 Bawm people in Bangladesh and most of them are currently living in fear of arrests, food insecurity and lack of access to education and employment. 

Therefore, I urge you to:

  • If sufficient admissible evidence exists, either promptly charge individuals with an internationally recognizable criminal offence or release them;
  • Provide adequate legal representation and access to adequate healthcare for all those detained and allow their relatives to visit them without fear of being arrested in the process;
  • End the crackdown against the Bawm community;
  • Fully implement all human rights provisions of the Chittagong Hill Tracts (CHT) Peace Accord.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 30.06.2026

Appell an

Chief Adviser Muhammad Yunus
Government of the People’s Republic of Bangladesh
Old Sangsad Bhaban Tejgaon
Dhaka-1215
BANGLADESCH

Sende eine Kopie an

Botschaft der Volksrepublik Bangladesch
S. E. Herr Muhammad Zulqar Nain
Kaiserin-Augusta-Allee 111
10553 Berlin
Fax: 030–39 89 75 10
E-Mail: info.berlin@mofa.gov.bd


 

Amnesty fordert:

  • Sollten ausreichend zulässige Beweise vorliegen, sorgen Sie dafür, dass gegen die inhaftierten Menschen entweder unverzüglich Anklage wegen einer international anerkannten Straftat erhoben wird oder sie freigelassen werden.
  • Sorgen Sie bis zu deren Freilassung bitte dafür, dass alle willkürlich Inhaftierten Zugang zu angemessener rechtlicher Vertretung erhalten und Besuch von ihren Familienangehörigen empfangen dürfen, ohne dass diese befürchten müssen, ebenfalls festgenommen zu werden.
  • Beenden Sie bitte das scharfe Vorgehen gegen die indigene Gemeinschaft der Bawm.
  • Setzen Sie bitte alle Menschenrechtsbestimmungen aus dem Friedensabkommen für die Chittagong Hill Tracts um.

Sachlage

Seit dem 7. April 2024 wurden im Rahmen eines Militäreinsatzes in Dörfern der Chittagong Hill Tracts 142 Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Bawm willkürlich festgenommen und inhaftiert, darunter auch drei Kinder. 

18 Monate später befinden sich 50 Menschen, darunter 3 Kindern, noch immer ohne Gerichtsverfahren in Haft. Drei Menschen sind gestorben. Möglicherweise wurden sie in der Haft nicht ausreichend medizinisch versorgt. Alle, die sich noch in Haft befinden, sind gefährdet.

Nach einem mutmaßlichen Raubüberfall auf zwei Banken und der Geiselnahme eines Bankdirektors durch die bewaffnete Gruppe Kuki-Chin National Front (KNF) im April 2024 haben die Behörden im Rahmen ihrer strafrechtlichen Ermittlungen eine große Anzahl von Angehörigen der indigenen Gemeinschaft der Bawm ins Visier genommen. Die festgenommenen Menschen werden gemäß Abschnitt 13 des drakonischen Sicherheitsgesetzes (Special Powers Act) der Aufwiegelung beschuldigt. Zudem wird ihnen u. a. Raubüberfall und Entführung vorgeworfen. Vorhandenes Beweismaterial mit dem die individuelle strafrechtliche Verantwortung für den Raubüberfall möglicherweise geklärt werden könnte, wurde nicht untersucht. Die Behörden scheinen wahllos und in großer Zahl gegen Menschen aus indigenen Gemeinschaften vorzugehen, was den Tatbestand der rassistischen Diskriminierung erfüllen könnte.

Amnesty International ist besorgt angesichts der willkürlichen Inhaftierung von 59 Angehörigen der indigenen Bawm, die von den staatlichen Behörden unfairen Strafverfahren und rassistischer Diskriminierung ausgesetzt werden. In Bangladesch leben etwa 11.000 Bawm, und die meisten von ihnen müssen derzeit befürchten, festgenommen zu werden, nicht genügend zu essen zu haben und keinen Zugang zu Bildung und Beschäftigung zu erhalten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Indigene Gemeinschaften in Bangladesch werden seit jeher verfolgt und sozioökonomisch und politisch diskriminiert. Vor mehr als 25 Jahren unterzeichneten die Regierung und die Organisation Parbatya Chattagram Jana Samhati Samiti ein Friedensabkommen für die Chittagong Hill Tracts. Die Parbatya Chattagram Jana Samhati Samiti war gegründet worden, um die Interessen der indigenen Bevölkerungsgruppen in der Region zu vertreten. Mit dem Friedensabkommen sollte der Konflikt beendet und die systematische Ungleichbehandlung in der Region beseitigt werden. Dennoch ist die Lage aktuell derart eskaliert, dass Menschen aus ihren Dörfern fliehen mussten.

Viele der inhaftierten Bawm haben noch immer keinen Rechtsbeistand, wodurch ihre Chancen auf eine Freilassung immer ungewisser werden. Aufgrund großer finanzieller Not konnten sich die meisten Familien keinen Rechtsbeistand leisten und haben noch nicht einmal eine Kaution beantragt.

Nach dem Tod des Häftlings Lal Tleng im Mai 2025 in der Haft veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Chittagong Hill Tracts Commission eine Erklärung, in der sie ein Ende der systematischen Verfolgung der Bawm-Gemeinschaft forderte.

Die Organisation hat auch auf den Fall von Lian Thang Pui Bawm hingewiesen, der sich weiterhin in schlechter gesundheitlicher Verfassung im Gefängnis befindet. Berichten zufolge soll er schon im Oktober 2025 eine Bluttransfusion benötigt haben. Obwohl ihm das Hohe Gericht zunächst eine Freilassung auf Kaution gewährt hatte, wurde seine Freilassung durch eine Aussetzungsanordnung der zuständigen Kammer blockiert. Sein Fall liegt nun bei der Berufungskammer, aber es ist schwierig geworden, einen Verhandlungstermin zu bekommen.

Es gibt noch viele weitere Fälle wie den von Lian Thang Pui, die ausgesetzt und vor der Berufungskammer anhängig sind. Außerdem gibt es Berichte, denen zufolge Rechtsbeistände große Geldsummen von Angehörigen der Opfer angenommen haben, ohne jedoch eine Kaution für ihre Mandant*innen zu erwirken. Dies hatte zur Folge, dass die Gemeinschaft der Bawm hoch verschuldet ist und viele gezwungen sind, Land und Eigentum zu verkaufen. Einst war es für diese Gemeinschaft undenkbar, sich an die Gerichte zu wenden, doch nun sind sie gezwungen, alles, was sie haben, für die Suche nach Gerechtigkeit einzusetzen – eine tragische Folge von systemischer Ungerechtigkeit und Ausbeutung.

Der Militäreinsatz betrifft fünf Dörfer in den Unterbezirken Ruma, Bandarban und Rowangchari der Chittagong Hill Tracts: Bethel, Pankhyang, Suanlu, Faruk, Eden und Darjeeling.