Äthiopien: Erneut Journalist entführt
Diese Urgent Action ist beendet.
Der Journalist Million Beyene ist seit dem 28. April wieder in Freiheit. Er war am 15. April von unbekannten Personen in Zivilkleidung entführt worden. Die Entführung hing sehr wahrscheinlich mit seiner Arbeit als Journalist zusammen.
Der äthiopische Journalist Million Beyene (undatiertes Foto)
© Privat
+++ Update 28. April 2026: Wir haben die sehr schöne Nachricht, dass Million Beyene heute freigelassen wurde. +++
Am 15. April entführten unbekannte Personen in Zivil Million Beyene. Es wird vermutet, dass der Journalist und Chefredakteur des unabhängigen Nachrichtenportals Addis Standard in einer inoffiziellen Hafteinrichtung festgehalten wird. Die Entführung hängt sehr wahrscheinlich mit seiner Arbeit als Journalist zusammen. Er muss sofort freigelassen werden!
Setzt euch für Million Beyene ein!
Appell an
Prime Minister of the Federal Republic of Ethiopia
Abiy Ahmed Ali
c/o Botschaft der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien
Boothstraße 20A
12207 Berlin
Sende eine Kopie an
Prime Minister of the Federal Republic of Ethiopia
Abiy Ahmed Ali (keine Briefzustellung nach Äthiopien möglich)
X: @AbiyAhmedAli
Fax (00 251) 111 226 292
E-Mail: info@pmo.gov.et
Kopie an:
Botschaft der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien
S. E. Herrn Eskindir Yirga Asfaw
Boothstraße 20A
12207 Berlin
Fax: 030 – 772 06 26
E-Mail: berlin.embassy@mfa.gov.et oder info.berlin@mfa.gov.et
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, dafür zu sorgen, dass die äthiopischen Behörden eine wirksame, unabhängige, gründliche und transparente Untersuchung der Entführung von Million Beyene durchführen. Sollte er sich im Gewahrsam der äthiopischen Behörden befinden, fordere ich, dass sein Aufenthaltsort unverzüglich bekannt gegeben wird, er sofort und bedingungslos freigelassen wird und die Täter*innen zur Rechenschaft gezogen werden.
- Bitte achten und schützen Sie das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Sachlage
Million Beyene ist Journalist und Chefredakteur des bekannten unabhängigen Nachrichtenportals Addis Standard. Am 15. April entführten ihn drei unbekannte Männer in Zivil aus der Redaktion des Addis Standard in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Die drei gaben sich nicht zu erkennen und erklärten weder, warum sie Million Beyene mitnahmen, noch wohin sie ihn bringen wollten. Am Abend der Entführung war sein Mobiltelefon gegen 22 Uhr kurzzeitig erreichbar, danach nicht mehr. Das vergrößerte die Sorgen seiner Angehörigen um seine Sicherheit noch zusätzlich.
Zwar wurde keine offizielle Erklärung darüber abgegeben, wer ihn festhält und wo er sich aufhält, doch er könnte wegen seiner Arbeit als Journalist ins Visier geraten sein. Es wird vermutet, dass er ohne Anklage in einer nicht genannten, inoffiziellen Hafteinrichtung festgehalten wird, wo er keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand oder zu seiner Familie hat.
Am 24. Februar, zwei Monate vor dem Verschwindenlassen von Million Beyene, entzog die äthiopische Medienbehörde (EMA) dem Addis Standard die Online-Medienlizenz. Die EMA warf dem Portal vor, wiederholt gegen nationale Gesetze verstoßen und die Staatssicherheit untergraben zu haben. In einer Erklärung teilte die EMA mit, das Portal wiederholt verwarnt und aufgefordert zu haben, sein Verhalten zu ändern. Addis Standard sei diesen Aufforderungen nicht nachgekommen. Unter Verweis auf Bestimmungen der Medienproklamation erklärte die EMA, dass das Online-Registrierungszertifikat von Addis Standard daraufhin annulliert worden sei.
Addis Standard akzeptiert die Entscheidung der EMA nicht und kündigte an, die Rücknahme seiner Medienlizenz vor Gericht anzufechten. Das Nachrichtenportal erklärte, die Redaktion habe keine formellen Mitteilungen über angebliche Verstöße erhalten – damit wäre die gesetzliche Vorschrift, vor der Rücknahme einer Medienlizenz eine Warnung auszusprechen, nicht eingehalten worden. Addis Standard führte auch weitere rechtliche Mängel im Vorgehen der EMA an.
Dieses Vorgehen der äthiopischen Behörden ist leider kein Einzelfall. In den letzten Monaten wurden weitere Journalist*innen von maskierten und nicht identifizierbaren Personen entführt. Die Entführungen stellen einen klaren Verstoß gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit dar. Diese sind sowohl durch regionale als auch durch internationale Menschenrechtsabkommen geschützt, denen Äthiopien beigetreten ist.
Hintergrundinformation
Verstöße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung, einschließlich der Pressefreiheit, sowie Angriffe auf Journalist*innen haben in Äthiopien in den letzten Jahren zugenommen. Im Januar 2026 entzog die äthiopische Medienbehörde (EMA) dem Nachrichtenportal Wazema Radio die Lizenz, weil seine Berichterstattung den nationalen Interessen des Landes zuwiderlaufen soll. Im Februar 2026 verweigerte die EMA drei in Addis Abeba ansässigen Reuters-Journalist*innen die Verlängerung ihrer Akkreditierung.
Außerdem werden in Äthiopien seit langem – und insbesondere in Zeiten politischer Spannungen – immer wieder Journalist*innen entführt, in der Regel von maskierten Sicherheitskräften in Zivil. Sie werden ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und ihnen wird der Zugang zu Rechtsbeiständen oder Angehörigen verweigert.