Ägypten: Inhaftierter Aktivist braucht medizinische Versorgung
Der ägyptische Aktivist Mohamed Adel (Archivbild)
© privat
Mohamed Adel, der ehemalige Sprecher der Jugendbewegung des 6. April, ist seit mehr als acht Jahren allein wegen der Wahrnehmung seiner Menschenrechte willkürlich inhaftiert. Die körperliche und psychische Gesundheit des politischen Aktivisten hat sich durch die anhaltende willkürliche Inhaftierung erheblich verschlechtert. Trotzdem wird ihm eine angemessene medizinische Versorgung verweigert. Außerdem hat er keinen Zugang zu Sonnenlicht. Bei einem Besuch seiner Familie am 6. Juli 2026 äußerte er Suizidgedanken und die Absicht, unbefristet in den Hungerstreik zu treten.
Bitte setzt euch für Mohamed Adel ein!
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Appell an
Mohamed Shawky Ayyad
Public Prosecutor
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
Cairo
ÄGYPTEN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
S.E. Herrn Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de oder secretariat@egyptian-embassy.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, Mohamed Adel unverzüglich und bedingungslos freizulassen und alle Anklagen gegen ihn fallen zu lassen, da er nur deshalb inhaftiert ist, weil er von seinen Menschenrechten Gebrauch gemacht hat.
- Bis zu seiner Freilassung ist sicherzustellen, dass er unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen, und dass ihm angemessener Zugang zu seiner Familie, seinen Rechtsbeiständen und medizinischem Fachpersonal gewährt wird, das die Versorgung im Einklang mit der Medizinethik gewährleistet, einschließlich der Grundsätze der Vertraulichkeit, der Autonomie und der Einwilligung nach Aufklärung.
Sachlage
Mohamed Adel, ein bekannter politischer Aktivist und ehemaliger Sprecher der Jugendbewegung des 6. April, ist nach wie vor willkürlich inhaftiert. Am 19. Juni 2026 waren es acht Jahre, die er bis dahin in Haft verbracht hat, und das allein wegen der Wahrnehmung seiner Menschenrechte. Im September 2023 verurteilte ein Strafgericht in Aga im Gouvernement Dakahlia ihn wegen haltloser Vorwürfe wie dem "Beitritt zu einer rechtswidrigen Gruppe" zu vier Jahren Gefängnis. Die Gefängnisbehörden teilten ihm jedoch mit, dass die fünf Jahre, die er bereits in Untersuchungshaft verbracht hatte, nicht auf die Haftstrafe angerechnet würde, die erst am Tag des Urteilsspruchs beginnen würde. Damit wurde sein voraussichtliches Entlassungsdatum auf den 2. September 2027 hinausgezögert. Die Staatsanwaltschaft für Staatssicherheit (SSSP) ermittelt gegen ihn in weiteren Fällen aufgrund ähnlicher konstruierter Vorwürfe – eine Praxis, die gemeinhin als "Rotation" bezeichnet wird und darauf abzielt, Kritiker*innen auf unbestimmte Zeit in Haft zu halten.
Die Gefängnisbehörden verweigern ihm nach wie vor eine angemessene medizinische Versorgung, darunter auch eine fachärztliche Untersuchung der verschiedenen gesundheitlichen Probleme, die er seit seiner Inhaftierung entwickelt hat. Mohamed Adel leidet unter anhaltenden Brustschmerzen, einem ausgekugelten Schultergelenk, Muskelschwund in der Schulter, Schäden am Knieknorpel und am Kreuzband, Flüssigkeitsansammlungen im Knie, Magen-Darm-Problemen sowie einer starken Verfärbung seiner Nägel und Nagelbruch. Ihm wurde auch willkürlich das Recht zur Teilnahme an seinen Postgraduierten-Prüfungen verweigert.
Nach Angaben seiner Frau hat sich sein psychischer Zustand beträchtlich verschlechtert. Bei einem Besuch im Gefängnis am 6. Juli 2026 teilte Mohamed Adel ihr mit, dass er unbefristet in den Hungerstreik treten wolle, da er nicht mehr daran glaube, je freigelassen zu werden und davon ausgehe, bis zu seinem Tod inhaftiert zu bleiben. Außerdem äußerte er Suizidgedanken und den Wunsch, "schnell sterben" zu wollen. Sie konnte ihn lediglich dazu überreden, den Hungerstreik vorläufig zu verschieben.
Hintergrundinformation
Mohamed Adel wurde erstmals am 19. Dezember 2013 zusammen mit anderen Aktivist*innen wegen der Teilnahme an nicht genehmigten Protesten unter Verstoß gegen das drakonische Gesetz Nr. 107 von 2013 über Proteste festgenommen. Er wurde zu einer dreijährigen Haftstrafe mit anschließender dreijähriger polizeilicher Überwachung und einer Geldstrafe von 50.000 ägyptischen Pfund (knapp 900 Euro) verurteilt. Er wurde im Januar 2017 freigelassen und täglich von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Am 19. Juni 2018 wurde er erneut festgenommen, als er sich auf der Polizeistation Aga im Gouvernement Dakahlia meldete. Ihm wurde vorgeworfen, sich einer "illegalen Gruppe" angeschlossen und "falsche Nachrichten" verbreitet zu haben. Er wurde im Zusammenhang mit der Rechtssache Nr. 5606, Verwaltung Aga in der Stadt Mansoura, Gouvernement Dakahlia, in Haft genommen. Kurz darauf sah er sich in der Sache Nr. 4118 aus dem Jahr 2018 in Sherbin, Gouvernement Dakahlia, mit einer ähnlichen Anklage konfrontiert. Im Jahr 2020 lud die Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (SSSP) ihn vor und erhob in der Rechtssache Nr. 467 aus dem Jahr 2020 erneut ähnliche Vorwürfe gegen Mohamed Adel. Er verbrachte zwei Jahre und sieben Monate in Untersuchungshaft, bis für den 27. Januar 2021 seine Freilassung gegen eine Kaution von 10.000 ägyptischen Pfund (etwa 180 Euro) angeordnet wurde. Die Sicherheitskräfte weigerten sich jedoch, ihn freizulassen. Durch die missbräuchliche Praxis der "Rotation" war er ohne Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit inhaftiert, und zwar über die gesetzliche Zweijahresfrist für eine Untersuchungshaft hinaus. Er verbrachte weitere zwei Jahre und sieben Monate in Untersuchungshaft, bis er in der Rechtssache Nr. 2981 aus dem Jahr 2023 vor Gericht gestellt und am 2. September 2023 zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Nach seiner Festnahme im Juni 2018 wurde Mohamed Adel im Gefängnis von Mansoura im Gouvernement Dakahlia inhaftiert. Im Mai 2022 wurde er nach dem Abriss dieses Gefängnisses in das Hochsicherheitsgefängnis Gamassa, ebenfalls im Gouvernement Dakahlia, verlegt. Am 31. Dezember 2024 verlegte man ihn aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Gamassa, wo er nicht ausreichend Nahrung erhalten hatte, in den Trakt 4 des Gefängnisses in Al-Ashir min Ramadān.
Am 15. Januar 2026 reichten die Familie und die Rechtsbeistände von Mohamed Adel bei der Staatsanwaltschaft eine offizielle Beschwerde ein, in der sie um eine Untersuchung seiner Vorwürfe baten, er sei im Gefängnis angegriffen worden. Er hatte tags zuvor seiner Frau bei einem Gefängnisbesuch berichtet, dass andere Gefangene ihn geschlagen und versucht hätten, ihn zu erwürgen, und dass sie am 10. Januar drohten, ihn zu töten, nachdem er von Wärtern aus seiner Zelle geholt worden war, die danebenstanden und nicht eingriffen. Seine Frau bestätigte, blaue Flecken an seinem rechten Knie und Würgemale an seinem Hals gesehen zu haben. Nachdem die Familie öffentlich bekannt gegeben hatte, dass sie Beschwerde eingereicht habe, gab das Innenministerium am 15. Januar 2026 eine Stellungnahme ab und bestritt den Angriff auf Mohamed Adel. Am 19. Januar befragte der Generalstaatsanwalt bei der Berufungsstaatsanwaltschaft Mansoura die Frau und den Vater von Mohamed Adel zu der Beschwerde. Seit dem Übergriff verweigern die Gefängnisbehörden Mohamed Adel sein Recht auf tägliche Bewegung und erlauben ihm nur bei Familienbesuchen, die Zelle zu verlassen. Dadurch wird ihm jegliches Sonnenlicht verwehrt. Unterdessen gibt es keine Fortschritte bei der Untersuchung des Übergriffs. Obwohl die Staatsanwaltschaft Mohamed Adel am 27. Januar 2026 im Gefängnis befragt hat, liegen keine Informationen über den Stand der Ermittlungen vor. Sein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, seit er am 7. Dezember 2025 in den Hungerstreik getreten ist, um gegen die Weigerung der Behörden zu protestieren, ihn freizulassen, obwohl er seine Strafe verbüßt hat. Den Hungerstreik hat Mohamed Adel nach Angaben seiner Frau am 1. Februar 2026 beendet.
Im Gefängnis von Al-Ashir min Ramadān erlauben die Gefängnisbehörden seiner Familie, ihn einmal im Monat zu besuchen, wobei gelegentlich ausnahmsweise Besuche an nationalen oder religiösen Feiertagen gewährt werden. Die ägyptischen Behörden haben Mohamed Adel wiederholt den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung innerhalb des Gefängnisses und die Verlegung in Krankenhäuser außerhalb des Gefängnisses für Diagnosen und Behandlungen verweigert, die im Gefängnis nicht möglich sind. Seit seiner Festnahme im Jahr 2018 wurde er nur ein einziges Mal medizinisch untersucht, als die Behörden des Hochsicherheitsgefängnisses Gamassa ihn im August 2024 wegen mehrerer Beschwerden, darunter einen Kreuzbandriss und eine Flüssigkeitsansammlung im Knie, in das Allgemeine Krankenhaus von Mansoura verlegten. Einem ärztlichen Bericht zufolge, den er im Krankenhaus einsehen durfte, erfordert sein Zustand eine Operation des Kniegelenks, die jedoch abgelehnt wurde. Nach Angaben seiner Frau leidet er außerdem an Muskelschwund in der Schulter und einem ausgekugelten Schultergelenk. Darüber hinaus leidet er unter nicht diagnostizierten Brustschmerzen. Außerdem hat er eine dunkelbraune Verfärbung der Fingernägel und Nagelbrüche unbekannter Ursache entwickelt. Sein Gesundheitszustand hat sich zudem aufgrund seines Hungerstreiks, in dessen Verlauf er erheblich an Gewicht verloren hat, sehr verschlechtert.
In den Jahren 2024 und 2025 hinderten die Gefängnisbehörden Mohamed Adel daran, seine Postgraduierten-Prüfungen als außerordentlicher Student des öffentlichen Rechts an der Universität Mansoura abzulegen.
Am 6. April 2026 wurde der bekannte Aktivist Ahmed Douma festgenommen, als er vor der SSSP zur Befragung wegen eines am 25. März 2026 veröffentlichten Artikels über Haftbedingungen erschien. Am 3. Juni 2026 verurteilte ihn ein Strafgericht in Neu-Kairo wegen der Verbreitung "falscher Nachrichten" zu einem Jahr Gefängnis mit Zwangsarbeit – und das nur, weil er sein Recht auf freie Meinungsäußerung friedlich ausgeübt hatte.