Ägypten: Aktivist in Haft angegriffen

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Porträtbild von Mohamed Adel. Er lächelt in die Kamera, hat kurze schwarze Haare

Der ägyptische Aktivist Mohamed Adel (Archivbild)

Der ehemalige Sprecher der Jugendbewegung 6. April, Mohamed Adel, befindet sich seit dem 7. Dezember 2025 im Hungerstreik, um gegen seine willkürliche Inhaftierung zu protestieren. Er ist bereits seit Juni 2018 inhaftiert. Im September 2023 verurteilte ein Strafgericht den politischen Aktivisten unter anderem wegen "Beitritts zu einer illegalen Gruppe" zu vier Jahren Haft. Die Behörden weigern sich, ihn freizulassen, obwohl er bereits mehr als sieben Jahre im Gefängnis verbracht hat. Denn gegen ihn wird in verschiedenen weiteren Fällen wegen ähnlicher falscher Anschuldigungen ermittelt, die alle seine friedliche Ausübung der Menschenrechte betreffen. Nach Informationen von Amnesty International griffen ihn am 10. Januar 2026 einige Mitgefangene an und versuchten, ihn zu erwürgen, ohne dass die Gefängniswärter eingriffen. Mohamed Adel wird zudem nicht angemessen medizinisch versorgt.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

ich wende mich heute an Sie, weil ich in großer Sorge um Mohamed Adel bin, einen bekannten politischen Aktivisten und ehemaligen Sprecher der Jugendbewegung des 6. April. Er wurde im Juni 2018 im Zusammenhang mit der friedlichen Ausübung seiner Menschenrechte festgenommen und anschließend in mehreren Verfahren wegen Vorwürfen wie "Beitritt zu einer illegalen Gruppe" und Verbreitung "falscher Nachrichten" vor Gericht gestellt. Am 2. September 2023 verurteilte ihn ein Gericht zu vier Jahren Haft, weil er in Social-Media-Beiträgen "falsche Nachrichten" verbreitet haben soll. Später teilten ihm die Gefängnisbehörden mit, dass die Zeit, die er in der Untersuchungshaft verbracht hatte, nicht auf die Vollstreckung seiner Strafe angerechnet würde, die erst am Tag des Urteilsspruchs beginnen würde. Damit wurde sein voraussichtliches Entlassungsdatum auf den 2. September 2027 hinausgezögert. Am 10. Januar 2026 sollen einige Mitgefangene Mohamed Adel angegriffen und versucht haben, ihn zu erwürgen, ohne dass die Gefängniswärter eingriffen. Mohamed Adel wird zudem nicht angemessen medizinisch versorgt.

Ich bitte Sie hiermit, Mohamed Adel unverzüglich und bedingungslos freizulassen und alle Anklagen gegen ihn fallen zu lassen, da er nur deshalb inhaftiert ist, weil er von seinen Menschenrechten Gebrauch gemacht hat. 

Bis zu seiner Freilassung muss sichergestellt werden, dass er unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen, und dass ihm angemessener Zugang zu seiner Familie, seinen Rechtsbeiständen und qualifiziertem medizinischem Fachpersonal gewährt wird, das die medizinische Versorgung im Einklang mit der Medizinethik gewährleistet, einschließlich der Grundsätze der Vertraulichkeit, der Autonomie und der Einwilligung nach Aufklärung.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Counsellor,

I write to express my concern over the prolonged arbitrary detention of Mohamed Adel, a prominent political activist and former spokesperson of the April 6 Youth Movement. He was arrested in June 2018 in connection with the peaceful exercise of his human rights and subsequently prosecuted in multiple cases on similar charges, including "joining an unlawful group" and spreading "false news". On 2 September 2023, a court in Aga, Mansoura governorate, sentenced him to four years’ imprisonment for spreading "false news" on social media. The prison authorities later informed him that the time he had spent in pretrial detention would not be counted towards the implementation of his sentence, which would only commence from the day of the verdict, setting his expected release date as 2 September 2027.

On 15 January 2026, Mohamed Adel’s family and lawyers filed an official complaint with the Public Prosecutor requesting an investigation into his claims of being assaulted in prison. He told his wife, during a prison visit on 14 January 2026, that other prisoners beat him, attempted to strangle him by pressing on his neck and threatened to kill him on 10 January 2026 after he was removed from his cell by guards, who failed to intervene. His wife confirmed seeing bruises on his right knee and strangulation marks on his neck. After the family publicly announced having submitted the complaint, the Ministry of Interior issued a statement on 15 January 2026, denying his assault. On 19 January 2026, the Attorney General at the Mansoura Appeals Prosecution questioned his wife and his father in relation to the complaint. Since then, there has been no information on the progress of investigations. Mohamed Adel’s health has deteriorated since he started a hunger strike on 7 December 2025 in protest of the authorities’ refusal to release him, even though he served his sentence. Prison authorities have been denying him adequate healthcare including being examined by specialist doctors for the various health conditions he has developed since his imprisonment including a torn knee ligament, muscle atrophy in the shoulder and chest pains. Prison authorities are also preventing him from exercising outdoors and accessing any sunlight. On 10 February 2026, his wife was denied a prison visit without being provided with a reason and instructed to return on 14 February 2026.

I urge you to immediately and unconditionally release Mohamed Adel and drop all charges against him, as he is detained solely for exercising his human rights. Pending his release, ensure he is held in conditions meeting international standards and granted adequate access to his family, lawyers and qualified health professionals providing health care in compliance with medical ethics, including the principles of confidentiality, autonomy and informed consent.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 12.08.2026

Appell an

Generalstaatsanwalt
Mohamed Shawky Ayyad
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
Cairo
ÄGYPTEN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
S.E. Herrn Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin

Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de oder secretariat@egyptian-embassy.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie auf, Mohamed Adel unverzüglich und bedingungslos freizulassen und alle Anklagen gegen ihn fallen zu lassen, da er nur deshalb inhaftiert ist, weil er von seinen Menschenrechten Gebrauch gemacht hat.
  • Bis zu seiner Freilassung ist sicherzustellen, dass er unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen, und dass ihm angemessener Zugang zu seiner Familie, seinen Rechtsbeiständen und qualifiziertem medizinischem Fachpersonal gewährt wird, das die medizinische Versorgung im Einklang mit der Medizinethik gewährleistet, einschließlich der Grundsätze der Vertraulichkeit, der Autonomie und der Einwilligung nach Aufklärung.

Sachlage

Es besteht große Sorge über die anhaltende willkürliche Inhaftierung von Mohamed Adel, einem bekannten politischen Aktivisten und ehemaligen Sprecher der Jugendbewegung des 6. April. Er wurde im Juni 2018 im Zusammenhang mit der friedlichen Ausübung seiner Menschenrechte festgenommen und anschließend in mehreren Verfahren wegen Vorwürfen wie "Beitritt zu einer illegalen Gruppe" und Verbreitung "falscher Nachrichten" vor Gericht gestellt. Am 2. September 2023 verurteilte ihn ein Gericht in Aga nahe der Stadt Mansoura in der Rechtssache Nr. 2981 aus dem Jahr 2023 zu vier Jahren Haft, weil er in Social-Media-Beiträgen, die sich gegen eine Kreditaufnahme Ägyptens beim Internationalen Währungsfonds (IWF) richteten, "falsche Nachrichten" verbreitet haben soll. Später teilten ihm die Gefängnisbehörden mit, dass die Zeit, die er in der Untersuchungshaft verbracht hatte, nicht auf die Vollstreckung seiner Strafe angerechnet würde, die erst am Tag des Urteilsspruchs beginnen würde. Damit wurde sein voraussichtliches Entlassungsdatum auf den 2. September 2027 hinausgezögert.

Am 15. Januar 2026 reichten die Familie und die Rechtsbeistände von Mohamed Adel bei der Staatsanwaltschaft eine offizielle Beschwerde ein, in der sie um eine Untersuchung seiner Vorwürfe baten, er sei im Gefängnis angegriffen worden. Er hatte tags zuvor seiner Frau bei einem Gefängnisbesuch berichtet, dass andere Gefangene ihn geschlagen und versucht hätten, ihn zu erwürgen, und dass sie am 10. Januar drohten, ihn zu töten, nachdem er von Wärtern aus seiner Zelle geholt worden war, die danebenstanden und nicht eingriffen. Seine Frau bestätigte, blaue Flecken an seinem rechten Knie und Würgemale an seinem Hals gesehen zu haben. Nachdem die Familie öffentlich bekannt gegeben hatte, dass sie Beschwerde eingereicht habe, gab das Innenministerium am 15. Januar eine Stellungnahme ab und bestritt den Angriff auf Mohamed Adel. Am 19. Januar befragte der Generalstaatsanwalt bei der Berufungsstaatsanwaltschaft Mansoura die Frau und den Vater von Mohamed Adel zu der Beschwerde. Es liegen keine Informationen über die Fortschritte dieser Untersuchung vor. Der Gesundheitszustand von Mohamed Adel hat sich verschlechtert, seit er am 7. Dezember 2025 in einen Hungerstreik getreten ist, um gegen die Weigerung der Behörden zu protestieren, ihn freizulassen, obwohl er seine Strafe bereits verbüßt hat. Die Gefängnisbehörden verweigern ihm eine angemessene medizinische Versorgung. Unter anderem müsste er fachärztlich untersucht werden aufgrund verschiedener Beschwerden, die er seit seiner Inhaftierung entwickelt hat, darunter einen Bänderriss am Knie, Muskelschwund in der Schulter und Schmerzen in der Brust. Die Gefängnisbehörden hindern ihn auch daran, sich im Freien zu bewegen und enthalten ihm jedes Sonnenlicht vor. Am 10. Februar 2026 wurde seiner Frau ein Besuch im Gefängnis ohne Angabe von Gründen verweigert, und sie wurde angewiesen, am 14. Februar wiederzukommen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Mohamed Adel wurde erstmals am 19. Dezember 2013 zusammen mit anderen Aktivist*innen wegen der Teilnahme an nicht genehmigten Protesten unter Verstoß gegen das drakonische Gesetz Nr. 107 von 2013 über Proteste festgenommen. Er wurde zu einer dreijährigen Haftstrafe mit anschließender dreijähriger polizeilicher Überwachung und einer Geldstrafe von 50.000 ägyptischen Pfund (knapp 900 Euro) verurteilt. Er wurde im Januar 2017 freigelassen und täglich von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Am 19. Juni 2018 wurde er erneut festgenommen, als er sich auf der Polizeistation Aga im Gouvernement Dakahlia meldete. Ihm wurde vorgeworfen, sich einer "illegalen Gruppe" angeschlossen und "falsche Nachrichten" verbreitet zu haben. Er wurde im Zusammenhang mit der Rechtssache Nr. 5606, Verwaltung Aga in der Stadt Mansoura, Gouvernement Dakahlia, in Haft genommen. Kurz darauf sah er sich in der Sache Nr. 4118 aus dem Jahr 2018 in Sherbin, Gouvernement Dakahlia, mit einer ähnlichen Anklage konfrontiert. Im Jahr 2020 lud die Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (SSSP) ihn vor und erhob in der Rechtssache Nr. 467 aus dem Jahr 2020 erneut ähnliche Vorwürfe gegen Mohamed Adel. Er verbrachte zwei Jahre und sieben Monate in Untersuchungshaft, bis für den 27. Januar 2021 seine Freilassung gegen eine Kaution von 10.000 ägyptischen Pfund (etwa 180 Euro) angeordnet wurde. Die Sicherheitskräfte weigerten sich jedoch, ihn freizulassen. Durch die missbräuchliche Praxis der "Rotation" war er ohne Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit inhaftiert, und zwar über die gesetzliche Zweijahresfrist für eine Untersuchungshaft hinaus. Er verbrachte weitere zwei Jahre und sieben Monate in Untersuchungshaft, bis er in der Rechtssache Nr. 2981 aus dem Jahr 2023 vor Gericht gestellt und am 2. September 2023 zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Nach seiner Festnahme im Juni 2018 wurde Mohamed Adel im Gefängnis von Mansoura im Gouvernement Dakahlia inhaftiert. Im Mai 2022 wurde er nach dem Abriss dieses Gefängnisses in das Hochsicherheitsgefängnis Gamassa, ebenfalls im Gouvernement Dakahlia, verlegt. Am 31. Dezember 2024 verlegte man ihn aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Gamassa, wo er nicht ausreichend Nahrung erhalten hatte, in den Trakt 4 des Gefängnisses in Al-Ashir min Ramadān.

Am 20. Januar 2026 nahmen Sicherheitskräfte den Aktivisten Ahmed Douma ohne Haftbefehl in seiner Wohnung in Kairo fest, offenbar als Vergeltung dafür, dass er sich im Internet mit Mohamed Adel solidarisiert und Rechenschaft über die mutmaßlichen Angriffe im Gefängnis verlangt hatte. Angehörige der SSSP verhörten Ahmed Douma mehr als zwölf Stunden lang, bevor sie ihn gegen eine Kaution von 100.000 ägyptischen Pfund (knapp 1.800 Euro) freiließen.

In den Jahren 2024 und 2025 hinderten die Gefängnisbehörden Mohamed Adel daran, seine Postgraduierten-Prüfungen als außerordentlicher Student des öffentlichen Rechts an der Universität Mansoura abzulegen.

Im Gefängnis von Al-Ashir min Ramadān erlauben die Gefängnisbehörden seiner Familie, ihn einmal im Monat zu besuchen, wobei gelegentlich ausnahmsweise Besuche an nationalen oder religiösen Feiertagen gewährt werden. Die ägyptischen Behörden haben Mohamed Adel wiederholt den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung innerhalb des Gefängnisses und die Verlegung in Krankenhäuser außerhalb des Gefängnisses für Diagnosen und Behandlungen verweigert, die im Gefängnis nicht möglich sind. Seit seiner Festnahme im Jahr 2018 wurde er nur ein einziges Mal medizinisch untersucht, als die Behörden des Hochsicherheitsgefängnisses Gamassa ihn im August 2024 wegen mehrerer Beschwerden, darunter einen Bänderriss am Knie und eine Flüssigkeitsansammlung im Knie, in das Allgemeine Krankenhaus von Mansoura verlegten. Einem ärztlichen Bericht zufolge, den er im Krankenhaus einsehen durfte, erfordert sein Zustand eine Operation des Kniegelenks, die jedoch abgelehnt wurde. Nach Angaben seiner Frau leidet er außerdem an Muskelschwund in der Schulter und einem ausgekugelten Schultergelenk. Darüber hinaus leidet er unter nicht diagnostizierten Brustschmerzen. Außerdem hat er eine dunkelbraune Verfärbung der Fingernägel und Nagelbrüche unbekannter Ursache entwickelt. Sein Gesundheitszustand hat sich zudem aufgrund seines am 7. Dezember 2025 begonnenen Hungerstreiks, in dessen Verlauf er erheblich an Gewicht verloren hat, sehr verschlechtert.