China: uigurische Studentin aus der Haft entlassen
Diese Urgent Action ist beendet.
Die uigurische Studentin Kamile Wayit wurde am 28. Dezember 2025 nach Verbüßen einer dreijährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen. Die Studentin war am 25. März 2023 wegen der Veröffentlichung eines Videos zu den "Weiße-Blätter-Protesten", die im November 2022 in ganz China stattfanden, der "Förderung des Extremismus" für schuldig befunden worden. Berichten zufolge ist sie wieder bei ihrer Familie und soll sich in guter Verfassung befinden.
Die uigurische Studentin Kamile Wayit wurde im Dezember 2022 in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas festgenommen.
© Privat
Vielen Dank allen, die sich für Kamile Wayit eingesetzt haben!
Sachlage
Die uigurische Studentin Kamile Wayit kam am 28. Dezember 2025 nach Verbüßen einer dreijährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis frei. Nach Amnesty International vorliegenden Informationen ist sie wieder bei ihrer Familie und soll sich in guter Verfassung befinden. Sie plant, eine lange verschobene Augenoperation durchführen zu lassen.
Vor ihrer Inhaftierung im Dezember 2022 war Kamile Wayit Studentin am Shangqiu Institute of Technology in Henan. Am 25. März 2023 wurde sie wegen "Förderung des Extremismus" zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Sie hatte im November 2022 ein Video der "A4-Proteste" ("Weiße-Blätter-Proteste") auf der Internetplattform WeChat veröffentlicht. Sie ist eine der wenigen Personen, von denen bekannt ist, dass sie wegen eines "Verbrechens" im Zusammenhang mit den Protesten verurteilt wurden. Die unbegründeten Anklagen und das unverhältnismäßige Strafmaß hängen nach Ansicht von Amnesty International zum Teil mit ihrer Identität als Uigurin zusammen.
Amnesty International wird die Situation von Kamile Wayit auch nach ihrer Freilassung im Auge behalten und dabei besonders darauf achten, inwieweit ihr volle Freiheit gewährt wird, einschließlich des Rechts auf Freizügigkeit und auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit.
Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben. Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzes sind nicht erforderlich.
Hintergrundinformation
Über Xinjiang
Seit 2017 begeht die chinesische Regierung unter dem Deckmantel einer Kampagne gegen "Terrorismus" und "religiösen Extremismus" weitreichende und systematische Menschenrechtsverletzungen gegen die in Xinjiang lebenden Menschen muslimischen Glaubens. Schätzungen zufolge werden seit 2017 über eine Million Menschen willkürlich in Internierungslagern in ganz Xinjiang festgehalten.
Im August 2022 veröffentlichte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte einen lange erwarteten Bericht, in dem frühere Erkenntnisse von Amnesty International und anderen bestätigt wurden. Der Bericht macht deutlich, dass das Ausmaß der willkürlichen und diskriminierenden Inhaftierungen von Uigur*innen, Kasach*innen und anderen überwiegend muslimischen Personen in Xinjiang als Völkerrechtsverbrechen und insbesondere als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden kann. Darin wird außerdem eine ganze Reihe an schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, darunter Vorwürfe der Folter und anderen Misshandlungen, Vorfälle von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt, Zwangsarbeit und Verschwindenlassen.
Über die "A4-Proteste" oder "Weiße-Blätter-Bewegung" in China
Am Donnerstag, den 24. November 2022, brach in einem Wohnhaus in Urumqi ein Feuer aus, bei dem nach Angaben der Regierung mindestens zehn Menschen ums Leben kamen. Viele machten die Coronabeschränkungen für die Todesfälle verantwortlich, aber die örtlichen Behörden wiesen diesen Vorwurf zurück. Dennoch kam es in Urumqi, der Hauptstadt der Region Xinjiang, zu Protesten. Am nächsten Morgen erklärte die Regierung, dass der Coronaausbruch unter Kontrolle sei und die Abriegelung der Stadt gelockert werde. Dies beendete mehr als 100 Tage eines Lockdowns, in denen die Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt waren.
Am 25. November protestierte ein*e Studierende*r der Medienhochschule in Nanjing mit einem weißen Blatt Papier auf dem Campus, und andere Studierende schlossen sich ihm*ihr an. Die Aktion verbreitete sich mittels Videos in den Sozialen Medien rasch im Land. Darauf war der Ausbruch von Protesten an Universitäten und in Städten in ganz China zu sehen, darunter in Peking, Guangzhou, Shanghai und Wuhan.
Friedliche Protestierende gedachten der Opfer des Brandes in Urumqi und forderten die Aufhebung der Lockdown-Maßnahmen. Viele forderten auch ein Ende der Zensur und einige verlangten den Rücktritt von Präsident Xi. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen, weil sie sich an friedlichen Protesten gegen die Coronabeschränkungen beteiligt hatten. Es ist bislang nicht bekannt, wie viele sich noch in Haft befinden. Im Internet kursierende Videos zeigen, wie die Polizei bei Festnahmen auf Demonstrierende einprügelt.
Die Weiße-Blätter-Bewegung zeichnete sich auch durch den transnationalen Charakter der Proteste aus: Im Ausland studierende Chines*innen demonstrierten häufig in Solidarität mit den Studierenden im Land. 2023, anlässlich des einjährigen Jubiläums, hat Amnesty International die Geschichten von sechs Teilnehmenden veröffentlicht, die berichten, wie die Weiße-Blätter-Bewegung ihr Leben verändert hat.