Aktuell Peru 13. September 2017

Verseuchtes Grundwasser gefährdet Menschen in indigenen Gemeinden

Häuser an einem Flussufer im Hintergrund Regenwaldbäume

Auch im Ort Cuninico am Amazonas-Quellfluss Marañón sind Menschen den gesundheitsschädlichen toxischen Metallen ausgesetzt

Sie erblinden, bekommen keine Luft oder erleiden Fehlgeburten: Verseuchtes Trinkwasser macht Menschen in indigenen Gemeinden Perus krank, doch Behörden und Regierung werden nicht aktiv.

Die peruanische Regierung vernachlässigt die prekäre Gesundheitssituation in indigenen Gemeinden, deren Grund- und Trinkwasser mit giftigen Metallen verseucht ist und denen eine Anbindung an das öffentliche Gesundheitssystem fehlt. In dem heute veröffentlichen Bericht "A Toxic State" macht Amnesty International auf die Lage der indigenen Gemeinden in Cuninico im Amazonasgebiet und in der Andenregion Espinar aufmerksam. 

In beiden Gebieten wurden im Wasser Spuren von toxischen Schwermetallen und anderen Chemikalien durch die peruanischen Behörden nachgewiesen. Die Mehrheit der lokalen indigenen Bevölkerung wies in medizinischen Untersuchungen deutlich erhöhte Blutwerte für Blei, Quecksilber, Cadmium und Arsen auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt davor, dass Belastungen durch die Metalle zu schweren Gesundheitsschäden führen können. Dazu zählen Gedächtnisverlust, Unfruchtbarkeit, Erblindung, Diabetes, Leberschäden, Nierenversagen, Krebs und fetale Entwicklungsstörungen.

Schwere Erkrankungen durch verseuchtes Wasser

Besonders Frauen und Kinder leiden unter der Trinkwasserverschmutzung. In Interviews mit Amnesty International gaben betroffene Frauen in den Gemeinden an, regelmäßig Bauchschmerzen, brennende Schmerzen beim Urinieren, Allergien, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Atemprobleme und andere gesundheitliche Probleme zu haben. Außerdem kommt es vermehrt zu Fehlgeburten. Kinder leiden unter ähnlichen Symptomen und haben oftmals Schwierigkeiten, sich in der Schule zu konzentrieren. 

Carmen Catalina Chambi Surco, die mit ihrer Familie in der Provinz Espinar wohnt, leidet unter chronischen Lungenschmerzen, ist auf einem Ohr taub und wurde bereits an der Leber operiert. Auch vier ihrer insgesamt sechs Kinder sind schwer erkrankt, eines kam halb taub zur Welt und einem anderen Kind musste eine Zyste an der Lunge entfernt werden.

Liseña Esmeralda Oblitas, eine Indigene aus Cuninico, berichtete Amnesty International, dass sie 2014 bei ihrem damals 15 Jahre alten Sohn merkwürdige Symptome bemerkte: Starkes Fieber, eine Sehschwäche, Schmerzen beim Urinieren und Knochenschmerzen. Seither ist er nahezu erblindet und kann aufgrund seiner starken Schmerzen kaum noch das Haus verlassen. 

Tatenlosigkeit der Verantwortlichen

Die peruanische Regierung hat bisher unzureichend und äußerst zögerlich auf die Situation reagiert. Zwar wurde 2017 ein medizinischer Notstand für die Gegend um Cuninico ausgerufen, allerdings sind keine aktiven Maßnahmen seitens der Regierung ergriffen worden, um der Trinkwasserverseuchung und der mangelnden medizinischen Versorgung der Indigenen entgegenzuwirken. Es gab keine Untersuchungen, um den Ursprung der Verschmutzung zu identifizieren.

Über Jahrzehnte sind Indigene in Peru als Bürger zweiter Klasse behandelt worden. Das zögerliche Handeln peruanischer Behörden angesichts der Tatsache, dass hunderte Indigene giftigen Metallen in ihrem Trinkwasser ausgesetzt sind, ist nicht nur unmenschlich, sondern auch ein Verstoß gegen ihr Recht auf Gesundheit.

Salil
Shatty
Generalsekretär von Amnesty International

"Die Behörden müssen sicherstellen, dass die Menschen in Cuninico und Espinar Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und dass die Ursachen für die Grundwasserverschmutzung aufgeklärt und beseitigt werden", fordert Salil Shatty, Generalsekretär von Amnesty International.

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