Amnesty Report Kenia 18. Juli 2013

Zur Verwaltungsrechtssache eines kenianischen Staatsangehörigen

Asyl-Gutachten zur Verwaltungsrechtssache eines kenianischen Staatsangehörigen

18.07.2013

1) Decken sich die Angaben des Klägers zur Organisation und Ausführung der Kontrolle der Matatus durch die Mungiki-Sekte mit den Ihnen insoweit vorliegenden Informationen? Insbesondere: Welche Erkenntnisse liegen Ihnen vor zu der beschriebenen Ahndung von verweigerten Schutzgeldzahlungen?

Die Mungiki-Sekte ist eine geheime Organisation, sodass die genaue Zahl der Mitglieder nicht bekannt ist. Die Mitglieder sind überwiegend unterprivilegierte Männer zwischen 15 und 35 Jahren. Die Sekte hat vor allem in der Slumbevölkerung Nairobis viele Anhänger. Mungiki gibt an, aus moralischen, religiösen und kulturellen Beweggründen zu handeln. Gleichzeitig behauptet sie selbst von sich, eine bedeutende Rolle in der öffentlichen Ordnung zu spielen.
Die Mungiki-Sekte versucht, Kontrolle über Teile des Transportwesens in Kenia und insbesondere das Matatu-Geschäft zu erlangen. Unter anderem erpresst sie Schutzgelder von den Fahrern der Matatu-Busse, betreibt eigene Taxirouten und verkauft in den Slums illegal Wasser und Strom. Entlang von Strecken, die von Mungiki kontrolliert werden, müssen Fahrer entsprechend der Größe ihres Busses an einzelnen Kontrollpunkten eine Gebühr entrichten. Wer sich verweigert, muss mit Entführung, Folter oder Tötung rechnen.1 (Vgl. auch 2).
In der Bevölkerung ist sie vor allem für Schutzgeldererpressungen bekannt. Immer wieder ist sie in diesem Zusammenhang für extralegale Tötungen verantwortlich, z.T. durch Enthauptung. Häufig werden entsprechende Besitztümer, wie Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs niedergebrannt oder anderweitig zerstört.2
In der Vergangenheit kam es zudem mehrfach zu Zusammenstößen zwischen den Mungiki und privaten Bürgerwehren, die gegründet wurden, um Gemeinschaften vor Schutzgelderpressungen und den damit einhergehenden, beschriebenen Folgen zu schützen. Beispielsweise starben 2009 im Distrikt Kirinyaga in Zentralkenia bei solchen Auseinandersetzungen rund 45 Menschen.3 (Vgl. auch 3b).

Das komplette Gutachten zum Download unter "Weitere Dokumente".

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Kenia Positionspapiere

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