Asylverfahren eines Kamerunischen Staatsangehörigen
Seit etwa 2005 werden in Kamerun Personen aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen sexuellen Orientierung zunehmend Opfer von willkürlichen Verhaftungen, Inhaftierungen und anderen Formen von Menschenrechtsverletzungen. Die Afrikanische Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker äußerte im Mai 2005 ihre große Sorge über die wachsende Intoleranz gegenüber sexuellen Minderheiten in Kamerun.
1. Wann droht in Kamerun Strafverfolgung wegen Homosexualität,
a) schon bei bloßer, unbetätigter Veranlagung,
b) auch bei einer nicht in die Öffentlichkeit gerichteten, diskreten Lebensweise oder
c) erst bei einer in die Öffentlichkeit gerichteten Lebensweise?
a) Auch bei bloßer, unbetätigter Homosexualität droht in Kamerun Strafverfolgung, wenn Menschen nach Ansicht ihrer Umwelt z.B. Kleidung tragen oder Verhaltensweisen und Eigenschaften zeigen, die nicht ihrem Geschlecht entsprechen. Dabei ist es unerheblich, welche sexuelle Orientierung oder sexuelle Identität sie tatsächlich haben. Solche Menschen werden diskriminiert, sind gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt und werden häufig von Menschen in ihrer Umgebung angezeigt und von der Polizei willkürlich festgenommen. Angehörige der Polizei und Sicherheitskräfte werden bei jedem Hinweis auf Homosexualität aus der Bevölkerung tätig
b) Da gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen nach dem Strafgesetzbuch von Kamerun eine Straftat darstellen, bleibt Homosexuellen in Kamerun nur die Möglichkeit, so zu leben, dass ihre sexuelle Orientierung oder Identität in der Öffentlichkeit nicht bekannt wird. Sie müssen aber in ständiger Angst vor Denunziationen und weitere Verfolgung leben (Vgl. 1.a)).
c) Es ist Homosexuellen in Kamerun de facto nicht möglich, ihre sexuelle Orientierung offen zu leben. Festnahme und gerichtliche Verfolgung sind ihnen gewiss. Ihnen drohen angesichts der sehr weitverbreiteten Homophobie in der Gesellschaft weitreichende Ausgrenzung sowie gewalttätige körperliche und psychische Übergriffe seitens der staatlichen Behörden, der Bevölkerung, des Gefängnispersonals und der Sicherheitskräfte.
Das komplette Asylgutachen unter "Weitere Dokumente" zum Download.