Pressemitteilung Aktuell Kultur Deutschland 27. Januar 2020

Anke Engelke, Sebastian Schipper und Maryam Zaree sind in der Amnesty-Jury bei der Berlinale 2020

Collage bestehend aus vier Porträtaufnahmen

Die Mitglieder der Amnesty-Jury auf der Berlinale 2020: Anke Engelke, Sebastian Schipper, Maryam Zaree und Markus N. Beeko (v.l.n.r.)

Zum ersten Mal besteht die Jury für den Amnesty-Filmpreis der Berlinale aus vier Mitgliedern: Neben Amnesty-Generalsekretär Markus N. Beeko werden Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke, Regisseur und Schauspieler Sebastian Schipper sowie Schauspielerin und Filmemacherin Maryam Zaree den Film aus dem Programm der Berlinale auswählen, der sich auf herausragende Art und Weise mit einem menschenrechtlichen Thema auseinandersetzt.

"Filme unterhalten, klar, sie bringen uns Menschen und Geschichten näher, auch klar, aber immer wieder konfrontieren sie uns mit dem, was wir übersehen oder gar nicht kennen", sagt Engelke. "Wenn Menschenrechte und Menschenrechtler bedroht sind, kann und muss Film erinnern und sensibilisieren. Ich danke für die Einladung in die Amnesty-Jury und freue mich auf unangenehme Wahrheiten und engagierte Zuversicht."

Juror Schipper sagt zu seiner Arbeit für Amnesty: "In einer Welt, in der Diskussionen fast nur noch schreiend geführt, Argumente ausschließlich auf die eigene Überzeugung hin überprüft werden und Werte wie Demokratie und Humanismus plötzlich zur Disposition gestellt werden, hat Amnesty International das eigentlich Unmögliche geschafft: eine klare und bedeutsame Stimme der Vernunft und der überparteilichen Gerechtigkeit zu bleiben, ohne dabei gestrig oder überholt zu wirken."

"'Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.' In Zeiten der Polarisierung, in denen jede Seite die Wahrheit für sich beansprucht, ist Artikel 1 der Menschenrechte für mich immer wieder der ethische Kompass, an dem sich unsere Taten und Worte messen müssen", sagt Zaree. "Großartige Filme halten dieses Versprechen. Sie fordern uns auf, unsere Perspektive und unser Herz zu erweitern und uns in unserem gemeinsamen Menschsein in der Welt zu erkennen."

"Mit Filmen lassen uns Autorinnen und Autoren, Regisseurinnen und Regisseure, Produzentinnen und Produzenten und Schauspielerinnen und Schauspieler kaum vorstellbare Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Verfolgung oder psychologische Unterdrückung fast hautnah erleben – und sie erzählen die wichtigen Geschichten von Hoffnung, Mut und Entschlossenheit", sagt Amnesty-Generalsekretär Beeko. "Dies ist wichtig in Zeiten, in denen das Grundprinzip 'Gleiche Rechte für alle Menschen' angegriffen wird, in denen Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtler weltweit bedroht, verfolgt und getötet werden. Wir alle können und müssen Menschenrechte verteidigen und Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtverteidiger unterstützen – Filme haben die Macht, uns daran zu erinnern."

Der Gewinner des Amnesty International Filmpreises wird am 29. Februar 2020 (Samstag) zum 16. Mal auf der Preisverleihung der unabhängigen Jurys der Berlinale gekürt. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis soll Filmschaffende ermutigen, ihre Arbeit den Menschenrechten zu widmen.

Weitere Infos gibt es auf amnesty.de/berlinale

Hintergrund

Die Jury

Markus N. Beeko (geboren 1967 in Köln) ist seit 2016 Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty International. Er ist seit 2004 für Amnesty in Führungsfunktionen in Deutschland und auf internationaler Ebene aktiv. Neben seinen deutschen Ämtern leitet er die internationale Amnesty-Steuerungsgruppe zu "Menschenrechten im digitalen Zeitalter".

Anke Engelke (geboren 1965 in Montreal/Kanada) sammelte bereits als Kind Synchronerfahrungen und moderierte TV- und Radiosendungen. Engelke gehörte zum "Wochenshow"-Ensemble, ihre Reihe "Ladykracher" gilt mit 8 Staffeln als erfolgreichstes deutsches Sketchformat. Im Kino erlebte man sie zuletzt in Aron Lehmanns "Das schönste Mädchen der Welt", bei Amazon Prime Video ist sie in der Spionageserie "Deutschland 86" und in 2020 in "Deutschland 89" zu sehen. Als Synchronsprecherin leiht sie verschiedenen Figuren ihre Stimme: Marge bei den "Simpsons" und Dorie in "Finding Nemo" ("Findet Nemo") und in "Finding Dorie" ("Findet Dory"). Zwischen 2003 und 2019 war sie insgesamt 13 Mal Host der Eröffnung sowie Bärenverleihung der Berlinale.

Sebastian Schipper (geboren 1968 in Hannover) studierte nach dem Abitur Schauspiel an der Otto Falckenberg Schule in München. Nach ersten Kinoauftritten gab er 1998 mit "Absolute Giganten" sein Debüt als Drehbuchautor und Filmregisseur. Nach weiteren Rollen als Schauspieler brachte er mit "Ein Freund von mir" (2006 mit Daniel Brühl und Jürgen Vogel) seinen zweiten Kinofilm als Regisseur und Drehbuchautor heraus. Schipper war unter anderem in mehreren Folgen des Hamburger "Tatort" an der Seite von Wotan Wilke Möhring zu sehen. Schippers Film "Victoria" (bei dem er nicht nur als Autor und Regisseur, sondern erstmals auch als Produzent tätig war) sorgte dann auf der 65. Berlinale für Furore, gewann einen silbernen Bären, in der Folge sechs deutsche Filmpreise (unter anderem für den besten Film) und sorgte auch international für Aufsehen. "Roads" war 2019 die erste internationale Produktion von Sebastian Schipper. Der Film, der die Geschichte von einem jungen Flüchtling und einem jungen Londoner erzählt, feierte beim Tribeca Filmfest in New York Premiere.

Maryam Zaree (geboren 1983 in Teheran) wuchs in Frankfurt a. M. auf und studierte Schauspiel an der Filmuniversität Babelsberg. Für ihre Rolle in der Serie "4 Blocks" gewann sie den Grimme-Preis. Mit dem Regisseur Christian Petzold arbeitet sie regelmäßig zusammen ("Transit", "Polizeiruf 110: Tatorte", "Undine"). Zuletzt war sie im Kino in "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt zu sehen. Sie ist zudem als Autorin und Regisseurin tätig, 2017 gewann sie mit ihrem ersten Stück "Kluge Gefühle" den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts, 2019 den Schiller-Gedächtnispreis. Ihr Regiedebüt, der Dokumentarfilm "Born in Evin", feierte seine Premiere auf der Berlinale 2019, wurde in über dreißig Ländern gezeigt und gewann unter anderem den Kompass-Perspektive-Preis und den Hessischen Filmpreis.

Bisherige Preisträger des Amnesty-Filmpreises der Berlinale (Auswahl):

"Espero tua (re)volta" (2019) von Eliza Capai

"Zentralflughafen THF" (2018) von Karim Aïnouz

"La libertad del diablo – Devil's Freedom" (2018) von Everardo González

"Royahaye Dame Sobh – Starless Dreams" (2016) von Mehrdad Oskouei und "Fuocoammare – Fire at the Sea" (2016) von Gianfranco Rosi

"Tell Spring Not to Come This Year" (2015) von Saeed Taji Farouky und Michael McEvoy

"Al Midan" (2014) von Jehane Noujaim

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