Jetzt im Kino: "Stein der Geduld"
Szene aus dem Film "Stein der Geduld"
© Rapid Eye Movies
Mit "Stein der Geduld" bringt Regisseur und Autor Atiq Rahimi das Thema Frauenrechte in Afghanistan auf die Kinoleinwand. Die Verfilmung seines gleichnamigen Bestsellers ist ein ergreifendes und visuell atemberaubend schönes Werk über Unterdrückung und Selbstbefreiung, die Liebe und den Krieg.
Sie hatte ihm schon lange etwas mitzuteilen – doch erst jetzt, wo er durch das Koma gelähmt ist, beginnt die junge Frau endlich zu ihm zu sprechen. Über das Drama ihrer Ehe, ihr erlittenes Leid und ihre geheimsten Gedanken. Es sind zwar auch der Krieg und die Schüsse in den Straßen präsent – doch im Mittelpunkt steht das Schicksal und die Gefühlswelt einer Persönlichkeit, die den afghanischen Frauen und Mädchen eine Stimme geben soll.
Ihr Mann wird zum "Stein der Geduld" – in der persischen Mythologie ein magisches Objekt, das die Schmerzen eines Menschen so lange in sich aufnehmen kann, bis es nicht mehr geht und unter dem Druck zerspringen muss. Doch was passiert, wenn der Mann aus dem Koma erwacht? Wenn sich offenbart, wie viele Geheimnisse seiner Frau tatsächlich in sein Bewusstsein vorgedrungen sind?
Mit ästhetischer, fast unwirklich schöner Bildsprache stellt Rahimi die Protagonistin (gespielt von der iranischen Schauspielerin Golshifteh Farahani) in den Mittelpunkt, aber orientiert ihr Schicksal an einer traurigen Realität: Zwangsehen gehören in Afghanistan immer noch zum Alltag. Frauenrechte haben seit dem Sturz der Taliban vor 12 Jahren zwar an Bedeutung gewonnen, doch für viele Frauen und Mädchen existieren diese Errungenschaften bisher nur auf dem Papier. Trotz Gleichberechtigung in der Verfassung, einem besseren Zugang zu Bildung und Frauen, die im Parlament vertreten sind, werden ihre Rechte immer noch verletzt. Es geschehen nach wie vor Verheiratungen von Mädchen, Vergewaltigungen, familiäre Gewalt und die Praxis des Austausches von Frauen als Mittel zur Streitbeilegung. Es verschärft sich zudem das Klima für Menschenrechtsverteidigerinnen. Sie werden an ihrer Arbeit gehindert, bedroht und geraten in Lebensgefahr.
In diesem Jahr sind Amnesty International mehrere Fälle bekannt geworden, in denen politisch aktive Frauen in Afghanistan ermordet wurden. Die Regierung unternimmt wenig, um Frauenrechte auf der Agenda zu halten und Präsident Karzai war in den letzten Jahren aus strategischen Gründen immer wieder zu Kompromissen auf Kosten der Frauen bereit. Aktuell befürchten afghanische Menschenrechtsverteidigerinnen, dass ihre mühsam erkämpften Rechte zugunsten eines übereilten Friedensabkommens mit den Taliban geopfert werden könnten und dass sie in die Verhandlungen nicht mit einbezogen werden. Amnesty International fordert die internationale Gemeinschaft und die Bundesregierung darum auf, sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass die bisher erreichten Fortschritte nicht binnen kurzer Zeit zunichte gemacht werden. Denn Frauenrechte dürfen nicht wegverhandelt werden.