Nach Gaddafis Tod: Libyen braucht Gerechtigkeit
Muammar al-Gaddafi, Libyen 2010
© AP Photo/Abdel Magid Al Fergany
21. Oktober 2011 - Der Tod von Muammar Gaddafi beendet ein Kapitel in der Geschichte von Libyen, das von Folter und Unterdrückung geprägt war. Er stellt das Land aber gleichzeitig vor neue Herausforderungen.
"Das Erbe der repressiven Herrschaft von Muammar Gaddafi wird nur dann bewältigt werden, wenn die Vergangenheit aufgearbeitet und der Schutz der Menschenrechte ein fester Bestandteil des libyschen Staates geworden ist", erklärte Hassiba Hadj Sahraoui, Direktorin des Nahost- und Nordafrika-Programms bei Amnesty International.
Trotz Gaddafis Tod haben die Opfer seiner Herrschaft weiterhin ein Anrecht darauf, dass sich alle Täter vor Gericht verantworten müssen. Viele Mitarbeiter der libyschen Behörden stehen unter Verdacht, an schweren Menschenrechtsverletzungen beteiligt gewesen zu sein - so zum Beispiel am berüchtigten Massaker im Gefängnis Abu Salim im Jahr 1996.
"Die neuen Machthaber in Libyen müssen mit der Kultur der Gewalt brechen und dringende Reformen für die Menschenrechte einleiten", sagte Hassiba Hadj Sahraoui.
Amnesty International hat den Nationalen Übergangsrat aufgefordert, die genauen Umstände des Todes von Gaddafi umfassend, unabhängig und unparteiisch zu untersuchen und die Ergebnisse der Untersuchung zu veröffentlichen.
Weiterhin ruft Amnesty International den Übergangsrat dazu auf, alle, die verdächtigt werden Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen begangen zu haben, auch Gaddafis engste Mitarbeiter und Familienmitglieder, human zu behandeln und ihnen faire Gerichtsverfahren zu garantieren.