Aktuell Peru 09. Juli 2009

Einzelschicksale

José Meneses Salazar

Der 24-Jährige José Meneses Salazar aus San Juan de Ccarhuacc in der Provinz Huancavelice ist das älteste von neun Kindern. Er erzählte Amnesty International, dass seine Mutter 1999 während der Entbindung starb. Sie wollte nicht zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen, da sie Angst hatte das Personal würde sie schlecht behandeln. Als sie in den Wehen lag, war die Hebamme der lokalen Krankenstation im Urlaub, so dass Josés Vater das Baby mit Hilfe von Familienangehörigen auf die Welt brachte. Nach der Geburt löste sich die Plazenta nicht und niemand wusste was zu tun war. Zwei Stunden später starb die Mütter. Das neugeborene Mädchen überlebte.
José beschrieb die Auswirkungen des Todes der Mutter auf die Familie. Sein Vater verließ die Familie. José musste daraufhin für die Familie und den kleinen Landbesitze Verantwortung übernehmen und ging nicht mehr zur Schule. Auch seine Schwester beendete ihre Schule und kann daher kaum lesen und schreiben.

José lebt heute mit seinen drei jüngeren Geschwistern, seiner Ehefrau und seinen eigenen drei Söhnen zusammen. Infolge der Erfahrungen mit seiner Mutter ging er mit seiner Frau zur Schwangerschaftsvorsorge und brachte sie vor der Geburt in eines der Wartehäuser für werdende Mütter. Er stellt fest, dass die Krankenstation dringend mehr Personal und Ausstattung benötigt. Vor allem fehlt dort ein Ultraschallgerät, um zu sehen wie sich der Fötus entwickelt und um den Geburtstermin genauer vorhersagen zu können. Er hofft, dass sie medizinisches Personal bekommen, das dauerhaft in der Gemeinde bleibt. Ebenso wünscht José eine bessere Infrastruktur, damit Frauen in Notfällen in andere Ambulanzen transportiert werden können.

Yolanda Solier Taipe

Yolanda Solier Taipe ist 33 und mit ihrem siebten Kind schwanger. Sie lebt etwa eine Stunde entfernt von der nächsten Ambulanz in Ccharhuacc. Der Weg dorthin ist nicht mit dem Auto befahrbar.
"Die größte Schwierigkeit ist die Distanz zwischen meinem Haus und der Ambulanz. Ich muss den Berg hoch laufen, um meine Schwangerschaftsuntersuchung wahrzunehmen. Ein anderes Problem liegt darin, dass ich mich nicht schnell bewegen kann. Außerdem gibt es keine Straße in der Nähe meines Hauses und ich muss daher viel laufen."

Rosa Quichca Vargas

Rosa Quichca Vargas ist 24 Jahre alt und mit ihrem fünften Kind schwanger. Zwei ihrer Kinder starben, eines während der Geburt und eines ein paar Tage danach, wahrscheinlich aufgrund einer Lungenentzündung. Sie lebt fast eine Stunde Fußweg von der nächsten Ambulanz in Ccarhuacc entfernt. Die eine Straße dorthin kann nicht mit Fahrzeugen befahren werden, eine andere höchstens mit dem Motorrad.

"Das erste Mal verstand die Ärztin nicht was ich ihr sagte. Als ich zurückkehrte verstand sie mich wieder nicht. Das dritte Mal fragte sie mich nach meiner Familienplanungskarte und ich bin mit dieser zurückgekehrt. Ich konnte nicht mit ihr sprechen. Erst als ich mit meinem Ehemann gekommen bin, hat dieser dem Arzt verständlich gemacht, dass ich schwanger war."

"Es macht uns Angst, wenn sie mit uns Spanisch sprechen und wir nicht antworten können. Ich habe angefangen aus Angst zu schwitzen...was soll ich antworten, wenn ich kein Spanisch verstehe? Es wäre wirklich gut wenn sie Quechua sprechen könnten. Wenn mein Ehemann nach Lima geht, lässt er mich bei den "Gesundheitshelfern". Sie bringen mich zu den Untersuchungen und sprechen mit dem Arzt."

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