Drohende Vertreibung aus Kloster

Eine Menschenmenge versucht mit Unterstützung staatlicher Stellen, etwa 200 buddhistische Mönche und Nonnen aus einem in Zentralvietnam gelegenen Kloster zu vertreiben. Die Mönche und Nonnen haben dort Zuflucht gefunden, nachdem sie im September von einem ähnlichen Mob aus einem anderen Kloster vertrieben worden waren.

Appell an

AUßENMINISTER
Pham Gia Khiem

Ministry of Foreign Affairs
1 Ton That Dam Street

Ba Dinh district, Ha Noi

VIETNAM
Fax: (00 84) 43 823 1872
E-Mail: bc.mfa@mofa.gov.vn
(korrekte Anrede: Dear Minister)

MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SIICHERHEIT
Le Hong Anh
Ministry of Public Security
44 Yet Kieu Street

Ha Noi

VIETNAM
Fax: (00 84) 43 942 0223
(korrekte Anrede: Dear Minister)

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER SOZIALISTISCHEN REPUBLIK VIETNAM
Herr Minh Vu Nguyen Geschäftsträger a.i. (Gesandter-Botschaftsrat)
Elsenstraße 3
12435 Berlin
Fax: 030-5363 0200
E-Mail: sqvnberlin@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Vietnamesisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. Februar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern sie die Behörden auf, den Schutz der Mönche und Nonnen des Phuoc Hue-Klosters vor Drangsalierungen, Drohungen und Vertreibung zu gewährleisten.

  • Drängen Sie bei den Behörden darauf, sicherzustellen, dass das Phuoc Hue-Kloster seinen Tätigkeiten ohne Angst vor Repressalien oder Vertreibung weiter nachgehen kann.

  • Appellieren Sie an die vietnamesischen Behörden, umgehend eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Mob-Angriffe gegen das Kloster in Bat Nha im September und das Kloster in Phuoc Hue im Dezember in die Wege zu leiten, und die Berichte zu prüfen, denen zufolge die Polizei die Mönche und Nonnen nicht geschützt hat.

  • Fordern Sie die Behörden auf, die Religionsfreiheit zu respektieren und den Religionsgemeinschaften in Vietnam zu ermöglichen, ihren Glauben ohne Behinderungen zu praktizieren.

Sachlage

Am 11. Dezember zwang eine etwa 100 Personen starke aufgewiegelte Menschenmenge, von denen die Mönche und Nonnen einige als Polizeibeamte erkannt haben, den Vorsteher des Phuoc Hue-Klosters, ein Abkommen zu unterschreiben, das ihn verpflichtet, die betroffenen Mönche und Nonnen bis spätestens Ende dieses Jahres des Klosters zu verweisen. Der Mob drang am 9. Dezember in das Kloster ein und drangsaliert seitdem die Mönche und Nonnen dort – die meisten unter ihnen sind unter 25 Jahre alt – und setzen den Abt unter Druck, das Abkommen zu unterschreiben. Sie behinderten eine Delegation der Europäischen Union, die am 9. Dezember eine Untersuchung der Lage des Klosters vornehmen wollte. Die Behörden dementierten jedwede Beteiligung, haben es aber durchgängig unterlassen, einzuschreiten und Schutzmaßnahmen für die Mönche und Nonnen zu ergreifen, und auch keine angemessene alternative Unterbringung bereitgestellt.

Im September hatte ein ähnlich großer Mob, darunter auch Polizeibeamte, die Mönche und Nonnen bereits aus dem Bat Nha-Kloster vertrieben. Die meisten der 379 Mönche und Nonnen, die dort zu der Zeit wohnten, fanden Zuflucht im Phuoc Hue-Kloster.
Die Behörden sind an den Aktionen des Mobs aktiv beteiligt gewesen. Sie forderten Mitglieder von Organisationen der Kommunistischen Partei auf, gegen die Mönche und Nonnen vorzugehen. Sie setzten Familienangehörige der KlosterbewohnerInnen unter Druck, ihre Lebensweise aufzugeben und blockierten zeitweise die Versorgung mit Nahrungsmitteln sowie die Lieferung anderer lebensnotwendiger Dinge zum Kloster.

Die Mönche und Nonnen sind Anhänger des buddhistischen Mönchs Thich Naht Hanh, der in Frankreich lebt. Er wurde als Friedensaktivist in den 1960er Jahren berühmt und ist ein Verfechter der Religionsfreiheit und anderer Menschenrechte.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Regierung kontrolliert alle Bereiche des religiösen Lebens in Vietnam sehr streng. Mitglieder von Religionsgemeinschaften, die nicht staatlich anerkannt sind, werden unterdrückt, bis hin zur Aufgabe ihres Glaubens; sie werden in Verwaltungshaft gehalten und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die vietnamesischen Behörden verfolgen schon seit langer Zeit Religionsgemeinschaften, denen sie politische Opposition unterstellen. Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaften werden regelmäßig festgenommen, schikaniert und überwacht. Diese Repressionspolitik richtet sich auch gegen evangelikale Christen, Katholiken, Hoa Hao-Buddhisten und Mitglieder der Cao Dai-Kirche. Gegen führende Mitglieder der verbotenen Vereinigten Buddhistischen Kirche in Vietnam (Unified Buddhist Church of Vietnam) wurden jahrzehntelanger Hausarrest oder andere Einschränkungen verhängt. Unter ihnen befand sich der Oberste Patriarch Thich Huyen Quang, der von 1982 bis zu seinem Tod im Juli 2008 unter Hausarrest stand, sowie der neu gewählte Oberste Patriarch Thich Quang Do. Menschenrechtsverletzungen gegen evangelikale Montagnards-Christen im zentralen Hochland halten schon Jahre an und AnhängerInnen der hauptsächlich buddhistischen Khmer Krom-Vereinigung im Süden der Provinz An Giang werden ebenfalls verfolgt.