Student in Foltergefahr

Syrien: Hunderte Protestierende weiter in Haft

Syrien: Hunderte Protestierende weiter in Haft

Der Student Suhaib al-Ammar wurde am 18. November von Angehörigen des Luftwaffengeheimdienstes, der Teil des syrischen Sicherheitsdienstes ist, bei Daraya nahe der Hauptstadt Damaskus festgenommen. Seitdem wird er ohne Kontakt zur Außenwelt in geheimer Haft gehalten. Dies gibt Anlass zur Sorge um seine Sicherheit, da er bereits zuvor von Sicherheitskräften bedroht worden war.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410

INNENMINISTER
Major General Mohamed Ibrahim al-Sha’aar
Ministry of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 113 110 554

Sende eine Kopie an

AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs and Expatriates
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
Fax: (00 963) 11 214 625 12 oder (00 963) 11 214 625 13
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25, 10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. Januar 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin sehr besorgt darüber, dass Suhaib al-Ammar offenbar ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der nur aufgrund der Beteiligung des Ehemanns seiner Schwester an reformbefürwortenden Aktivitäten festgehalten wird.

  • Bitte teilen Sie umgehend die Gründe für seine Festnahme, seinen rechtlichen Status sowie seinen Haftort mit. Sorgen Sie bitte auch dafür, dass Suhaib al-Ammar nicht weiter ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wird, unverzüglich Kontakt zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand eigener Wahl aufnehmen kann und bei Bedarf medizinisch versorgt wird. Stellen Sie außerdem sicher, dass er vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt ist.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern that Suhaib al-Ammar appears to be a prisoner of conscience, detained solely on account of the pro-reform activism of his sister’s husband, in which case he should be released immediately and unconditionally.

  • Urging the Syrian authorities to immediately clarify the reason, legal basis and place of detention of Suhaib al-Ammar; to cease holding him incommunicado and allow him immediate access to his family, legal counsel of his own choosing, and any medical attention he may require; and to ensure that he is protected against torture or other ill-treatment.

Sachlage

Der 22-jährige Suhaib al-Ammar fuhr von Damaskus nach Daraya, um seine Schwester und seine fünf Monate alte Nichte zu besuchen. Als er bei seiner Schwester ankam, waren seine Augen verbunden und er war in Begleitung zweier bewaffneter Männer, die offenbar dem Luftwaffengeheimdienst angehörten. Sie schlugen ihn wiederholt ins Gesicht und auf den Halsbereich und gestatteten ihm nicht, mit seiner Schwester zu reden.

Die Männer sollen die Schwester von Suhaib al-Ammar nach dem Verbleib ihres Ehemannes ausgefragt haben. Dieser hält sich versteckt, seit er von den Sicherheitskräften aufgrund seiner Teilnahme an reformbefürwortenden Aktivitäten bedroht worden war. Sie drohten zuerst damit, die Tochter festzunehmen. Dann forderten sie die Schwester von Suhaib al-Ammar auf, ihren Mann zu kontaktieren und ihn dazu zu bewegen, dass er sich den Behörden stellt oder sie würden ihr "in zwei Tagen die Leiche [ihres] Bruders bringen".

Soweit bekannt ist, wurden keine Anklagepunkte gegen Suhaib al-Ammar erhoben. Er hatte zwar an einigen Protesten in Damaskus teilgenommen, aber scheinbar ist der tatsächliche Grund für seine Festnahme, Druck auf den Ehemann seiner Schwester auszuüben, sodass dieser sich freiwillig stellt. In diesem Fall betrachtet Amnesty International Suhaib al-Ammar als gewaltlosen politischen Gefangenen und fordert seine unverzügliche und bedingungslose Freilassung. Während der vergangenen Monate wurden mehrere Personen von den syrischen Sicherheitskräften festgenommen, weil deren Angehörige an Aktivitäten für politische Reformen teilgenommen hatten. Dies soll als Bestrafung für die Teilnahme an derartigen Aktivitäten dienen und kann als Druckmittel eingesetzt werden, um den gesuchten Aktivisten inhaftieren zu können.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin sehr besorgt darüber, dass Suhaib al-Ammar offenbar ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der nur aufgrund der Beteiligung des Ehemanns seiner Schwester an reformbefürwortenden Aktivitäten festgehalten wird.

  • Bitte teilen Sie umgehend die Gründe für seine Festnahme, seinen rechtlichen Status sowie seinen Haftort mit. Sorgen Sie bitte auch dafür, dass Suhaib al-Ammar nicht weiter ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wird, unverzüglich Kontakt zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand eigener Wahl aufnehmen kann und bei Bedarf medizinisch versorgt wird. Stellen Sie außerdem sicher, dass er vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt ist.

[APPELLE AN]

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410

INNENMINISTER
Major General Mohamed Ibrahim al-Sha’aar
Ministry of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 113 110 554

KOPIEN AN
AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs and Expatriates
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
Fax: (00 963) 11 214 625 12 oder (00 963) 11 214 625 13
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25, 10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. Januar 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Demonstrationen für Reformen in Syrien begannen im Februar 2011 und entwickelten sich Mitte März zu Massenprotesten. Obwohl die Demonstrationen weitgehend friedlich verliefen, reagierten die Behörden in ihrem Bestreben, die Proteste niederzuschlagen, mit großer Brutalität. Amnesty International verfügt über die Namen von mehr als 3.200 Menschen, die Berichten zufolge seit Mitte März im Zusammenhang mit den Demonstrationen gestorben sind oder getötet wurden. Vermutlich sind viele von ihnen von den Sicherheitskräften, die mit scharfer Munition gegen die ProtestteilnehmerInnen vorgegangen sind, erschossen worden, während sie an friedlichen Demonstrationen oder der Beisetzung von Opfern früherer Proteste teilnahmen. Auch Sicherheitskräfte wurden dabei getötet, oftmals durch übergelaufene Militärangehörige, die die Waffen gegen die Regierung erhoben haben.

Tausende weitere Menschen wurden festgenommen und viele von ihnen ohne Kontakt zur Außenwelt an unbekannten Orten in Haft gehalten, an denen Folter und anderweitige Misshandlungen an der Tagesordnung sein sollen. Mit der Liga der Arabischen Staaten wurde am 30. Oktober 2011 ein Aktionsplan vereinbart, auf dessen Grundlage die syrischen Behörden am 2. November zusicherten, ihre Truppen aus Städten, in denen Demonstrationen stattgefunden hatten, zurückzuziehen, inhaftierte ProtestteilnehmerInnen freizulassen und Gespräche mit oppositionellen Gruppen zu führen. Seitdem sind allerdings weitere ProtestteilnehmerInnen und vermeintliche UnterstützerInnen der Demonstrationen festgenommen worden.

Seit dem 1. April sollen mehr als 150 Personen unter ungeklärten Umständen in der Haft gestorben sein, darunter auch Kinder. Einige der Leichen wiesen Spuren von Verstümmelungen auf, die den Opfern entweder vor oder nach dem Tod zugefügt worden sind. Die grauenvolle Art der Verstümmelungen dient offenbar dem Ziel, Angst und Schrecken unter den Familien zu verbreiten, denen die Leichen ausgehändigt wurden.
Suhaib al-Ammar kommt ursprünglich aus Daraa, einem Ort im Süden Syriens. Derzeit studiert er Englische Literaturwissenschaften an der Universität in Damaskus. Vor seiner Festnahme besuchte er seine Schwester und seine Familie in regelmäßigen Abständen. Am 18. November wollte er ihnen einen Besuch abstatten, um dort seine Wäsche zu waschen, da er keine eigene Waschmaschine besitzt. Dem Vernehmen nach hatte Suhaib al-Ammar sporadisch an den reformbefürwortenden Protesten teilgenommen und war aus diesem Grund bereits im April über zwei Wochen in Haft gehalten worden, ehe man ihn ohne Anklageerhebung freiließ. Er berichtete seiner Familie, dass er während dieser Zeit auf die Beine und den Kopf geschlagen worden sei.

Dr. Mohamed al-Ammar, der Vater von Suhaib al-Ammar, der ebenfalls aus Daraa stammt, war aufgrund der Massenproteste seit Mitte März bereits dreimal festgenommen worden. Er wurde am 21. November nach einer Haftzeit von zwei Monaten freigelassen. Berichten zufolge ist er Mitglied des prodemokratischen Dachverbandes "Damascus Declaration for Democratic National Change" (DDDNC). Der Verband ist von der Regierung nicht genehmigt und setzt sich aus oppositionellen und prodemokratischen Gruppen in Syrien zusammen. Seine Familie glaubt, dass die Festnahmen aufgrund seines Mitwirkens in der syrischen Opposition erfolgt sind.