Schlechte Haftbedingungen

Majid Tavakkoli

Majid Tavakkoli

Der Student und gewaltlose politische Gefangene Majid Tavakkoli ist in einen Trakt des Evin-Gefängnisses verlegt worden, in dem die Haftbedingungen besonders schlecht und unhygienisch sind. Er verbüßt eine achteinhalbjährige Gefängnisstrafe. Er leidet nach wie vor an einer ernsten Atemwegserkrankung. Sein Gesundheitszustand wird sich vermutlich weiter verschlechtern, wenn er nicht fachärztliche Hilfe bekommt.

Appell an

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT VON TEHERAN
Ali Reza Avaei
Karimkhan Zand Avenue
Sana'i Avenue, Corner of Alley 17, No. 152
Tehran, IRAN (korrekte Anrede: Dear Mr Avaei)
E-Mail: avaei@Dadgostary-tehran.ir

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadeqh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
(Office of the Head of the Judiciary)
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran, 1316814737, IRAN (korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: über die Webseite http://www.dadiran.ir/tabid/75/Default.aspx
Auf der Website füllen Sie bitte die mit einem roten Sternchen markierten Textfelder aus. Erste Textzeile: Vorname, zweite Textzeile: Nachname. Dritte mit einem roten Sternchen markierte Zeile: Ihre E-Mail-Adresse. Appelltext in die große Textbox darunter.

LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
Howzeh Riassat-e Ghoveh Ghazaiyeh
Pasteur St. Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Mr Larijani)
Fax: (00 98) 21 3390 4986
E-Mail: bia.judi@yahoo.com
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. August 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die unverzügliche und bedingungslose Freilassung von Majid Tavakkoli, da er allein aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seiner Rechte auf freie Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit in Haft ist.

  • Dringen Sie darauf, dass er in der Zwischenzeit in angemessener Weise medizinisch versorgt wird, und von einem unabhängigen Facharzt falls nötig außerhalb des Evin-Gefängnisses untersucht und behandelt wird.

  • Erinnern Sie die Behörden daran, dass die UN-Mindeststandards für die Behandlung von Gefangenen den Iran dazu verpflichten, ausreichend Platz, ein Bett, Belüftung, Licht, Nahrung und sanitäre Anlagen zur Verfügung zu stellen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Iranian authorities to immediately and unconditionally release Majid Tavakkoli, as he is a prisoner of conscience held solely for the peaceful exercise of his rights to freedom of expression, association and assembly;

  • In the meantime, calling for him to be given access to adequate medical care, including assessment and treatment by an independent specialist outside Evin prison if necessary;

  • Reminding the authorities that the UN Standard Minimum Rules for the Treatment of Prisoners require the provision of adequate space, bedding, ventilation, lighting, food and hygiene facilities.

Sachlage

Der 24-jährige Studentensprecher Majid Tavakkoli beendete am 29. Mai 2010 nach sieben Tagen ohne jegliche Nahrungsaufnahme seinen Hungerstreik. Er hatte die Nahrungsaufnahme aus Protest gegen seine fortdauernde Einzelhaft im Evin-Gefängnis in Teheran begonnen, brach ihn aber nach seiner Verlegung in einen regulären Trakt des Evin-Gefängnisses, in dem er mit anderen Häftlingen zusammen ist, ab. Am 22. Juni wurde er dann in die Abteilung 350 des Gefängnisses verlegt, in der sehr schlechte Haftbedingungen herrschen sollen. Die Zellen sind völlig überbelegt, das Essen und die sanitären Einrichtungen unzureichend. Majid Tavakkoli leidet an einer Atemwegserkrankung, die sich seit seiner Festnahme verschlimmert hat. Er benötigt dringend medizinische Versorgung und Amnesty International befürchtet, dass sie ihm verweigert wird, um zusätzlichen Druck auf ihn auszuüben.

Majid Tavakkoli war am 7. Dezember 2009 festgenommen worden, nachdem er auf einer Demonstration von Studierenden eine Rede gehalten hatte. Zu seinem Prozess, der im Januar 2010 stattfand, war sein Rechtsanwalt nicht zugelassen. Er wurde wegen "Teilnahme an einem nicht genehmigten Treffen" zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ein weiteres Jahr Freiheitsentzug war wegen "Propaganda gegen das System" verhängt worden, zwei Jahre wegen "Beleidigung des Religionsführers" und weitere sechs Monate wegen "Beleidigung des Staatsoberhaupts". Darüber hinaus hatte das Gericht ein fünfjähriges Verbot politischer Betätigung und ein Ausreiseverbot von gleicher Dauer gegen Majid Tavakkoli verhängt. Amnesty betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Majid Tavakkoli ist Mitglied einer islamischen Studierendenvereinigung an der Universität Amir Kabir in Teheran, wo er nach vorliegenden Informationen Schiffbau studiert. Er war schon im Dezember 2007 und im Februar 2009 inhaftiert worden, siehe UA-113/2007 und UA-070/2009. Bei seiner Verhaftung am 7. Dezember 2009 war Majid Tavakkoli geschlagen worden. Er hatte auf einer Demonstration anlässlich des Tages der Studierenden im Iran eine Rede gehalten. Die Demonstration hatte am Jahrestag der in das Jahr 1953 zurückreichenden Tötung von drei Studenten durch die Sicherheitskräfte stattgefunden. Im Zuge der landesweiten Proteste waren zahlreiche Studierende und andere Personen um den 7. Dezember festgenommen worden.

Am Tag nach seiner Festnahme veröffentlichte die Nachrichtenagentur FARS, die den Revolutionsgarden und der Justiz nahe steht, Bilder von Majid Tavakkoli in Frauenkleidern und behauptete, er hätte sie zur Zeit seiner Festnahme getragen, um der Festnahme zu entgehen. Auf studentischen und anderen Websites, die angaben, dass Majid Tavakkoli bei seiner Festnahme geschlagen worden sei, wurde bestritten, dass er zu diesem Zeitpunkt Frauenkleider trug, und die Vermutung geäußert, dass man ihn später gezwungen hatte, sie anzuziehen, um ihn zu demütigen. Nachdem Majid Tavakkoli in Frauenkleidern abgebildet worden war, fotografierten sich viele iranische Männer mit Frauenkopfbedeckungen und hielten dabei Schilder vor sich, auf denen zu lesen war: "Wir sind Majid". Sie veröffentlichten diese Fotos im Internet im Rahmen der Solidaritätskampagne für die Freilassung des Studenten. Siehe dazu beispielsweise http://www.facebook.com/event.php?eid=198929939029#/photo_search.php?oid=198929939029&view=all

Am 19. Januar 2010 äußerte sich die Mutter von Majid Tavakkoli gegenüber dem persischen Dienst von Voice of America, eines von der US-Regierung finanzierten Rundfunk- und Fernsehsenders, mit den Worten: "Nach mittlerweile fünf Jahren bin ich völlig erschöpft. Er sollte nicht im Gefängnis sein. Seine Probleme sollten an der Universität gelöst werden und nicht im Gefängnis. Er hat das Recht auf Redefreiheit. Seit drei Jahren halten sie uns mittlerweile an der Leine. Wir sind in ständiger Sorge um unseren Sohn. Er hat nichts verbrochen, nichts weiter getan als zu studieren. Er hat sich lediglich kritisch geäußert. Aber dafür darf man ihn doch nicht ins Gefängnis stecken. Sie sagen, wir hätten ein Anrecht auf Redefreiheit. Ich hoffe, Majid bald sehen zu dürfen. Ich möchte die Stimme meines Sohnes hören. Für eine Mutter ist es doch so wichtig, ihre Kinder zu sehen. Es fällt schwer, mit Tränen in den Augen und Schmerzen in der Brust auf das Wiedersehen mit den eigenen Kindern warten zu müssen."

Im Mai richteten die Eltern von Majid Tavakkoli ein Schreiben an die Oberste Justizautorität des Landes, in dem sie ihre Bestürzung über das Vorgehen gegen ihren Sohn zum Ausdruck brachten. In dem Schreiben hieß es: "Es verwundert, dass die Teilnahme an einem solchen Treffen der Zivilgesellschaft einen derart hohen Preis fordert." Die Eltern betonten, dass das Recht auf Versammlungsfreiheit ein per Verfassung geschütztes Recht ist, sofern dadurch nicht gegen die "Grundwerte des Islam" verstoßen wird.Im Mai 2010 wurde Majid Tavakkoli nach dem Besuch eines Vertreters der Teheraner Staatsanwaltschaft in Einzelhaft verlegt. Er hatte zuvor einen offenen Brief aus dem Gefängnis geschrieben. Darin ging es um drei kurdische politische Gefangene, die zu den fünf Menschen zählten, die am 9. Mai 2010 hingerichtet wurden.

Die Haftbedingungen in der Abteilung 350 des Evin-Gefängnisses sind sehr schlecht. Manche Gefangene müssen auf schmutzigen Matratzen auf dem Boden schlafen. Vor den sanitären Anlagen bilden sich lange Schlangen. Auch das Essen soll von schlechter Qualität sein. Der Gefängnisladen, in dem sich Gefangene zusätzliche Nahrungsmittel kaufen können, ist für die Anzahl der Häftlinge nicht ausreichend bestückt.

Bei den anhaltenden Protesten gegen das umstrittene Ergebnis der Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009 und gegen die weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen, denen die Teilnehmer_innen verbotener Demonstrationen ausgesetzt waren, standen Studierende an vorderster Front. Die Sicherheitskräfte gingen mit exzessiver Gewalt gegen die Demonstrierenden vor und nahmen Tausende Menschen zumeist willkürlich in Haft. Dutzende Menschen wurden dabei getötet. Viele der Festgenommen wurden gefoltert oder misshandelt. Unzählige Menschen haben, zum Teil in Massenschauprozessen, unfaire Gerichtsverfahren erhalten, bei denen mehr als 80 Personen zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Gegen mindestes zwölf Festgenommene erging die Todesstrafe, mindestens eines der Todesurteile wurde in eine Haftstrafe umgewandelt. Zwei Todesurteile sind hingegen bereits vollstreckt worden.