Menschenrechtler gegen Kaution frei

Bahrain

Bahrain

Der bahrainische Menschenrechtler Hussain Mohammad Jawad ist am 9. Januar gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Ihm droht jedoch nach wie vor ein Gerichtsverfahren wegen Anklagen, die sich allein auf die Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung beziehen.

Appell an

KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555, Rifa’a Palace, al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 45 87 (mehrmals versuchen)

INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior, P.O. Box 13, al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 26 61
Twitter: @moi_Bahrain

Sende eine Kopie an

MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P. O. Box 450, al-Manama
BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 12 84

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7, 10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. Februar 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie alle gegen Hussain Mohammad Jawad erhobenen Anklagen fallen, weil sie sich nur auf legitime Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung beziehen.

  • Ich bitte Sie außerdem, die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit zu respektieren und sicherzustellen, dass Menschenrechtsorganisationen und MenschenrechtsverteidigerInnen ihre Arbeit ohne Behinderung, Einschüchterungen oder Drangsalierungen ausüben können.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to drop the charges against Hussain Jawad since they are related solely to the legitimate exercise of his right to freedom of expression.

  • Urging them to respect and protect the rights to freedom of expression and assembly and ensure that all human rights organizations and human rights defenders are able to carry out their work without hindrance, intimidation or harassment.

Sachlage

Hussain Mohammad Jawad, Vorsitzender der "Europäisch-Bahrainischen Organisation für Menschenrechte" (European-Bahraini Organization for Human Rights – EBOHR), wurde am 9. Januar gegen eine Kaution in Höhe von 100 Bahrainischen Dinar (ca. 265 US-Dollar) aus dem Gefängnis Dry Dock freigelassen. Er hatte 46 Tage in Haft verbracht. Die gegen ihn erhobenen Anklagen, darunter "Schüren von Hass auf das Regime", sind nicht aufgehoben worden. Somit droht ihm nach wie vor ein Gerichtsverfahren. Bislang ist jedoch noch kein Termin festgesetzt worden.

Der Menschenrechtsverteidiger wurde am 24. November wegen "Schürens von Hass auf das Regime" festgenommen – ein Vorwurf, der sich auf eine Rede bezog, die er am 13. November auf einer Protestveranstaltung in Manama gehalten hatte. Am darauf folgenden Tag wurde er der Staatsanwaltschaft vorgeführt, die eine 15-tägige Untersuchungshaft und seine Verlegung in das Gefängnis Dry Dock in der Hauptstadt Manama anordnete. In seiner Rede appellierte Hussain Mohammad Jawad an die bahrainische Bevölkerung, ihre Rechte friedlich und ohne Furcht einzufordern. Außerdem kritisierte er die Behörden scharf. Amnesty International hat eine Videoaufnahme der Rede von Hussain Mohammad Jawad geprüft und ist der Ansicht, dass sie keinen Aufruf zur Gewalt enthält. Am 8. Dezember brachte man Hussain Mohammad Jawad zur Polizeiwache von al-Noaim im Nordwesten von Manama. Er sollte dort verhört werden, erhielt aber keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Man informierte ihn dann, es seien Ermittlungen wegen neuer Vorwürfe, u.a. wegen "Beleidigung des Königs" und "Kritik an einer nationalen Institution" gegen ihn eingeleitet worden. Die Vorwürfe beziehen sich auf eine andere Rede, die er bei einem Sitzstreik am 13. November im Rahmen des schiitischen Ashura-Fests in Manama gehalten hatte. Der Rechtsbeistand von Hussain Mohammad Jawad wurde nicht über die neuen Vorwürfe gegen seinen Mandanten informiert. Sie dienten jedoch der Staatsanwaltschaft als Begründung für die Haftverlängerung um 30 Tage. Hussain Mohammad Jawad wurde zu den neuen Anklagepunkten nie von der Staatsanwaltschaft verhört.

Seit seiner Festnahme hat Hussain Mohammad Jawad Informationen über mindestens 800 Fälle anderer Gefangener zusammengetragen, die mit ihm im Gefängnis Dry Dock inhaftiert waren, und die Haftbedingungen dokumentiert. Der Menschenrechtsverteidiger hat sich bei Amnesty International für die Unterstützung bedankt und gesagt: "Immer wenn meine Frau mich besucht und mir über die Haltung von Amnesty zu meinem Fall berichtet hat, gab mir das wieder Kraft."

Hintergrundinformation

Hintergrund

Hussain Mohammad Jawad ist der Sohn von Mohammad Hassan Jawad, der derzeit als einer von 13 inhaftierten Oppositionellen im Jaw-Gefängnis eine 15-jährige Freiheitsstrafe verbüßt. Er wurde am 24. November festgenommen, als er auf der al-Wusta-Polizeiwache südlich von Manama Anzeige gegen eine bahrainische Tageszeitung und eine Organisation mit engen Verbindungen zu den Behörden wegen Verleumdung erstatten wollte. Die Zeitung und die Organisation hatten Fotos und Namen von 18 bahrainischen MenschenrechtsverteidigerInnen und politischen AktivistInnen veröffentlicht, denen sie vorwarfen, für "Menschenrechtsverletzungen" und "terroristische Anschläge" im Land verantwortlich zu sein und die deshalb bestraft werden müssten. Diese Aktion war offenbar eine Reaktion auf eine Kampagne des Menschenrechtszentrums von Bahrain (BCHR). Im Zuge der Kampagne veröffentlichte die Organisation die Namen einiger Personen, die nach Ansicht des BCHR für die andauernden Menschenrechtsverletzungen in Bahrain verantwortlich sind oder an ihnen beteiligt waren.

Die Unabhängige Untersuchungskommission Bahrains (Bahrain Independent Commission of Inquiry – BICI), die am 29. Juni 2011 vom König benannt wurde, ist damit beauftragt worden, während der Proteste 2011 begangene Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen und einen Bericht zu erstellen. Nach der Veröffentlichung dieses Berichts im November 2011 verpflichtete sich die bahrainische Regierung öffentlich zur Umsetzung der darin enthaltenen Empfehlungen. Der Bericht beleuchtete die Reaktion der Regierung auf die Massenproteste und dokumentierte weitreichende Menschenrechtsverletzungen. In einer der Schlüsselempfehlungen forderte der Bericht die Regierung auf, die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen wie Folter und exzessive Gewaltanwendung vor Gericht zu stellen und unabhängige Untersuchungen zu Foltervorwürfen durchzuführen.

Mehr als zwei Jahre nach dem Bericht der Unabhängigen Untersuchungskommission Bahrains hat die Regierung die wichtigsten Empfehlungen des Berichts immer noch nicht umgesetzt. Es befinden sich nach wie vor gewaltlose politische Gefangene in Haft – darunter auch Demonstrierende, die während der Proteste festgenommen wurden. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung sowie Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit werden weiterhin unterdrückt und es sind noch mehr Personen inhaftiert worden, weil sie auf Twitter oder bei Demonstrationen friedlich ihre Meinung geäußert haben. Bahrainische Gerichte scheinen stärker darauf bedacht zu sein, sich der Regierung unterzuordnen, als wirksame Rechtsmittel für BahrainerInnen anzubieten und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten.

Die Einberufung der Unabhängige Untersuchungskommission Bahrains (BICI) und deren Bericht wurden als bahnbrechende Initiative angesehen, doch das Versprechen bedeutender Reformen ist von der Regierung immer noch nicht in die Tat umgesetzt worden. Die bahrainische Regierung kommt den wesentlichen Empfehlungen der BICI zur Rechenschaftslegung nicht nach. Dazu zählt das Versagen, unabhängige, effektive und transparente Untersuchungen zu Anschuldigungen über Folter und andere Misshandlungen, exzessiver Gewaltanwendung und der Strafverfolgung derjenigen, die andere angewiesen haben Menschenrechtsverletzungen zu verüben, einzuleiten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem englischen Bericht Bahrain: Reform shelved, Repression unleashed unter http://amnesty.org/en/library/info/MDE11/062/2012/en.

Am 28. Juli 2013 hielt das bahrainische Parlament eine außerordentliche Sitzung ab und legte dem König Scheich Hamad Bin 'Issa Al Khalifa daraufhin 22 Empfehlungen vor, welche die im Antiterrorgesetz von 2006 dargelegten Strafen verschärfen. Wenige Tage später erließ der König mehrere Dekrete, die das Recht auf freie Meinungsäußerung weiter beschränken. So sind z. B. alle Proteste, Sitzstreiks und Versammlungen auf unbestimmte Zeit verboten und den Sicherheitskräften wurden weitere umfassende Befugnisse erteilt.

In einer gemeinsamen Erklärung an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte vom 9. September zur Menschenrechtslage in Bahrain, die 47 Staaten unterzeichnet haben, äußerten diese im Rahmen der 25. Tagung des UN-Menschenrechtsrates ihre Besorgnis über die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in Bahrain.